Neue Entwicklungen zum geplanten Atommüll-Transport von Jülich nach Ahaus

dzAtommüll in Ahaus

Der Atommüll in Jülich könnte eventuell noch mehrere Jahre im Zwischenlager bleiben – und ein möglicher Transport nach Ahaus verschiebt sich. Das hat gleich mehrere Gründe.

Ahaus

, 26.04.2019, 14:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kommt der Atommüll der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) nach Ahaus oder nicht? Als sich Abgeordnete des Borkener Kreistages vor Ostern über die aktuelle Lage und den Verbleib des in Jülich gelagerten Atommülls vor Ort informierten, war der Stand der Dinge noch so: das derzeitige Zwischenlager auf dem JEN-Gelände muss wegen fehlender Erdbebensicherheit zwingend geräumt werden. Nach Ostern sieht die Sache ganz anders aus: Mögliche Erdbeben sind keine Gefahr für die Lagerung des Atommülls in Jülich.

Nachweis der Erdbebensicherheit

Vor fünf Jahren hatte der fehlende Nachweis der Erdbebensicherheit zu einer unverzüglichen Räumungsanordnung des Lagers durch das NRW-Wirtschaftsministerium (Atomaufsicht) geführt. Am Osterwochenende äußerte JEN-Sprecher Jörg Kriewel gegenüber der Deutschen Presseagentur (DPA), dass die JEN beim ausstehenden Nachweis der Erdbebensicherheit einen entscheidenden Schritt weitergekommen sei: Das Bundesamt für Kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) habe die Grundlagen zur Berechnung der Erdbebensicherheit akzeptiert. Damit könne der Antrag auf Fortführung der Zwischenlagerung in Jülich aktualisiert werden. Bis zu einer potenziellen Genehmigung des Altlagers könnte es aber noch zwei Jahre dauern. Die weitere Laufzeit wäre in dem Fall drei Jahre.

Möglicher Transport nach Ahaus

Seit 2014 arbeitet die JEN an drei Optionen der Atommüll-Entsorgung: Transport des Atommülls in die USA, Transport in das Zwischenlager Ahaus, Bau eines neuen Zwischenlagers am Standort Jülich. Die schnellstmögliche Option muss umgesetzt werden. Felix Ruwe, Sprecher der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“, hält die neuesten Entwicklungen für „Trickserei“. Das sagte er am Mittwoch im Gespräch mit unserer Redaktion. Denn: Bereits im Jahr 2013 sei die Genehmigung für die Zwischenlagerung von 152 Castoren mit radioaktiven Brennelementen im Forschungszentrum abgelaufen. „Und erdbebensicher ist in Jülich nur die Bodenplatte, nicht der Rest der Halle.“ Ruwe warnte das Bundesamt für Kerntechnische Entsorgungssicherheit davor, die Aufbewahrungsfrist in Jülich bedenkenlos um Jahre oder gar Jahrzehnte zu verlängern. „Das BfE plant eine solche Genehmigungsverlängerung für alle Zwischenlager, auch für Ahaus.“ Hier läuft die Genehmigung im Jahr 2036 aus. Bis dahin ist aber noch kein tiefengeologisches Atommüll-Lager in Betrieb. Der Endlager-Ort soll frühestens 2031 feststehen.

Transportprobleme

Und noch eine Osterüberraschung hatte JEN-Sprecher Jörg Kriewel im DPA-Gespräch parat: Das bisher von der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen genannte mögliche Transportdatum des Atommülls nach Ahaus sei nicht mehr zu halten. Die Rede war bisher von einem Atomtransport frühestens im Herbst 2019 nach Ahaus oder 2020 in die USA. Das Problem: Das Sicherungskonzept für den Transport sei noch nicht genehmigt. „Die Transportprobleme sind ins Unermessliche gewachsen“, kommentierte Felix Ruwe diese Entwicklung. Zugmaschinen und Auflieger müssten zu Hochsicherheitsfahrzeugen – terrorsicher – umgebaut werden. „Aber noch weiß kein Mensch, welche Strecken man damit fahren soll, weil sie nicht unter alle Brücken passen.“ Auch ein Transport mit der Bahn scheide wegen der Größe der Atombehälter aus.

Bürgerinitiative setzt auf den Faktor Zeit

Dass der Neubau eines Zwischenlagers zehn Jahre dauern würde, wie von der JEN genannt, glaubt Felix Ruwe nicht. „Das ist in vier Jahren zu schaffen, wenn man es will.“ Was der BI-Sprecher auf keinen Fall will, ist Jülicher Atommüll in Ahaus. Die BI hofft, dabei auch den Faktor Zeit auf ihrer Seite zu haben. Felix Ruwe: „Gegen mögliche Einlagerungen laufen noch Gerichtsverfahren. Die können länger dauern als der Neubau.“

Im September 2016 lehnte der Kreistag Borken in einer einstimmig gefassten Resolution den Transport von Castorbehältern aus Jülich in das Zwischenlager Ahaus ab. Zudem mahnte er eine bessere Information und Kommunikation durch die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) und die beteiligten Behörden an und forderte weitere Alternativen, insbesondere den Verbleib in Jülich, intensiv zu prüfen. Mitte 2018 bat der Kreis Borken erneut um Informationen zum aktuellen Stand der Planungen sowie zum weiteren Verfahren. Daraufhin sprach JEN die Einladung zur Besichtigung des Zwischenlagers in Jülich aus.
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