Ottensteiner machen die Sprache der Großeltern zum Online-Überflieger

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Lange wurde die plattdeutsche Sprache als antiquiert und unmodern belächelt. Der Plattdütschke Tropp aus Ottenstein versucht mit modernen Mitteln, das zu ändern. Der Erfolg gibt ihnen Recht.

Ottenstein

, 08.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein wenig überwältigt vom durchschlagenden Erfolg ihrer Gruppe auf der Plattform Facebook sind Manfred Liemann und seine Mitstreiter immer noch. Rund 200 Mitglieder hat die Facebook-Gruppe des „Plattdütschken Tropp Ottensteene“ seit dem 17. Mai dieses Jahres gewonnen. Tendenz steigend.

Ein Erfolg, mit dem die fünf Mundart-Freunde nicht gerechnet haben. „Das glaubt man gar nicht, wie viele Leute da etwas veröffentlichen. Da hab ich nicht mit gerechnet. In der ersten Woche waren es schon 50 Leute“, sagt Manfred Liemann und schaut verwundert auf sein Smartphone.

Interesse auch in Übersee

An diesem Nachmittag hat die Fachgruppe des Ottensteiner Heimatvereins sich auf der Terrasse von Maria Pesenacker niedergelassen. Bei einem Stück Kuchen wollen sie diesen Erfolg feiern, aber auch die nächsten Schritte besprechen.

In der Facebook-Gruppe sind längst nicht nur Ottensteiner Liebhaber des Plattdeutschen. „Der Weiteste, der sich angemeldet hat, kommt aus Bangkok“, sagt Josef Temminghoff stolz.

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Die westmünsterländische Mundart wird also offensichtlich international verstanden. Doch woher kommt die Sehnsucht nach der Sprache der Großeltern? Maria Pesenacker erklärt sich das so: „Den Menschen fehlt das Plattdeutsche im Alltag. Und manchmal fehlt den Leuten auch der Mut, Platt zu sprechen“, sagt sie.

Der Plattdütschke Tropp ist schon seit einigen Jahren in Ottenstein aktiv, unter anderem mit plattdeutschen Nachmittagen, mundartlichen Gottesdiensten und in der Plattdeutsch-AG in der Ottensteiner Burgschule.

Zum Plattdütschken Tropp des Ottensteiner Heimatvereins gehören Josef Temminghoff (v.l.), Brigitte Haget, Manfred Liemann, Inge Rewer und Maria Pesenacker.

Zum Plattdütschken Tropp des Ottensteiner Heimatvereins gehören Josef Temminghoff (v.l.), Brigitte Haget, Manfred Liemann, Inge Rewer und Maria Pesenacker. © Anna-Lena Haget

Trotzdem haben es die Bewahrer des Dialekts nicht immer einfach. Außerdem sind dem Fünferteam organisatorische Grenzen gesetzt. Neue Mitglieder sind deshalb dem Tropp stets willkommen, wie die Sprachpfleger versichern.

„Kaum einer spricht noch die Sprache, das ist doch eine Schande!“, findet Inge Rewer. Der neue Versuch mit der Facebook-Gruppe zeigt aber immerhin, dass Platt noch geschrieben wird, auch wenn die Versuche mancher Gruppenmitglieder noch etwas holprig ausfallen. Plattdeutsch ist eben keine reine Schriftsprache.

Gedichte und Sinnsprüche

Das hält die Teilnehmer aber nicht davon ab, Witze, Gedichte und Sinnsprüche zu teilen und bisweilen auch Hilfestellung bei unbekannten Begriffen zu geben. Manfred Liemann verwaltet die die Facebook-Gruppe als Administrator und informiert die Mitglieder auch über die nächsten Aktionen, die im „echten“ Leben geplant sind.

Doch er weiß auch: „Ohne Facebook geht das heute nicht mehr. Da erreicht man junge Leute und alte Leute, da ist einfach alles dabei. Und übers Internet kann man auch mal andere Vereine kennenlernen und sich austauschen. Immer nur stumpf so weitermachen wie früher, das hat keine Zukunft“, sagt er voller Überzeugung.

Messe und Kartoffelernte

Die nächste große Aktion soll eine Plattdeutsche Erntedankmesse unter freiem Himmel werden. Sie ist für den 11. Oktober um 9.30 Uhr im Ottensteiner Dorfpark geplant.

Der Plattdütschke Tropp Ottensteene hat jedoch noch viel mehr Ideen, an denen mit Hochdruck gearbeitet wird. Eine Kartoffelernte auf einem Feld ganz wie früher ist im Gespräch, außerdem die plattdeutsche Beschilderung zweier Wanderwege rund um Ottenstein.

„Ein Mann aus Ostfriesland rief sogar an und schlug vor, dass wir einmal die Woche eine Sendung auf Platt im Radio machen sollen“, erklärt Liemann. Eine große Fan-Fraktion im Internet hätten die fünf Ottensteiner Sprachliebhaber auf jeden Fall.

Alle interessierten Freunde des westmünsterländischen Platt sind willkommen, Teil der Facebook-Gruppe „Plattdütschken Tropp Ottensteene“ zu werden.

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