„Perfect Finish“: Ahauser schreibt Deutschlands ersten Corona-Krimi

dzInterview

Der erste Corona-Krimi Deutschlands stammt aus der Feder eines gebürtigen Ahausers. In „Perfect Finish“ geht es um eine Einbalsamiererin, die der Polizei bei Ermittlungen hilft.

Ahaus

, 05.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der gebürtige Ahauser Mike Powelz hat sein drittes Buch veröffentlicht – nach Angaben des Verlags ist „Perfect Finish“ der erste Corona-Krimi Deutschlands. Von März bis Anfang September schrieb der 49-Jährige an seinem neuen Werk, für das er zuvor mehrere Jahre lang recherchiert hatte. Denn neben dem Coronavirus steht auch ein zweites Thema im Mittelpunkt der Handlung: die Thanatologie, also die Wissenschaft vom Tod, vom Sterben und der Bestattung. Wie er darauf gekommen ist, erklärte er im Gespräch mit der Redaktion.

Herr Powelz, Thanatologie ist wahrscheinlich den wenigsten Menschen ein Begriff. Was verbirgt sich dahinter?

Allgemein gesagt ist die Thanatologie ein Forschungsgebiet, das sich mit den Problemen des Sterbens befasst. Sie ist quasi eine wissenschaftliche Studie des Todes und beschreibt auch die körperlichen Veränderungen, die während und nach dem Tod eintreten. Es gibt Schnittmengen zur Anatomie, Mikrobiologie, Chemie, Psychologie und der Rechtswissenschaft.

Sind Sie zufällig auf dieses Thema gestoßen?

Ein Freund von mir, übrigens die Vorlage für eine Romanfigur aus meinem ersten Krimi, hatte mir erzählt, dass er an Krebs erkrankt ist und nach seinem Tod thanatologisch versorgt werden möchte. Bei diesem Begriff hab ich aufgehorcht, weil ich ihn nicht kannte. Abends bin ich nach Hause gefahren und habe ihn gegoogelt. So kam es dazu, dass ich in diese Welt eingestiegen bin.

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Die Hauptfigur Ihres neuen Krimis ist Connie, eine ehemalige Hartz-4-Empfängerin, die sich zur Einbalsamiererin umschulen lässt. Warum haben Sie sich gerade auf diesen Bereich der Thanatologie fokussiert?

Bei der Recherche bin ich auf dieses Thema gestoßen. Es hat bei mir sofort Assoziationen zum alten Ägypten geweckt. Meine Nachforschungen haben ergeben, dass der Verband deutscher Einbalsamierer Kurse anbietet, in denen man die Grundlagen des Berufs erlernt. Ich habe Potenzial für einen Krimi gesehen und daher drei Seminare erfolgreich absolviert. Dafür mussten die Teilnehmer auch an echten Verstorbenen arbeiten.

Warum hat das Thema Einbalsamierung Potenzial für einen Krimi?

Weil sie mit ihrer Arbeit der Polizei manchmal wichtige Hinweise geben, so wie es in „Perfect Finish“ geschieht. Einbalsamierer sind genauso gute Detektive wie Gerichtsmediziner und haben in der Vergangenheit schon Morde aufdeckt.

Mit Ihren Thantalogie-Kursen starteten Sie 2016. Warum haben Sie bis zur Coronakrise gewartet, bevor Sie mit dem Schreiben begonnen haben?

Nachdem ich 2017 die drei Kurse absolviert hatte, gab mir ein Einbalsamierer den Rat, falls ich mich tiefer mit der Materie befassen wolle, das Standardlehrbuch des „Modern Embalming“ zu studieren, ein echter Wälzer. Sich da durchzuarbeiten, hat ebenfalls ein Jahr gedauert. Auch den Praxisteil wollte ich noch einmal vertiefen und habe daher ein Praktikum bei einer Bestatterin gemacht. Während ich die Arbeiten meiner Recherche aufgeschrieben habe, kam Covid-19. Da habe ich gedacht, es ist spannend, wie Corona den Berufsalltag der Bestatter grundlegend verändert, da sie mit potenziell Infizierten zu tun haben.

Was auffällt: Sie versuchen die Coronakrise so authentisch wie möglich darzustellen...

Ja, dafür habe ich Originalmeldungen aus verschiedenen Medien genutzt. Sie flankieren die Handlung.

Ende August haben sie „Perfect Finish“ beendet. Wie schwer war es, einen Schlussstrich zu ziehen? Die Coronakrise ist schließlich noch lange nicht zu Ende.

Sehr schwer. Ganz genau habe ich geschrieben bis zu dem Tag, als sogenannte Querdenker und Nazis den Reichstag in Berlin stürmen wollten. Das habe ich auch noch mit einfließen lassen. Wenige Tage später kam heraus, dass Donald Trump die Amerikaner in Bezug auf die Gefährlichkeit des Coronavirus belogen hatte. Ich habe wirklich überlegt, ob ich diesen „Meilenstein“ noch einbaue. Aber irgendwann musste eben Schluss sein.

Info:

  • Mike Powelz wurde 1971 in Ahaus geboren
  • Er besuchte das Alexander-Hegius-Gymnasium und gewann dort im Alter von zwölf Jahren den Literaturpreis für „Mord in der Leichenhalle“
  • Mittlerweile ist er hauptberufliche Chefreporter für mehrere Zeitschriften in Hamburg
  • Sein erster Roman „Die Flockenleserin“ wurde rund 75.000 Mal verkauft
  • „Perfect Finish“ erschien am 9. September und kostet im Taschenbuchformat 19,99 Euro
  • Gemeinsam mit der Münsterland Zeitung verlost der Autor zehn signierte Exemplare von „Perfect Finish“. Dafür einfach eine E-Mail an redaktion@muensterlandzeitung.de schicken. Die Gewinner werden persönlich benachrichtigt.
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