Münsterstraße „ist eine Gefahrenstelle“: Stadt Ahaus will dennoch keine Temporeduzierung

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Die UWG möchte eine Tempo-30-Zone auf der Münsterstraße. Die Stadt schlägt vor, den Antrag abzulehnen. Dabei würde eine Temporeduzierung nicht nur die Rektorin der Katharinenschule freuen.

Ahaus

, 05.02.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

An der Münsterstraße in Alstätte gilt Tempo 50. Die Unabhängige Wählergruppe Ahaus (UWG) möchte das jedoch ändern und hat daher einen Antrag gestellt, dort eine Tempo-30-Zone einzurichten.

Der Beschlussvorschlag der Stadt sieht allerdings vor, den Antrag der UWG-Fraktion abzulehnen. Ulrike Niemeier, Gruppenleiterin der Wohngruppe Karl Leisner, in der Menschen mit Behinderung leben, hat dafür kein Verständnis.

Ende Oktober 2019 hatte die UWG die Einrichtung einer Tempo-30-Zone an der Münsterstraße in Alstätte beantragt. Konkret geht es um den Teil der Straße vor der Wohngruppe Karl Leisner für Menschen mit Behinderung, Münsterstraße 12, sowie das Annette-von-Droste-Hülshoff-Haus, Münsterstraße 5-7.

Morgens und abends herrscht an der Münsterstraße viel Verkehr

Die Partei begründet ihren Antrag damit, dass „die Münsterstraße eine viel befahrene Straße“ ist. Die hohe Nutzung der Straße habe zudem noch zugenommen, seitdem das ehemalige Hauptschulgebäude, welches nun das Annette-von-Droste-Hülshoff-Haus ist, als Arztpraxis, Pfarrheim und durch Gewerbetreibende genutzt wird. Hinzu komme dann noch die „unübersichtliche“ Verkehrssituation durch die Nutzung des ehemaligen Schulhofs als Parkplatz.

Um vor allem die Sicherheit der Menschen mit Behinderung der Wohngruppe sowie der Grundschüler, die die Straße auf ihrem Weg zur Katharinenschule überqueren, zu schützen, bittet die UWG um die Einführung der Tempo-30-Zone. Außerdem wird um Geschwindigkeitsmessungen gebeten. „Denn nach Einschätzung von Anwohnern wird hier bereits jetzt zu schnell gefahren“, heißt es in dem Antrag.

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Besonders vom Kreisverkehr kommende Autofahrer seien oft zu schnell unterwegs, sagt Ulrike Niemeier, Gruppenleiterin der Wohngruppe Karl Leisner. In den 13 Jahren, in denen es die Wohngruppe bereits an der Münsterstraße gibt, habe es zwar noch keinen Unfall gegeben, aber die Gefahr sei dennoch immer da. Besonders morgens und abends sei der Verkehr „sehr heftig“.

Bewohner sollen sicher über die Straße kommen

Am Donnerstag, 6. Februar, wird der Antrag im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Verkehr behandelt. Der Beschlussvorschlag der Stadt sieht vor, den Antrag der UWG-Fraktion abzulehnen. Die Stadtverwaltung begründet die Entscheidung damit, dass „die Voraussetzungen für eine Geschwindigkeitsreduzierung auf der Münsterstraße nicht gegeben“ sind und dort „keine Gefahrenlage besteht“.

Dies wird unter anderem damit begründet, dass die Einrichtung selbst mitgeteilt habe, dass es sich bei der Wohngruppe um eine „durchschnittliche“ handle. Daher ist für die Stadtverwaltung „die Situation vergleichbar mit einer durchschnittlichen Mehrparteien-Wohneinheit“. Ulrike Niemeier spricht sich dennoch für eine Tempo-30-Zone aus.

Geschwindigkeitsmessungen fanden bereits 2019 statt

„Wir sind hier darauf bedacht, dass die Bewohner sicher über die Straße kommen“, sagt sie. Sie und ihre Kollegen seien sehr überrascht gewesen, dass die Stadtverwaltung sich gegen den UWG-Antrag ausgesprochen hat. Denn immerhin gibt es auch noch gegenüber der Wohngruppe an der Straße nicht nur das Annette-von-Droste-Hülshoff-Haus, sondern auch die Katharinenschule.

Die hat ihren Eingang zwar auf der anderen Seite des Gebäudes an der Hochstraße, wo Tempo 10 gilt, doch Schüler würden auch über die Münsterstraße kommen, sagt Rektorin Beda Lassernig.

Münsterstraße „ist eine Gefahrenstelle“: Stadt Ahaus will dennoch keine Temporeduzierung

Der Eingang der Katharinenschule ist an der Hochstraße. Dort müssen Autofahrer aufgrund der Grundschüler besonders langsam fahren. © Pascal Albert

Für die Nutzer und Besucher des Annette-von-Droste-Hülshoff-Hauses gibt es derweil einen eigenen Parkplatz, der von der Münsterstraße abgetrennt ist, schreibt die Stadtverwaltung. Der ist „sehr frequentiert“, sagt Beda Lassernig. „Wenn man aus dem Parkplatz rausfährt oder reinfährt, ist das schon eine Gefahrenstelle“, erklärt sie.

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Derweil wurden sogar bereits verdeckte Geschwindigkeitsmessungen an der Münsterstraße durchgeführt, teilt die Stadt Ahaus in der Sitzungsvorlage für den kommenden Ausschuss mit. Diese fanden demnach zwischen dem 26. November und dem 9. Dezember 2019 dort statt.

Auch der Kreis Borken spricht sich gegen Tempo 30 aus

Bei der Kontrolle wurde eine sogenannte V85-Messung gemacht, bei der die Geschwindigkeit jedes Autos gemessen wird und geguckt wird, welche Geschwindigkeit 85 Prozent aller Fahrzeuge nicht überschreiten. Das Ergebnis: 85 Prozent aller Autofahrer fuhren auf der Münsterstraße in der fast dreiwöchigen Messphase nur 49 Kilometer pro Stunde. Aufgrund des Ergebnisses, schreibt die Stadtverwaltung, „kann noch nicht von einem Sicherheitsmangel gesprochen werden“.

Auch der Kreis Borken hat als zu beteiligender Träger der Straßenbaulast Stellung zum UWG-Antrag gegenüber der Stadt genommen. So befinde sich die Straße in einem verkehrssicheren Zustand und nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer würden über eigene Verkehrsflächen verfügen, die ausreichend Sicherheit böten.

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Zudem ist dem Kreis bislang keine Unfallhäufungsstelle auf diesem Streckenabschnitt bekannt. Darüber hinaus würden auch die Ergebnisse der Geschwindigkeitsmessungen kein Eingreifen erforderlich machen. „Der Kreis Borken empfiehlt daher, von einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h abzusehen“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

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