Fernsehmoderator sagt „Pushcon“ ab, weil AfD Tobit-Plattformen nutzt – Tobias Groten wütet

dzPushcon Tobit Software

Prominente Absage für die „Pushcon“: Wissen-macht-Ah!-Moderator Ralph Caspers wird nicht kommen, weil die AfD Plattformen von Tobit Software nutzt. Tobias Groten ist fassungslos und wehrt sich.

Ahaus

, 27.02.2020, 16:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein feiner Riss durchzieht die Stirn von Ralph Caspers, Moderator und Gesicht der erfolgreichen Kindersendung „Wissen macht Ah!“. Verursacht wurde dieser Makel durch die Hand von Tobias Groten, CEO des Ahauser Software-Entwicklers Tobit Software. Auf einem Foto, das Groten am Donnerstag auf der Plattform Facebook veröffentlichte, ist zu sehen, wie er ein Ankündigungs-Plakat mit dem Konterfei von Caspers zerreißt.

Grund dafür ist offenbar die überraschende Absage des Moderators für die vom 24. bis 26. März stattfindende „Pushcon“, das zweimal jährlich stattfindende Treffen von (digitalen) Pionieren auf dem Tobit-Gelände. So geht es zumindest aus der öffentlichen Erklärung von Tobias Groten hervor. Er schreibt: „Ralph Caspers sagt seine Teilnahme an der Pushcon im März ab! Grund: Die Produkte und Plattformen von Tobit Software würden auch von der AfD (Alternative für Deutschland, d. Red.) genutzt.“

Twitter-Diskussion bringt Stein ins Rollen

Den Stein ins Rollen gebracht hat wohl eine Diskussion beim Kurznachrichtendienst „Twitter“. Angestoßen wurde sie vor einer Woche von User „malik.fm“, der twitterte: „Sagt mal @Tobit_Software – wieso baut ihr eigentlich Apps für Nazis?“ Ob tatsächlich – wie von Tobias Groten angedeutet – dieser Tweet Ralph Caspers dazu bewegte, seine Teilnahme am Event abzusagen, ist nicht bestätigt.

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Das Management des Moderators verwies in seiner Absage auf eine App des AfD-Kreisverbandes „Märkischer Kreis“, die auf dem Tobit-Produkt Chayns basiert, und erklärte dazu: „Aus diesem Grund ist eine Teilnahme von Herrn Caspers an der Pushcon leider nicht mehr möglich.“

Den Tobit-Gründer jedenfalls bringt die Absage samt ihrer Begründung in Rage. „(...) Plötzlich stelle ich fest, dass sich ausgerechnet der Mann, der sich speziell sogar die politische Bildung unserer Jugend auf die Fahnen geschrieben hat, von irgendwelchen Populisten bei Twitter instrumentalisieren lässt“, schreibt Tobias Groten bei Facebook. Es haue ihn um, dass der Moderator nur dann käme, falls Tobit Software die AfD von ihren Plattformen ausschließen würde.

Tobias Groten: „Unsere Produkte verbinden alles und alle.“

Er argumentiert: „Tobit macht Software. Wir sind ein Hersteller! Wir entwickeln Produkte und Plattformen wie Volkswagen und Apple, Facebook oder Twitter. (...) Unsere Produkte und Plattformen verbinden alles und alle. (...) Ob CDU oder CSU, SPD, Linke, Grüne, FDP, Piraten, oder eben auch die AfD – Bei uns findet man die gesamte Breite.“ Tobits Kompass sei allein das Gesetz.

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Keinen Hehl macht der CEO daraus, dass ihm bei Weitem nicht alles gefällt, was auf den Plattformen veröffentlicht wird: „Manche Dinge widern uns sogar regelrecht an. Aber eines wissen wir sehr genau: Wenn Hersteller und Plattformbetreiber erst einmal auf die Idee kommen, sich selbst über das Gesetz zu stellen, ist es um die Demokratie geschehen!“ Tobias Grotens Horrorszenario: „Dann sind wir ganz schnell wieder da, wo unser Land vor fast 100 Jahren war.“

Den Abschluss seiner Brandrede nutzt der Tobit-Chef dazu, sich klar von der Alternative für Deutschland zu distanzieren: „Ihr könnt mich mitten in der Nacht wecken und ich verrate euch sogar schlaftrunken mindestens zehn Gründe, warum ich niemals die AfD wähle.“ Auf Anfrage der Redaktion erklärte Tobias Groten, dass Tobit Software gleich mehrere Optionen habe, um Ralph Caspers bei der Pushcon adäquat zu ersetzen.

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