Seit fast einem halben Jahr ist Pastor Bernard Akurathi in der Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt tätig. Seine Arbeit hier ähnelt der in Indien, aber es gibt auch einige Unterschiede.

Ahaus

, 19.08.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Um 5 Uhr morgens aufstehen und um 6 Uhr die Messe halten – so hat für Bernard Akurathi jeder Morgen in seiner Heimat in Indien begonnen. Seit Anfang März lebt der 41-Jährige in Ahaus und ist Pastor in der katholischen Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt.

Schon von 2010 bis 2015 hat Bernard Akurathi in Deutschland gelebt, in Bad Waldliesborn bei Lippstadt. Damals ist ihm direkt ein großer Unterschied zwischen seiner Arbeit in Deutschland und der in Indien aufgefallen: „Hier sind die Gottesdienste viel besser vorbereitet und durchgeplant. Das ist in Indien nur in der Hauptpfarrei so.“ In den umliegenden Dörfern fange die Messe nicht einmal pünktlich an. „Wenn sie abends um halb acht anfangen soll, kommen die Leute erst um halb neun oder sogar neun Uhr. Der Priester wartet dann so lange“, erzählt Bernard Akurathi mit einem leichten Schmunzeln.

Zudem gebe es in Indien keine Orgel. Gesungen werde A cappella, oder höchstens mal mit Begleitung eines Keyboards. Der Ablauf der Messe sei aber gleich, nur die Sprache ist anders.

Gelernt auf Deutsch zu predigen

Deutsch beherrscht Bernard Akurathi mittlerweile sehr gut. Schon als er in Indien Sekretär seines Bischofs war, hat er vier Monate lang Deutsch gerlernt. Und auch in Deutschland war er auf einer Sprachschule, kurz bevor er 2010 sein Amt als Pastor in Bad Waldliesborn angenommen hat.

In dem kleinen Kurort musste Bernard Akurathi seine erste Predigt auf Deutsch halten. Der Priester dort habe ihm gesagt, dass er sich dafür sechs Monate oder auch ein Jahr Zeit lassen kann. Sechs Monate – das klang gut für den 41-Jährigen: genug Zeit, um auf Deutsch noch etwas sicherer zu werden. „Nach einer Woche habe ich dann am Sonntagmorgen einen Anruf bekommen“, erzählt Bernard Akurathi. Der Priester sei kurzfristig krank geworden und er müsse einspringen. Denn eine Sonntagsmesse ohne Predigt – das war unvorstellbar.

Also hat Bernard Akurathi eine Predigt vorbereitet. „Das war echt schwierig, weil das so plötzlich kam. Ich hatte nur eineinhalb Stunden Zeit.“ Aber er hat seine Aufgabe gemeistert. „Normalerweise predigt der Pastor da immer 25 Minuten, bei mir waren es nur zehn. Die Gemeindemitglieder waren froh, dass ich so schnell fertig war“, sagt Bernard Akurathi und lacht.

Die Leute in Ahaus kennenlernen

Heute ist es für den Pastor Alltag, auf Deutsch zu predigen. In St. Mariä Himmelfahrt ist er unter anderem dafür zuständig, Messen und Beerdigungen zu halten sowie Krankenkommunionen und Hausbesuche vorzunehmen. In diesem Jahr hat Bernard Akurathi auch die Teilnehmer des Messdienerlagers St. Josef besucht und mit ihnen die Messe gefeiert. Denn besonders wichtig sei ihm, die Leute hier in Ahaus kennenzulernen.

Vor allem nach den Gottesdiensten in St. Josef habe er die Chance dazu. „Wenn ich ein paar Namen behalte, freuen sich die Leute. Manche sagen dann auch: Kommen Sie mich doch mal besuchen“, sagt Bernard Akurathi. In Indien braucht der Pastor eine solche Einladung nicht. „Die Kultur ist einfach ganz anders. Da trifft man die Leute viel öfter auf der Straße. Man geht auch einfach mal unangemeldet zu jemandem nach Hause. Hier wird für jedes Treffen ein Termin gemacht“, schildert der Pastor seine Eindrücke.

Schwierige Lage für Katholiken in Indien

Bernard Akurathi kommt aus dem Bundesstat Andhra Pradesh im Süden Indiens. Dort würden nicht besonders viele Katholiken wohnen. Generell machen Christen, laut der letzten Volkszählung im Jahr 2011, nur 2,3 Prozent der indischen Bevölkerung aus. Im Süden sei die Situation für Katholiken nicht so angespannt wie im Norden, erklärt der Pastor. Aber mit Blick auf die hindu-nationalistische Regierung sagt er: „Ich habe ein bisschen Angst, dass sie uns das Leben schwer machen.“

Ab Mitte September kann sich Bernard Akurathi ein Bild von der Lage machen. Dann ist er für circa vier Wochen auf Heimatbesuch. Das mache er jedes Jahr. „Ich habe eine große Familie und die warten auf mich“, sagt der 41-Jährige, der vier Schwestern und zwei Brüder hat.

Erst einmal für fünf Jahre in Deutschland

Insgesamt bleibt Bernard Akurathi fünf Jahre in Ahaus. Mit seiner Arbeit kann er seinen Bischof und seine Gemeinde in Indien finanziell unterstützen. Gleichzeitig versucht er, seine Doktorarbeit zu schreiben. Diese baut auf das Studium des Kirchenrechts auf, das er Anfang des Jahres in Rom abgeschlossen hat – und zwar auf italienisch.

Ob er nach den fünf Jahren noch weiter hier bleibt, hängt von seinem Bischof und dem Bistum Münster ab. Erst einmal ist er gespannt auf die neue Aufgabenverteilung für die Pastoren in der Gemeinde, die ab Dezember beginnt. Dann wird Stefan Jürgens leitender Pfarrer in St. Mariä Himmelfahrt.

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