Raphaela Niewerth mit Labrador Basti (3) und Bernhardiner Ole (18 Wochen). Die bekannte Hundetrainerin aus Ahaus zieht gerade nach Billerbeck um und startet parallel neue Hundekurse – online. Ein Konzept, auf das sie ohne die Coronakrise nie gekommen wäre. © Stephan Rape
Coronakrise

Onlinekurs statt Hundeplatz: Raphaela Niewerth erfindet Hundeschule neu

Sind Onlinekurse die bessere Hundeschule? Raphaela Niewerth, Hundetrainerin aus Ahaus, sieht in der Coronakrise eine Chance, um das Thema Hundeerziehung ganz neu zu denken.

Raphaela Niewerth steigt wieder ins Hundetraining ein. Die Hundetrainerin aus Ahaus hat über mehrere Jahre kein eigenes Training mehr angeboten. Auch ihre Hundeschule in Ahaus hatte sie abgegeben und stattdessen nur noch Hundetrainer geschult und Konzepte für Hundeschulen erarbeitet.

Nach eigenen Angaben würden deutschlandweit inzwischen 1500 Hundeschulen danach arbeiten. „Aber mir fehlt das Fell zwischen den Fingern“, sagt sie lachend. Sie will wieder direkten Kontakt zu Hundehaltern und Hunden.

Hundetraining wird überwiegend online angeboten

Also ein Schritt zurück zur eigenen Hundeschule? Ja und nein: Denn die neuen Kurse für Hundebesitzer will sie vor allem online anbieten. „Ohne die Coronakrise wäre ich nie auf den Gedanken gekommen“, sagt sie. Schon im ersten Lockdown Anfang 2020 habe sie erste Ideen in diese Richtung entwickelt.

„Die Hundeschulen konnten ja auch kein Geld mehr verdienen. Da wird es dann für jemanden, der Konzepte für Hundeschulen entwickelt, natürlich auch eng“, sagt sie.

Erste Onlineangebote entstanden. Und dabei fiel ihr eines auf: „Vielleicht ist eine klassische Hundeschule gar nicht der richtige Weg.“ Ein Treffen in einer Hundeschule sei ja an sich schon eine Ausnahmesituation für Hund und Besitzer. „Der Hund ist aufgeregt, die Halter sind aufgeregt, machen sich Gedanken, ob sie alles richtig hinbekommen – und verpassen dabei den Großteil des Stoffes“, erklärt sie.

Interessenten für Kurse können sich direkt bei Raphaela Niewerth melden, Tel. 0160/96674620.

Im Onlinekurs gebe es wöchentlich zwei Videocalls, Aufgaben per E-Mail und die ständige Bereitschaft für Fragen und Antworten. Dazu kommen aber auch reale Treffen. „Sozusagen als Hausaufgabenkontrolle, bei der ich vor Ort sehe, wie es klappt“, sagt Raphaela Niewerth. Dadurch, dass die Besitzer ihr Tier beispielsweise in der häuslichen Umgebung filmen würden, könnten Probleme vor Ort viel besser gelöst werden.

Hundeschulen nehmen Onlinekonzepte begeistert auf

„Dank“ der Coronapandemie und ihrer Folgen wie Videokonferenzen oder Homeschooling seien die Leute inzwischen offener für diese Methodik. „Wenn selbst ein Fitnessstudio online Kurse anbietet, klappt das mit einer Hundeschule auch“, sagt sie. Wie sie sagt, werden diese Onlinekonzepte schon von 300 bis 400 Hundeschulen genutzt. Sie selbst bietet gerade erst die ersten Termine an.

Kein günstiges Vergnügen: Ein achtwöchiger Online-Kurs kostet 450 Euro. Auf den ersten Blick also eine Menge Geld. Raphaela Niewerth macht eine andere Rechnung auf: „Viele Leute haben überhaupt kein Problem damit, 2500 Euro für einen Labradoodle-Welpen auszugeben. Eigentlich ist das ja auch nur ein Mischling“, sagt sie. Der Mix aus Labrador und Pudel sei eben gerade Mode. Für die Ausbildung und das Training so eines Tiers werde dann gespart. Dabei lebe man 14 oder 15 Jahre mit so einem Hund zusammen – inklusive der Probleme, die durch eine falsche Erziehung entstehen würden.

Insgesamt gehe es ihr auch nicht darum, dem Hund Kommandos wie „Sitz“ oder „Platz“ beizubringen. „Das ist Ausbildung – als würde man eine Fremdsprache lernen“, sagt sie. Ganz abgesehen davon, dass sie sich keine Situation vorstellen könne, in der ein Hund unbedingt sitzen müsse. „So lange der Hund in meinem Einflussbereich bleibt und auf mich hört, ist doch alles in Ordnung“, erklärt sie.

Hund und Halter müssen einander verstehen

Bei der Erziehung stehe im Vordergrund, dem Hund klarzumachen, was er darf und was nicht. Dazu sei aber erst einmal nötig, den Hund überhaupt zu verstehen. „Nur dann funktioniert der Umgang mit dem Hund überhaupt“, sagt sie. Kein Hund renne beispielsweise von einer Sekunde auf die andere einfach los. „Der sendet vorher eine Vielzahl von Signalen. Man muss sie nur verstehen“, erklärt Raphaela Niewerth. Und das sei in erster Linie eine Menge Theorie, die auch online vermittelt werden könne.

Das alles tritt aber gerade noch einmal fast in den Hintergrund. Denn parallel zu den neuen Kursen hat Raphaela Niewerth gerade aber noch ein anderes Projekt: Sie verabschiedet sich von Ahaus und zieht mit ihrer Familie auf einen Hof nach Billerbeck. „Dort wollte ich eigentlich immer hin. Direkt an den Rand der Baumberge“, schwärmt die geborene Graeserin.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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