Die Fachschaft Religion des Alexander-Hegius-Gymnasiums setzt ein klares Zeichen. © privat
Alexander-Hegius-Gymnasium

Religionslehrerinnen kritisieren Segnungsverbot für homosexuelle Paare

Die Fachschaft Religion des Ahauser Alexander-Hegius-Gymnasiums kritisiert das Segnungsverbot für homosexuelle Paare in der katholischen Kirche scharf. Dem Vatikan widersprechen sie deutlich.

Das Segnungsverbot für homosexuelle Paare, das der Vatikan in der vergangenen Woche durch ein Schreiben einmal mehr bekräftigt hat, schlägt weiter hohe Wellen. Auch in Ahaus gab es schon aus verschiedenen Ecken lautstarken Protest. Nun hat die Fachschaft Religion des Alexander-Hegius-Gymnasiums im wortwörtlichen Sinne Farbe bekannt. Alle fünf Religionslehrerinnen tragen aktuell ein Regenbogen-Armband – das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung. Das Motto: „Love Is No Sin“ (engl. „Liebe ist keine Sünde“).

Außerdem hat die Fachschaft ein öffentliches Schreiben formuliert. „Wenn unsere Kinder sich auf den Weg machen, um in die Schule oder in die Studienstadt

zu fahren, dann segnen wir sie. (…) Dabei geht es

keineswegs um ein magisches ‚Alles ist gut‘ als vielmehr um die Erinnerung an die

biblische Botschaft eines menschenfreundlichen Gottes, der begleitet. Ein Gott, von dem Glaubenserfahrungen erzählen, dass jeder Mensch gleich wertvoll ist,“, heißt es dort.

Parallelen zum zweifelnden Jesaja

Als Beispiel wird die Bibelpassage angeführt, in der Gott zum zweifelnden Propheten Jesaja spricht: „Weil du in meinen

Augen teuer und wertvoll bist, und weil ich dich liebe, gebe ich für dich ganze Völker…“ Auch bei den Religionslehrerinnen des AHGs kommen mittlerweile viele Zweifel auf. „Da wir als katholische Religionslehrkräfte und getaufte Christinnen dazu berufen sind, das Gewissen nicht an einer Kirchentür abzulegen, können wir diese Nachricht nicht als handlungsbindend betrachten“, schreiben sie weiter.

Ihre theologische Grundlage sei die Botschaft des Evangeliums. „Und diese Botschaft beinhaltet Begegnung von Mensch zu Mensch, in denen sichtbar werden kann, was Liebe ist. Und genau das ist gerade keine Sünde. Punkt.“ Stephanie Müller, Vorsitzende der Fachschaft Religion, bekräftigt im Gespräch mit der Redaktion den Standpunkt der Lehrerinnen: „Das Thema brannte uns auf der Seele. Wir konnten gar nicht anders. Was Rom da geschrieben hat, ergibt überhaupt keinen Sinn.“

Gerade in dieser Corona-Zeit, in der viele Menschen auf Seelsorge angewiesen sind, seien solche Aussagen „völlig kontraproduktiv“. Auch mit den Schülerinnen und Schülern wurde über das Thema diskutiert; zum Beispiel in der 6. Klasse von Stephanie Müller. Die Lehrerin berichtet: „Die Kinder konnten nicht nachvollziehen, warum an dieser Stelle zwischen Menschen unterschieden wird. Für sie ist Homosexualität selbstverständlicher.“ Das zeigt auch die Nachfrage bei den Regenbogen-Armbändern. „Viele wollten unbedingt auch eins tragen.“ Schließlich steht schon am Eingang des Gymnasiums: „Kommt herein. Wir sind offen!“

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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