28-Jähriger bewahrt Drogen in Wohnung auf und fährt ohne Führerschein

dzDrogen-Prozess

Ein 28-jähriger Ottensteiner hat mehrfach Drogen in seinem Zimmer gelagert. Sein Verhältnis zum Kopf einer Vredener Drogenbande beschäftigte das Schöffengericht am Amtsgericht.

Ahaus

, 10.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich dachte, das ist ein Freund, was sich im Nachhinein als völlig dusselig herausgestellt hat“, meinte ein 28-jähriger Ottensteiner vor dem Schöffengericht am Amtsgericht zu seinem Verhältnis zum Kopf einer Vredener Drogenbande. Für diese war der Angeklagte laut der Anklageschrift „vor allem als Bunkerhalter und Läufer“ tätig.

Wegen Hilfeleistung beim Kauf von Drogen, Beihilfe zum Drogenhandel, Drogenbesitz sowie Fahren ohne Fahrerlaubnis und unter Drogeneinfluss wurde der Angeklagte zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten verurteilt. Zudem darf er acht Monate lang keine neue Fahrerlaubnis erteilt bekommen.

Fahren unter Drogen und ohne Führerschein

Am 29. August 2019 wurde der Ottensteiner bei einer Polizeikontrolle in Vreden angehalten. Dabei hatte er Amphetamine, Cannabis und Kokain im Blut. Den Führerschein hatte er bereits ein Jahr zuvor wegen Drogenkonsums abgeben müssen, dies aber seinen Eltern, bei denen er wohnt und auf die das Auto zugelassen war, verschwiegen.

Bei der Vernehmung durch die Polizei hatte der Kfz-Mechatroniker bereits umfassend über die Abläufe in der Drogenbande ausgepackt und damit zur Ermittlung gegen die weiteren Mitglieder beigetragen. Bei der anschließenden Durchsuchung seiner Wohnung wurden insgesamt 160 Gramm Drogen, darunter Ecstasy, Amphetamine, Crystal Meth, THC und Kokain, gefunden.

Marihuana, Amphetamine und mehr

300 Gramm Marihuana seien nach Angaben des Angeklagten in der Zeit zwischen Festnahme und Durchsuchung von zwei Bandenmitgliedern aus dem Zimmer entwendet worden. Der Angeklagte gab an, mindestens zwei weitere Male 300 Gramm Marihuana und 100 Gramm Amphetamine in seinem Zimmer gelagert zu haben. Die 1200 Euro Bargeld, die bei ihm in Auto und Wohnung gefunden wurden, standen ebenfalls mit dem Drogenhandel in Verbindung.

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„Bei mir lagerten gewisse Mengen, damit bei einem Einbruch nicht alles wegkommt“, so der 28-Jährige. Für den Eigenkonsum habe er sich im Gegenzug nehmen können, was er brauchte. Mehr als 500 Gramm Marihuana habe er bei sich nicht lagern wollen. Überprüft habe er allerdings die tatsächlichen Mengen nicht. Von ihm holten die Verkäufer die Drogen ab und verkauften sie in den Niederlanden. Beim Verkauf war der Angeklagte laut eigener Aussage nur in Ausnahmefällen dabei.

„Capri-Sonne“ und „Waldmeister“

Aufgrund gefundener Schmierzettel mit Codenamen wie „Capri-Sonne“ für Amphetamine oder „Waldmeister“ für Marihuana hatte die Polizei vermutet, dass er auch am Handel beteiligt war. Das stritt der Angeklagte jedoch ab. Die Zettel hätten vielmehr der Inventur gedient. „Aus diesem Gekritzel bin ich auch nicht ganz schlau geworden“, gab der Richter zu.

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Der Angeklagte konnte glaubwürdig versichern, dass eine im Auto gefundene Machete nur zufällig dort war, weil er derartige Waffen sammele. Dennoch gab der Richter zu bedenken: „Für die Zukunft würde ich mir das gut merken: Betäubungsmittel und Waffen sind eine ganz gefährliche Kombination.“

Seit einem Jahr fast drogenfrei

Seit der Polizeikontrolle vor einem Jahr lebt der Ottensteiner laut seinen Ausführungen bis auf eine Ausnahme drogenfrei. „Ich habe mit diesen Leuten völlig abgeschlossen“, meint er zu seinen früheren Komplizen. Das umfassende Geständnis war für das Gericht ein Grund, eine vergleichsweise milde Strafe zu wählen.

„Ein Großteil der Vorwürfe wäre Ihnen ohne Ihre Aussage gar nicht nachweisbar gewesen. Wir halten ihre Lebensumstände für positiv“, sagte der Richter zum Angeklagten nach der Urteilsverkündung. Zu der auf drei Jahre ausgesetzten Bewährung gehören regelmäßige Drogentests und eine in Raten zu zahlende Geldstrafe von 1500 Euro.

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