Israel wird mit Raketen aus dem Gaza-Streifen beschossen. Die israelische Armee reagiert mit Angriffen auf Gaza-Stadt. Seit Wochen eskaliert im Nahen Osten die Gewalt. © AFP
Nahost-Konflikt

Neue Gewalt im Nahen Osten sorgt in Ahaus für Fassungslosigkeit

Die Gewalt in Israel scheint völlig außer Kontrolle zu geraten. Seit Wochen eskaliert die Situation. Für den Ahauser Josef Korthues sind diese Nachrichten nur schwer zu ertragen.

Raketen gehen auf Israel nieder. Der Staat antwortet mit Angriffen auf den Gaza-Streifen. Der wieder aufgeflammte Konflikt im Nahen Osten scheint weit weg. Doch es gibt kurze Wege bis nach Ahaus:

Dr. Shmulik Lahar ist vielen Ahausern durch den jahrelangen Jugendaustausch mit Israel und viele Erwachsenenreisen nach Israel bekannt. Die Angriffe erlebt er aus nächster Nähe.

Shmulik Lahar meldet sich per E-Mail in Ahaus

Per E-Mail hat er sich bei Bekannten in Ahaus gemeldet. Er schreibt: „Nach mehreren Nächten mit sehr wenig Schlaf im Sicherheitsraum unseres Hauses und unter Raketenbeschuss und Sirenenalarm sind wir körperlich ok. Was am meisten verletzt, ist die Tatsache, was einige der israelischen Araber in den gemischten Städten taten. Einige sprechen sogar von einem Pogrom oder Kristallnacht. Synagogen und Autos brennen, Anschläge auf Häuser und Versuche, Juden zuhause zu töten. Und das in einem freien, modernen, demokratischen Staat.

Dr. Shmulik Lahar, hier bei einem Besuch in Ahaus vor einigen Jahren, erlebt die Gewalt in Israel hautnah mit. Per E-Mail hat er sich an Bekannte in Ahaus gewandt.
Dr. Shmulik Lahar, hier bei einem Besuch in Ahaus vor einigen Jahren, erlebt die Gewalt in Israel hautnah mit. Per E-Mail hat er sich an Bekannte in Ahaus gewandt. © Denise Perrevort-Elkemann (Archivbild) © Denise Perrevort-Elkemann (Archivbild)

Ja, das ist eine Minderheit. Aber wo ist denn die arabisch-israelische Führung? Natürlich haben wir auch Fehler gemacht. Und es ist einfacher die Schuld dafür immer bei den Juden zu suchen. Aber wenn man nicht den Gesetzen und einfachsten Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens folgt, dann ruft das Hass Misstrauen und Anarchie hervor.“

Er habe viel Zeit, Kraft und Enthusiasmus darin investiert, Brücken zu bauen und hoffe, dass das auch weiter funktioniere. „Nun zerstören das einige wenige Fanatische, ohne eine Sekunde nachzudenken. Ich bin frustriert, aber gebe nicht auf“, schreibt er.

Fassungslose Reaktionen in Ahaus

Josef Korthues schüttelt mit dem Kopf, als er diese Zeilen liest. Zusammen mit Dr. Shmulik Lahar hat er den Austausch zwischen Ahaus und Israel auf die Beine gestellt. Hat das Land selbst zwölf Mal besucht und ist davon begeistert. Umso fassungsloser beobachtet er die neue Gewalt.

Josef Korthues verfolgt die Entwicklungen in Israel mit Schrecken. Zwölf Mal hat er das Land besucht und den Jugendaustausch mit Ahaus aufgebaut.
Josef Korthues verfolgt die Entwicklungen in Israel mit Schrecken. Zwölf Mal hat er das Land besucht und den Jugendaustausch mit Ahaus aufgebaut. © Markus Gehring © Markus Gehring

Er positioniert sich klar: „Ich bin vom Existenzrecht Israels überzeugt.“ Doch es gibt auch ein Aber: Ohne Zukunft ohne eine Perspektive für junge Menschen im Gazastreifen gebe es keine Lösung des Problems. „Die ist militärisch sowieso nicht zu finden“, sagt Josef Korthues. Dabei betont er, kein Israelexperte zu sein. „Ich kann von hier ja auch gar nicht alle Nachrichten prüfen“, sagt er. Wer könne das bei der aktuellen Nachrichtenlage schon.

Austausch soll fortgeführt werden

Am Austausch und den Begegnungen mit Israel will er auf jeden Fall festhalten. So viel Gutes sei in den vergangenen Jahren bewegt worden. Im Moment seien ja wegen der Coronakrise sowieso keine Reisen möglich.

Zwei Erwachsenen-Reisen nach Israel sind aber für 2022 fest geplant. Im April und Oktober. Der Jugendaustausch war zuletzt wegen sinkender Nachfrage ohnehin schon zurückgefahren worden.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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