Matthias Fleischer von Münsterland Mofa hat das Treffen organisiert und sein Piaggio Ape50 mitgebracht. © Andreas Bäumer
Mofa-Treffen

„Radweg Rocker“ und Mofamonkeys knattern zum großen Treffen nach Ahaus

Ob Sammler, Bastler oder Genießer des gemächlichen Fahrens - die mehr als 130 Mofa-Fans, die sich am Samstag trafen waren bunt gemischt. Sie hatten viel zu erzählen.

Ein gemütliches Gedränge herrscht am Samstagnachmittag am Bahnhof in Ahaus. Rund 130 Mofa-Fans treffen sich dort. Damit zählt Veranstalter Matthias Fleischer, mehr als doppelt soviel wie im vergangen Jahren.

Sie kommen in Gruppen oder allein aus Epe, Borken, Leverkusen und von anderswo. Es riecht und klingt nach Zweitakter. Für später ist eine Ausfahrt und ein Treffen am Ahauser Eck geplant.

Die Mitglieder einiger Mofaklubs tragen Kutten auf ihren Ausfahrten, Selbstironie inklusive. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Wenn eine neue Gruppe heranknattert, heben sich die Blicke. Interessiert schieben sich die Angekommenen zu den aufgereihten Mofas, schauen welche Menschen und Maschinen sie finden. Die Typen und Marken sind gemischt: Vespa, Ciao, Bravo und Ape von Piaggio, die Schwalbe von Simson, Mofas von Kreidler, Puch und Tomos.

Ein alter Sammler erzählt

Auch der 85-Jährige Werner schaut sich um und wird erkannt. „Ach, das Schwalbe-Mädchen“, grüßt er eine junge Frau zurück. Er ist oft bei solchen Treffen, nächste Woche vielleicht mit einem Meico-Gespann. Heute kam er mit dem Auto, denn sein junger Hund sitzt nicht gern im Beiwagen.

„Werner“ fürchtet Einbruch und Diebstahl seiner Sammlerstück. Daher nennen wir ausnahmsweise seinen Nachnamen und seinen Wohnort nicht. Er hat nach eigenem Bekunden schon öfter unerwünschten Besuch von neugierigen Fremden gehabt.

Doch er zeigt beeindruckende Fotos seiner Sammlung. Im letzten Herbst hat er dafür die Mofas in stundenlanger Arbeit in den Garten geräumt. Seit 45 Jahren sammelt Werner Mofas. Er blickt sich um und sagt: „Dat was hier so steht, habe ich auch.“

Seine Frau hat er vor 65 Jahren auf der Meico kennengelernt und das Hobby mit ihr geteilt. Im vorletzten Jahr verstarb sie. Von der Trauer lenkt ihn das Schrauben und Schweißen ab. Für seine inzwischen erwachsenen Enkel hat er noch kürzlich einen Anhänger mit sechs bis acht Sitzgelegenheiten gebaut.

Ein ebenfalls berenteter Mofa-Liebhaber schaut sich Werners Bilder an und zeigt seine eigenen Schätze, zum Beispiel eine blau-glänzende Simson KR50 von 1966, das Vorgängermodell der Schwalbe.

Er berichtet, wie einfach es kurz nach dem Fall der Mauer war, Simson-Modelle zu bekommen. Bedauernd merkt Werner an, dass er durch den Tod eines befreundeten Sammlers einige Mofas bekommen hat.

Mofa-Hyper oder auch einfach durch die Natur knattern

Matthias Fleischer beobachtet einen „Mofa-Hype“. Die Preise steigen durch den Hype. Was vor Jahrzehnten neu 1500 D-Mark kostete, steht heute in der Rubrik „für Bastler“ für 1500 Euro. Gut erhaltene Schwalbe-Modelle kosten teils über 3000 Euro.

Mit Kutte und Mofa sind die Radweg Rocker aus Epe zum Treffen gekommen. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Junge Mofa-Fans, wie die „Radweg-Rocker“ aus Epe, besitzen deshalb meist nur eine Mofa. Die 15 Gruppenmitglieder sind zwischen 16 und 29 Jahre alt.

Sechs von ihnen sind beim Treffen dabei. In einem umgebauten Rad-Anhänger ist genug Bier für alle. Sie treffen sich regelmäßig für Ausfahrten in die Natur mit Vespa, Bravo und Hercules bei 25 bis 30 Stundenkilometern.

Alex, Mario und Thomas sowie zwei weitere Mofamonkeys aus Leverkusen haben ihre Piaggio-Mofas in einen Sprinter gepackt und für das Mofatreffen am Schweinesee gezeltet. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Ähnlich halten es die fünf Mofamonkeys aus Leverkusen. Mit den Mofas sind sie sonst im Bergischen und am Rhein unterwegs. Für den Weg nach Ahaus haben sie jedoch die Piaggios in einen Sprinter gestellt.

Sie sind schon am Freitag hergekommen, haben am Schweinesee gezeltet und die Gegend am Samstagmorgen mit dem Mofa erkundet. Auch von Samstag auf Sonntag planen sie im Zelt zu übernachten.

Horst und Markus Schleiting (v.l.) kommen aus dem Kreis Borken, aber fahren auch gern im Allgäu Mofa. Horsts Tomos ist besonders für Bergfahrten geeignet. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Von einer längeren Tour erzählt Horst Schleiting. Er ist mit seinem 15-jährigen Sohn Markus aus Borken hergekommen. Die beiden fahren gern mit ihrem Verwandten im Allgäu Mofa.

Schleiting hat die ganztägige Alpenüberquerung beim Ötztaler Moped Marathon schon mehrmals mitgemacht und erzählt begeistert von dem großen Event und der schönen Natur. Im nächsten Jahr will Markus auch mitfahren.

Als Schleiting dies erzählt, ist die Ausfahrt bereits vorbei. Für manche war sie zu kurz. Die Mofafans sitzen jetzt am Ahauser Eck beisammen.

Viele strahlen, vor allem Planer Matthias Fleischer. Mit soviel Andrang hat er nicht gerechnet. Fleißig verkauft er noch Lose für die Tombola. Am Ende kann er 1200 Euro an die Aktion Lichtblicke für Flutopfer im Ahrtal weitergeben.

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