Stefan Jürgens hat ein neues Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel: „Von der Magie zur Mystik“. © Johannes Schmittmann
Ahauser Pfarrer

Pfarrer Stefan Jürgens veröffentlicht neues Buch: „Kinderglaube ist naiv“

Unter dem Titel „Von der Magie zur Mystik“ hat der Ahauser Pfarrer Stefan Jürgens ein neues Buch auf den Markt gebracht. Der Kirchenkritiker kommt dieses Mal (fast) ohne Provokationen aus.

Stefan Jürgens, leitender Pfarrer der beiden Pfarreien St. Mariä Himmelfahrt Ahaus und St. Mariä Himmelfahrt Alstätte/Ottenstein, hat ein neues Buch veröffentlicht. Im Gespräch mit der Redaktion erklärt er, was ihn dazu bewegt hat.

Herr Jürgens, Ihr neues Buch „Von der Magie zur Mystik“ ist in der vergangenen Woche erschienen. Worum geht es?

Das verrät schon der Untertitel: Es geht um den Weg zur Freiheit im Glauben. Ich bin der Meinung: Es muss im Glauben immer auch Entwicklung geben.

Was hat Sie dazu bewegt?

Ich habe in meinem Leben – auch durch den Beruf bedingt – viele Menschen kennengelernt, die dort stehen geblieben sind, was man „Kinderglauben“ nennen kann. Der Kinderglaube ist immer naiv und magisch. Er ist naiv, weil er sich nicht auf die Vernunft einlässt. Und er ist magisch, weil jedes Kind die Welt so sieht, als würde alles mit allem zusammenhängen.

Warum verharren viele Christen im Kinderglauben?

Ursachen dafür sind für mich Misstrauen und Minderwertigkeitsgefühl, außerdem fehlende Reflexionsbereitschaft: Wer sich nicht entwickeln will, der wird sich auch nicht entwickeln. Ein weiterer Grund für das Verharren im Kinderglauben ist der Klerikalismus. Das starke Auftreten des Amts und die Priesterfixiertheit in der katholischen Kirche haben oft dafür gesorgt, dass Christinnen und Christen nicht reifen konnten.

Was meinen Sie mit dem Begriff Magie, der sich auch im Titel wiederfindet?

Wie ich schon sagte: In der Magie hängt alles mit allem zusammen. Deswegen ist Magie einerseits anziehend, aber andererseits auch zum Fürchten. Weil ich nie weiß, ob sie sich irgendwann gegen mich richtet.

Das heißt?

Ein magisches Welt- und Gottesbild bedeutet Angst. Ich habe in meinem Leben viele Menschen mit einer ängstlichen Religiosität kennengelernt, die zu einem aufgeklärten Glauben keinen Zugang gefunden haben.

Im Alltag wird Magie oft mit Zauberei gleichgesetzt…

Ich denke, man kann die Begriffe synonym verwenden. Wenn Sie die Bibel wortwörtlich nehmen und nicht historisch-kritisch lesen, finden Sie in ihr viel Unglaubliches, Zauberhaftes, und eine ganze Menge an Wundern. Wenn man all das wortwörtlich nimmt, denkt man irgendwann: Warum greift Gott heute nicht ins Weltgeschehen ein?

Was bedeutet „Mystik“ in diesem Zusammenhang?

Mystik ist die Pflege einer persönlichen Gottesbeziehung, die sich – was die Inhalte des Glaubens angeht – mit der Vernunft einlässt. Dort, wo der mystische Glaube einsetzt, der wirklich versucht, mit Gott zu leben, da ist das Mirakulöse irgendwann nicht mehr so wichtig. Glaube ist dann Beziehung mit Gott auf du und du, diesseitig und mitten im Leben.

Was ist die Kernbotschaft des Buches?

Mein Wunsch ist es, dass die Menschen sich entwickeln: von einer naiv-magischen Religiosität hin zu einem aufgeklärt-mystischen Glauben. Ich zeige einige Wege auf. Was kann man tun und wie kann man beten? Welches sind die konkreten Schritte zu einem erwachsenen Glauben? Als Beispiel nenne ich Dietrich Bonhoeffer. Dieser Theologe hat sich zu einem selbstverantwortlichen Glauben entwickelt und ist dabei unabhängig und frei geworden. Sein „religionsloses Christentum“ ist eine diesseitige Mystik ohne Magie.

Kann man jemanden, der vielleicht sein langes, bisheriges Leben mit seinem Glauben in den Kinderschuhen verharrte, wirklich noch abholen? Oder anders gefragt: Wer sollte das Buch lesen?

Man kann niemanden zu irgendetwas antreiben, aber vielleicht selber anziehend sein. Ich möchte Mut machen zu einer persönlichen Glaubensentwicklung, denn dafür ist es nie zu spät. Wer schon etwas älter ist, sollte nicht meinen, für ihn sei das Thema gelaufen. Jeder ist eingeladen, sich weiterzuentwickeln. Dafür muss man sich mit Glaubensinhalten beschäftigen und sie kritisch hinterfragen.

Sie gelten als scharfer Kirchenkritiker. Irre ich mich, oder schlagen Sie nach ihrem Bestseller „Ausgeheuchelt“ nun mildere Töne an?

Mir wurde in letzter Zeit öfters die Frage gestellt, ob der „Kirchenrebell“ jetzt „fromm“ geworden sei. Ich kann dazu nur sagen: Der Inhalt des neuen Buches ist eines meiner Leib- und Magenthemen. Ich beschäftige mich schon sehr lange damit. Aber ja, es ist sicherlich weniger provokant als „Ausgeheuchelt“, denn es geht um den Glauben selbst, nicht um die Kirche.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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