Ein Licht leuchtet durch den Stream - Ostermesse in der Marienkirche

dzHinter der Kamera

Bei der Ostermette, der wichtigsten Messe im Kirchenjahr, war die Gemeinde in der Ahauser Marienkirche nur per Live-Stream zugeschaltet. Wenig mehr als eine Handvoll Menschen gestaltete sie.

von Andreas Bäumer

Ahaus

, 13.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist 20 Uhr am Karsamstag, noch sind die Kirchentüren nicht verschlossen. Gemächliche Betriebsamkeit herrscht in der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. Die Vorbereitungen laufen für den vierten Video-Gottesdienst der Gemeinde in Zeiten von Corona.

Die Kantorin Anne-Katrin Vogel und der Organist Jan Willem Docter gehen Lieder durch. Bei der Ostermette im letzten Jahr waren mehrere Chöre dabei. Dieses Jahr gestalten nur die beiden den Gottesdienst musikalisch. Anne-Katrin Vogel freut sich, das Exsultet oder Osterlob singen zu dürfen. „Derzeit ist es ein Geschenk und eine Gnade, überhaupt bei einem Gottesdienst anwesend zu sein“, sagt sie.

Kantorin Anne-Katrin Vogel trägt den Gesang beim Video-Gottesdienst.

Kantorin Anne-Katrin Vogel trägt den Gesang beim Video-Gottesdienst. © Andreas Bäumer

Pfarrer Stefan Jürgens trifft ein, schaut sich um und begrüßt jeden Einzelnen des kleinen Teams, natürlich mit gebotenem Abstand. Vor der Kamera stand er bereits oft, so beim Wort zum Sonntag. „Die Video-Übertragung machen wir für die Menschen. Doch die Gemeinde fehlt, denn sie ist Träger des Gottesdienstes“, sagt er.

Er berichtet, dass er diejenigen, die das Digitalangebot nicht erreicht, derzeit öfter anruft oder auch im Krankenhaus besucht. „Seelsorge lebt von Begegnungen, vom vis-a-vis“, sagt Jürgens. Für das Bistum Münster sei derzeit beschlossen, dass bis zum 1. Mai keine regulären Gottesdienste stattfinden werden. Erstkommunionen und viele Trauungen sind verlegt.

Den Blick zur Kamera

Marc Klein-Günnewick, eigentlich zuständig für die Finanzen der Gemeinde, heute aber Kameramann, schleppt eine Kiste in den Seitengang. Darin ist der Computer, der die Video-Aufnahmen ins Netz sendet. Auch die Kamera baut er auf. Lektorin Barbara Groten wird bei der Lesung, Pfarrer Jürgens bei der Predigt dorthin schauen.

Am Palmsonntag hatte der Stream rund 400 Geräte live erreicht und als gespeicherte Aufnahme noch einmal 3000. Wie viele Zuschauer es auch sind, in der Kirche steht nur diese eine Kamera. Das Gefühl für die Gemeinde wecken aber auch die großformatigen Fotos vieler Gemeindemitglieder. Sie zieren die Lehnen der leeren Bänke.

Durch den Video-Stream aber auch durch Fotos an den Bänken ist die Gemeinde in der Kirche präsent.

Durch den Video-Stream aber auch durch Fotos an den Bänken ist die Gemeinde in der Kirche präsent. © Andreas Bäumer

Marc Klein-Günnewick und Stefan Jürgens besprechen die Kameraschwenks und wie die Gänge durch die Kirche, die Porträtfotos, die Osterkerze, der Altar und der daneben blühende Kirschbaum gut eingefangen werden. Doch über die Bilder scheint sich der Kameramann keine großen Sorgen mehr zu machen. Das hat bei den anderen Video-Gottesdiensten gut geklappt.

Marc Klein-Günnewick (l.) ist eigentlich für die Finanzen der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt zuständig. Bei den gestreamten Gottesdiensten ist er Kameramann.

Marc Klein-Günnewick (l.) ist eigentlich für die Finanzen der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt zuständig. Bei den gestreamten Gottesdiensten ist er Kameramann. © Andreas Bäumer

Beim Ton justiert der Kameramann nach

Beim Ton jedoch haben er und die Firma Audiokonzept, die ihm dabei zur Seite steht, nachjustiert. „Während des Gottesdienstes in Alstätte ist jemand auf eine Kabelverbindung getreten. Danach war so ein Rauschen drin.“ Er geht noch einmal alle Mikrofone durch.

Seltsam leise klingt der gesamte Gottesdienst für die Wenigen in der Kirche, denn was die Mikrofone aufnehmen, landet nur im Stream. Die Lautsprecher in der Kirche sind still. Organist Jan Willem Docter sagt: „Hier hinten an der Orgel höre ich oft gar nicht, was die dort vorne sagen.“ Einzig der Klang des Gesangs, der Orgel und der schrillen Altarschellen wird die Kirche während der Ostermette von Wand zu Wand füllen.

Verschlossene Türen

Eine Viertelstunde vor der Messe wird es still in der Kirche. Die Kamera ist auf den Kirschbaum gerichtet. Über die Internetseite wählen sich Zuschauer in den Stream ein, kaum merkbar durch die Anwesenden. Die Türen sind verschlossen: Niemand darf hinein. Wo im vergangenen Jahr Nachzügler noch freie Plätze suchten, sitzen Kameramann, Lektorin und Kantorin.

In der Sakristei würden sich Messdiener und mehrere Geistliche auf die Füße treten. Jetzt warten hier Pfarrer Jürgens und als Messdiener Küster Gregor Frankemölle und sein Sohn Michael. Die Ostermesse, ein langer Tanz im kleinen Kreis beginnt. Die Beseeltheit des kleinen Teams und die Gedanken, die zuvor in diesen Ritus flossen, weben österliches Licht in den Stream.

Ostern bleibt das Fest des Lichts, auch wenn das nur über den Stream weitergereicht werden kann.

Ostern bleibt das Fest des Lichts, auch wenn das nur über den Stream weitergereicht werden kann. © Andreas Bäumer

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