Pärchen raubt Drogendealer aus und erbeutet vermutlich Paracetamol statt Ecstasy

dzAmtsgericht Ahaus

Zwei 18-Jährige haben im Ahauser Schlossgarten einen Drogendealer ausgeraubt und mit Pfefferspray verletzt. Vor Gericht wurden viele verschiedene Versionen des Geschehens geschildert.

Ahaus

, 25.04.2019, 18:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dieser Drogendeal im Ahauser Schlossgarten ist ordentlich schief gegangen – für beide Seiten. Der Dealer wurde mit Pfefferspray verletzt und ausgeraubt, die Ecstasy-Pillen, auf die es das räuberische Pärchen hauptsächlich abgesehen hatte, sollen nach Angaben des Dealers nur Paracetamol-Tabletten gewesen sein. So oder so mussten sich jetzt zwei 18-Jährige vor dem Amtsgericht Ahaus für den Raub verantworten.

Im Februar 2019 beschloss der Angeklagte, einen Drogendealer „abzuziehen“, wie er es ausdrückte. „Ich hatte nicht vor, die Drogen zu bezahlen, ich wollte sie ihm einfach wegnehmen. Aber ich wollte ihn nicht verletzen“, sagte der 18-Jährige vor Gericht aus. Das Problem: Dem Richter lagen Chat-Protokolle vor, dass er sich das Pfefferspray für genau diese Tat von einem Kumpel besorgt hatte. „Sie wollten sich die Drogen holen, zur Not auch mit Gewalt“, so sein Fazit.

Angst, dass der Dealer gewalttätig wird

Dem widersprach der Angeklagte. Seine Variante: Der Dealer hat ihm die Drogen gegeben, er wollte nicht bezahlen. „Ich hatte dann Angst, dass er mir was tut, weil jeder Dealer ein Messer oder sowas auf der Tasche hat. Dann habe ich ihm das Pfefferspray ins Gesicht gesprüht.“

Dumm nur, dass seine damalige Freundin, die jetzt als Ex-Freundin neben ihm auf der Anklagebank saß, die Sache anders darstellte. „Der Dealer hat uns alles freiwillig gegeben, der hatte richtig Angst vor uns.“ Neben den Drogen hat das Pärchen auch noch 20 Euro und eine Bluetooth-Box mitgenommen.

17-Jähriger wollte mit gefaktem Drogendeal Profit machen

So schilderte es auch der Dealer selbst. Ein schlaksiger 17-Jähriger, der in Gronau zur Schule geht, nahm auf dem Zeugenstuhl Platz. „Ich habe keinen Schülerjob gefunden und dachte, dass ich mit so einem Deal Profit machen kann“, erklärte er dem Richter. Mit Drogen aber habe er eigentlich gar nichts am Hut.

Seine Idee: Er packte Paracetamol-Tabletten von seinem Stiefvater, der Arzt ist, in kleine Tütchen und versuchte, sie als Ecstasy zu verkaufen. „Damit bin ich ordentlich auf die Schnauze geflogen.“ Der Angeklagte habe gemerkt, dass etwas mit den Pillen nicht stimmt, habe ihn daraufhin am Kragen gepackt und ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht.

Drogenspürhund wurde im Schlossgarten nicht fündig

Tatsächlich gab auch die Angeklagte bei der Polizei an, dass die Pillen ausgesehen hätten wie „normale Schlaftabletten“. Ein Drogenspürhund konnte die Tabletten im Schlosspark nicht aufspüren. Diesen Teil der Geschichte des 17-Jährigen konnten Richter und Anwälte also noch nachvollziehen.

Dass er aber zum ersten Mal als Drogen-Dealer aufgetreten sein soll, wollte ihm im Gerichtssaal niemand so richtig glauben. „Das ist absolut lächerlich und eine versuchte Verarschung des Gerichts“, meinte der Verteidiger der weiblichen Angeklagten. Der Richter nannte die Aussage „ziemlich schillernd“, die Verteidigerin des Angeklagten bezeichnete sie als „märchenhaft“. Auf jeden Fall wird die Sache auch für den 17-jährigen Dealer ein juristisches Nachspiel haben.

Schlag mit einem Besenstiel gegen den Kopf

Die 18-jährige Angeklagte wurde wegen gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung zu zwei Wochen Dauerarrest und 80 Sozialstunden verurteilt. Ihr Ex-Freund, der seit der Tat in Untersuchungshaft saß, bekam eine härtere Strafe. Denn in seinem Fall wurde noch eine gefährliche Körperverletzung vom Dezember 2018 mitverhandelt.

An der Bahnhofstraße hat der Angeklagte damals einen 21-Jährigen mit einem Besenstiel auf den Kopf geschlagen. Auch hier gestaltete sich die Beweisaufnahme schwierig, da sowohl das Opfer als auch der Angeklagte sich laufend widersprachen. Den Schlag gegen den Kopf jedoch gab der 18-Jährige zu.

Dem 18-Jährigen droht die Abschiebung

Wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung verurteilte ihn der Richter zu neun Monaten Jugendarrest auf Bewährung mit der Auflage, 200 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten und eine Drogentherapie zu machen.

Obwohl der Richter den Haftbefehl aufhob, wurde der 18-Jährige nach der Verhandlung zurück in die JVA gebracht. Er sitzt derzeit in Abschiebehaft und soll voraussichtlich im Mai nach Armenien abgeschoben werden. Gegen diese Entscheidung läuft eine Beschwerde.

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