Reif für die Insel

Ahaus Ein Strandkorb, Sand und Nordseewellen - Norderney war das Traumziel der Familie Sicking. 1968 starteten Vater Bernhard, Mutter Lucia und ihre sechs Kinder in ihren ersten Familienurlaub.

03.07.2008, 19:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Reif für die Insel

"Vorher war an Urlaub ja gar nicht zu denken", blickt Bernhard Sicking (kleines Foto) heute zurück. "Für mich als Kind war es ja schon was ganz besonderes, wenn mein Opa mich mal von Legden nach Ahaus mitnahm." Und Urlaub war auch kein Thema, als Bernhard und Lucia Sicking in Essen - dort leitete Sicking als Sozialarbeiter ein Lehrlingsheim - ihre eigene Familie gründeten. Schließlich kam jedes Jahr ein Kind zur Welt.

1965 zog die inzwischen achtköpfige Familie nach Ahaus, wo Bernhard Sicking seine Stelle als erster Kreisjugendpfleger antrat. Der Hausbau an der von-Heyden-Straße folgte. Und eigentlich wäre an Urlaub aufgrund der klammen Familienkasse immer noch nicht zu denken gewesen, wenn Sicking nicht auf das Thomas-Morus-Ferienheim des Bistums auf Norderney aufmerksam geworden wäre. Und auf Fördermöglichkeiten, die das Bundesfamilienministerium gewährte. Kurzum: 1968 kletterte die ganze Familie in ihren Peugeot 404 L Familiale, damals eines der wenigen Autos mit acht Sitzplätzen. Die Koffer wurden auf dem Dach verstaut und mit einer Plastikplane abgedeckt.

"Es war wunderbar". Bernhard Sickings Augen leuchten auch 40 Jahre später noch: Die Spaziergänge zum Wrack an der Spitze der Insel, wo die Kinder Kapitän spielen konnten, der Sandburgenbau, die Wanderungen durchs Watt, die Ausfahrt mit dem Fischkutter, die Zeit der Muße im Strandkorb. "Es ist wichtig, dass sich die Familie auch 'mal ohne die alltäglichen Pflichten und Zwänge erlebt." Und das geht auch ohne Luxus: Die sechs Kinder teilten sich ein Zimmer, Essen gab es im großen Speisesaal. "Das war schön, dass so viele Familien da waren. Abends haben die Eltern zusammengesessen. Es gab Bildungsprogramme und engagierte Diskussionen über Erziehungsfragen."

Der Urlaub gefiel der Familie so gut, dass auch 1969 und 1970 wieder die Insel angesteuert wurde. Der Peugeot war zuletzt allerdings durchgerostet. Für ein neues großes Auto fehlte das Geld. "Ein VW Käfer musste reichen. Drei Kinder haben wir mit der Bahn vorausgeschickt, die drei anderen und das Gepäck fuhren im Auto mit. Weil der Käfer keinen Stauraum hatte, mussten wir auf Koffer für die Kleidung verzichten." Das führte zu einem Zwischenfall, über den Bernhard Sicking heute lachen kann: "In Lingen hatten wir eine Reifenpanne und mussten die ganze Kleidung an den Straßenrand legen, um an das Reserverad zu kommen. Und dann hielt ein Auto nach dem anderen, weil alle dachten, wir hätten als 'billiger Jakob' etwas zu verkaufen." Die Kinder hat das offenbar nicht nachhaltig traumatisiert. Als sie älter wurden und allein in den Urlaub trampten, war ihr erstes Ziel - Norderney. gro

<p>Die Sickings und ihr Peugeot 404 L Familiale (v.l.): Christa (10), Bernhard (11), Damian (9), Lucia (7), Altfrid (8), Felicitas (6) und Mutter Lucia 1968 beim Start in den ersten Familienurlaub vor ihrem neuen Haus an der von-Heyden-Straße. MLZ-Fotos privat</p>

<p>Die Sickings und ihr Peugeot 404 L Familiale (v.l.): Christa (10), Bernhard (11), Damian (9), Lucia (7), Altfrid (8), Felicitas (6) und Mutter Lucia 1968 beim Start in den ersten Familienurlaub vor ihrem neuen Haus an der von-Heyden-Straße. MLZ-Fotos privat</p>

<p>Der Vater, das Kind und das Meer: Auf Norderney erlebte Bernhard Sicking, hier mit Tochter Christa, seinen ersten Familienurlaub.</p>

<p>Der Vater, das Kind und das Meer: Auf Norderney erlebte Bernhard Sicking, hier mit Tochter Christa, seinen ersten Familienurlaub.</p>

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