Richter glaubt nicht an den Erfolg einer Drogen-Therapie für den Angeklagten

Amtsgericht Ahaus

Der Richter verhängt eine harte Strafe gegen eine 48-jährigen Bocholter, der unter Drogen und ohne Führerschein am Steuer saß. An einen Therapieerfolg glaubte er nicht.

Ahaus

, 25.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Drei Bewährungsfristen für begangene Straftaten liefen noch, als ein 48-jähriger Bocholter erneut straffällig wurde mit ähnlich gelagerten Vergehen und das gleich mehrmals. Im Sommer 2018 soll er sich binnen vier Wochen insgesamt fünf Mal einen Leihwagen bei einer Firma in Ahaus ausgeliehen haben, obwohl ihm die Fahrerlaubnis bei früheren Prozessen bereits entzogen worden war. Mit dem Auto soll er sich in den Niederlanden, in Ahaus und an anderen Orten Kokain und Heroin besorgt haben. Bei der letzten Fahrt wurde bei einer Verkehrskontrolle in Ahaus diese neue Serie der Straftaten gestoppt. Die Beamten fanden Drogen in seiner Unterwäsche und stellten sie auch in seinem Blut fest. Wegen unerlaubten Besitzes von Drogen, dem Führen eines Fahrzeugs unter Drogeneinfluss und ohne gültige Fahrerlaubnis wurde am Amtsgericht in Ahaus gegen den Bocholter das Verfahren eröffnet.

Der Angeklagte ist seit Anfang der 1990er-Jahre drogenabhängig und litt immer wieder unter depressiven Schüben. Der gelernte Industriemechaniker wurde deshalb arbeitsunfähig und bezieht seit drei Jahren eine Frührente. Wegen seiner Drogenabhängigkeit wurde er in den letzten Jahren immer wieder straffällig. Trotz der Auflagen aus früheren Urteilen hat er bisher keine Therapie angetreten.

Fahrerlaubnis entzogen

„Seit diesem Tag nehme ich keine Drogen mehr“, versicherte der Angeklagte mit Blick auf den Tag, als die Polizei ihn stoppte. Die Vorwürfe aus der Anklageschrift gab er ohne Einschränkung zu. „Mein Mandant hat seitdem alle Termine zur Vorbereitung der Entgiftung in der stationären Therapie eingehalten. Er kann sie im Mai antreten“, versicherte die Verteidigerin. Auch seine Bewährungshelferin gab eine günstige Prognose, da er alle Termine eingehalten habe und sehr motiviert sei, sein Leben ohne Straftaten und ohne Drogen in den Griff zu bekommen. „Er hat die Taten im Zeitraum seines letzten Rückfalls begangen. Man sollte ihm die Möglichkeit geben, die Therapie auch anzutreten“, gab die Bewährungshelferin dem Richter zu bedenken.

Der Staatsanwalt forderte ein Jahr und vier Monate Haft ohne Bewährung. Der Richter ging sogar noch darüber hinaus, indem er in seinem Urteil ein Jahr und sechs Monate Haft ohne Bewährung festschrieb. Außerdem wird dem Angeklagten die Fahrerlaubnis für weitere zwei Jahre entzogen. „Es droht Ihnen eine lebenslange Sperre der Fahrerlaubnis, wenn sich bei Ihnen nichts ändert. Ich hoffe, dass das mit der Therapie klappt. Ich persönlich glaube nicht daran“, äußerte der Richter noch als Urteilsbegründung.

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