Minister Karl-Josef Laumann will endlich wieder Schützenfest feiern

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NRW-Minister Karl-Josef Laumann sprach am Dienstagabend in Ahaus über die Corona-Pandemie und die Folgen. Auf dem Rathausplatz nahm Laumann kein Blatt vor den Mund.

Ahaus

, 12.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer zu Karl-Josef Laumann geht, der weiß, was ihn erwartet. So ist es auch am Dienstagabend in Ahaus. Der NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales liefert. Auf Einladung des CDU-Stadtverbandes spricht Laumann über die Corona-Pandemie und die Folgen. Laumann ist zwar Politiker, redet aber so, dass ihn die Menschen verstehen. Nicht verklausuliert, keine Floskeln. Laumann nimmt kein Blatt vor den Mund.

Open-Air-Veranstaltung

Das Podium steht am Rande des Rathausplatzes. Hinter dem Podium prangt CDU-Bürgermeisterkandidat Dr. Michael Räckers auf einem großen Plakat. Ein paar Meter weiter rollt der Verkehr über die Wallstraße. Gut 90 Sitzplätze gibt es, mit entsprechendem Sicherheitsabstand und abgesperrt mit Flatterband.

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NRW-Minister Karl-Josef Laumann in Ahaus

„Er ist eines der Gesichter, das für den Kampf gegen Corona und die Krise steht“, sagt Landrat Dr. Kai Zwicker in seinem Grußwort über den Redner des Abends. Das Gesicht kennt man. Kaum ein Tag, an dem Karl-Josef Laumann derzeit nicht im Fernsehen zu sehen ist oder sein Konterfei auf Titelseiten prangt.

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Die CDU-Landtagsabgeordnete Heike Wermer freut sich auf einen spannenden Austausch mit Karl-Josef Laumann. Nach einigen Ausführungen bittet Michael Räckers den Minister zur Rede auf die Bühne.

Laumann ist angesichts der hochsommerlichen Temperaturen schon leicht angeschwitzt. Boxer bereiten sich so auf den Kampf vor. Bei Laumann hat man das Gefühl, er ist gerade mittendrin in seinem größten Fight. Laumann kämpft gegen die in der Corona-Pandemie zutage getretenen Ungerechtigkeiten in einigen Branchen und Berufen.

Gut 90 Sitzplätze gab es auf dem Rathausplatz, natürlich mit dem gebotenen Sicherheitsabstand.

Gut 90 Sitzplätze gab es auf dem Rathausplatz, natürlich mit dem gebotenen Sicherheitsabstand. © Christian Bödding

Einen von vielen Wirkungstreffern setzt er gegen die Fleischindustrie. Laumann wettert gegen Fleischfabrikanten wie Clemens Tönnies, die mit Werkverträgen osteuropäische Wanderarbeiter knebeln. Er spricht von „Messergeld“, das die Arbeiter zahlen müssten, und von horrenden Mieten.

Laumann poltert gegen Unternehmen wie Westfleisch in Coesfeld, die die Mitarbeiter in unwürdige Unterkünfte verfrachten. „Ich habe schon öfter gesagt, dass es so nicht weitergeht. Der Corona-Ausbruch bei Westfleisch hängt ausschließlich mit den Wohnverhältnissen zusammen.“ Laumann bringt sein Misstrauen gegen die Fleischindustrie auf den Punkt: „Ich traue denen nicht weiter, wie ich sie sehe“.

Der erste Coronafall in Gangelt

Laumann erinnert an den 25. Februar dieses Jahres, als er gegen 21 Uhr einen Anruf aus dem Lagezentrum erhielt. Er war da, der erste Coronafall, in Gangelt, Kreis Heinsberg. Seitdem hat der Minister eine Menge gelernt. „Ich habe nicht gewusst, was man auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes entscheiden, verbieten und schließen kann.“ Laumann musste zum ersten Mal in seinem Leben feststellen, dass Geld nichts nutzt, wenn man nichts davon kaufen kann. In diesem Fall Schutzmasken.

Minister Karl-Josef Laumann und CDU-Bürgermeisterkandidat Dr. Michael Räckers gemeinsam auf der Bühne.

Minister Karl-Josef Laumann und CDU-Bürgermeisterkandidat Dr. Michael Räckers gemeinsam auf der Bühne. © Christian Bödding

Stichwort Geld. Die Pandemie wird zwei Generationen finanziell belasten, sagt der Minister. „Das kommt mir in der Debatte immer ein wenig zu kurz.“ Eines der wenigen Statements, für die er keinen Applaus bekommt. Still bleibt es auch, als Laumann sagt, dass das Virus nie wieder weggehen wird. „Es wird bleiben.“

Fragen an den Minister

Nach seiner 70-minütigen Rede können die Ahauser den Minister befragen. Es geht um Schule und um das Gesundheitssystem. Zum Schluss will Michael Räckers vom Minister wissen, was er macht, wenn die Pandemie vorbei ist. „Schützenfest feiern“, antwortet Laumann.

Er wolle das Normale wiederhaben, sagt Laumann. „Dass dich eine nette Frau auch mal wieder in den Arm nimmt.“ Die Veranstaltung ist zu Ende. Karl-Josef hat es wieder einmal geschafft, dass die Leute mit dem schönen Gefühl nach Hause gehen, dass er weiß, wo wirklich der Schuh drückt.

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