Nach Schüssen in Gronau: Opfer geht es offenbar besser - Täter weiter auf der Flucht

dzSchüsse auf Anwalt

Eine gute Nachricht hat Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt nach den Schüssen auf einen 43-Jährigen: „Dem Opfer scheint es nach den gut verlaufenen Operationen besser zu gehen“, sagt er.

von Klaus Wiedau, Martin Bork

Gronau

, 07.11.2019, 18:12 Uhr / Lesedauer: 3 min

Von den Tätern gibt es hingegen wenig Neues: Die sind weiter auf der Flucht.

Einen Tag nach den Schüssen auf den 43-jährigen niederländischen Rechtsanwalt Philippe S. ist der Zustand des Opfers offenbar stabil. Das ist die „gute Nachricht“, die Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Donnerstag im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten betont: „Dem Opfer scheint es nach den gut verlaufenen Operationen besser zu gehen.“

Philippe S. war – wie berichtet – am Mittwochmorgen um 8.11 Uhr vor seinem Haus an der Losserstraße aus einem vorbeifahrenden Auto beschossen und schwer verletzt worden, als er seinen Hund „Hektor“ ausführte. Auf Nachfrage macht der Oberstaatsanwalt am Donnerstag deutlich, dass der 43-jährige Rechtsanwalt nach seinen Informationen bei der Tat von einem Schuss getroffen wurde.

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Polizeibeamter legte dem Opfer Tourniquet an

Nachbarn, die die Schüsse hörten, eilten dem Opfer zu Hilfe. Ein Polizeibeamter, der mit dem Streifenwagen vor dem Notarzt am Tatort eintraf, legte dem Verletzten ein Tourniquet (Abbindesystem zum stoppen des Blutflusses) an.

Auch am Donnerstag befindet sich das 43-jährige Opfer aber noch im Krankenhaus, wie Botzenhardt bestätigt: „Er ist ansprechbar und hat auch schon mit den Polizeibeamten gesprochen.“

Nach Schüssen in Gronau: Opfer geht es offenbar besser - Täter weiter auf der Flucht

Rettungskräfte versorgen das angeschossene Opfer. © Klaius Wiedau

Und die Fahndung nach den Tätern? „Läuft!“, sagt Botzenhardt knapp – und verweist auf die Ermittlungen der eingesetzten Mordkommission. Niederländische Medien berichten derweil, dass Philippe S. die Täter offenbar gekannt habe. Das soll er selbst gegenüber Ersthelfern am Tatort gesagt haben.

„Beteilige mich nicht an Spekulationen“

Auch von einem möglichen Zusammenhang zwischen der Tat und der Tätigkeit des 43-Jährigen als Insolvenzverwalter in diversen komplizierten Verfahren wird in den Niederlanden berichtet. Oberstaatsanwalt Botzenhardt lässt das so stehen: „Ich kommentiere keine Medienberichte“, sagt er. Und: „Ich beteilige mich nicht an Spekulationen.“ Seine Aufgabe und die der Ermittler sei es, den Angriff aufzuklären.

„Bedroht, bewacht – und doch beschossen“, titelt am Donnerstag die Enscheder Zeitung TC Tubantia. Berichtet wird unter anderem, dass der 43-Jährige offenbar schon länger bedroht wurde – und dies auch den deutschen und niederländischen Behörden bekannt gewesen sei – bis in politische Kreise in Den Haag.

Opfer soll zeitweise Personenschutz gehabt haben

Es seien Regelungen zu seinem Schutz getroffen worden, so die Darstellung des zuständigen niederländischen Ministeriums. Welche das gewesen sein sollen, wird nicht gesagt.

Auch Staatsanwaltschaft und Polizei in den Niederlanden machten dazu keine weiteren Angaben. Zeitweise soll S. Personenschutz gehabt haben.

Unruhe unter niederländischen Juristen

In Kreisen niederländischer Juristen sorgen die Schüsse auf den 43-jährigen Rechtsanwalt derweil für große Unruhe. Insider sehen Verbindungen zwischen den Schüssen und komplexen, millionenschweren Insolvenzverfahren, die der 43-Jährige betreute und sich dabei immer wieder auch mit Beteiligten anlegte.

Im Fall eines insolventen Fitness-Studios erstattete Philippe S. Anzeige, weil er dem Betreiber eines Unternehmens anlastete, teure Sportgeräte aus der Insolvenzmasse beiseite geschafft zu haben. Den Schaden bezifferte S. auf rund 2,4 Millionen Euro. Das Unternehmen diene außerdem dazu, Geld aus Drogengeschäften weiß zu waschen, so sein Vorwurf.

Schüsse auf Fitness-Studio

Später meldeten auch die Niederlassungen des Studios in Tubbergen und Losser Konkurs an. Das Studio in Losser öffnete unter einem anderen Eigentümer und unter neuem Namen wieder seine Türen. Doch Anfang Oktober wurde das Gebäude von Unbekannten beschossen.

Der Vorsitzende der Anwaltskammer der Provinz Overijssel, Carl Luttikhuis, schließt laut Tubantia nicht aus, dass das Attentat auf S. mit seiner Rolle als Insolvenzverwalter der Fitnessstudio-Kette zusammenhängt.

„Der Beschuss des Studio in Losser fand am 3. Oktober statt, genau ein Jahr nach der Konkurseröffnung. Philippe S. ist Insolvenzverwalter in dem Fall, und mir ist bekannt, dass er mit dem Verwalter des Studios im Clinch lag.“

Bedrohung des Juristen ernst genommen

Die Anwaltskammer habe die Bedrohungen gegenüber S. sehr ernst genommen und in Absprache mit den Autoritäten alles mögliche getan, um ihnen adäquat zu begegnen. „Wir wissen nichts sicher, aber ich schließe sicherlich nicht aus, dass dieser Anschlag mit seiner Rolle als Insolvenzverwalter zu tun hat,“ so Luttikhuis.

Luttikhuis zeigte sich geschockt, aber nicht völlig überrascht: Drogenkriminalität und Organisierte Kriminalität rückten immer weiter in den Osten der Niederlande vor. Immer häufiger werden hier Drogenlabors entdeckt. Man müsse sich daher nicht wundern, dass damit zusammenhängende Kriminalität sich ebenfalls in die Region verlagere.

Nachricht weltweit in den Medien

Die Schüsse in Gronau gingen am Mittwoch im Übrigen um die Welt. Neben deutschen berichteten auch internationale Medien – etwa die New York Times – über den Vorfall.

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