Markus Kemmann kennt das Homeoffice noch als „Heimarbeitsplatz“

dzHomeoffice

Homeoffice? Als der Ahauser Markus Kemmann begann, im Homeoffice zu arbeiten, da hieß das noch Heimarbeitsplatz. Der 47-Jährige erinnert sich an die Anfänge Ende der 90er-Jahre.

Ahaus

, 29.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ende 1998 begann Markus Kemmann, von zu Hause zu arbeiten. Sein damaliger Arbeitgeber war das Unternehmen Sage KHK Software (heute Sage Software). Markus Kemmann war dort rund sieben Jahre als Key Account Manager beschäftigt.

Seit knapp 16 Jahren arbeitet der Ahauser bei Microsoft Deutschland (Hauptsitz in München) als Senior Business Development & Strategy Manager/Business Lead for Dinamics SIs im Homeoffice. Markus Kemmann ist unter anderem für die strategische Ausrichtung, Aufstellung und Vertrieb über Businesspartner/Systemhäuser für die Produkte Dynamics365 zuständig.

Als Markus Kemmann Ende der 90er-Jahre damit startete, von zu Hause zu arbeiten, „da musste ich mich erst mal rechtfertigen“, berichtet er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Jetzt lesen

Kemmann bekam in Ahaus Tuscheleien mit, Fragen wie diese wurden gestellt: Der ist ja immer zu Hause und geht manchmal schon nachmittags um 3 Uhr in die Stadt, was macht der eigentlich? Arbeitet der gar nicht? Markus Kemmann: „Damals musste man sich rechtfertigen, dass man keinen Urlaub hat, sondern arbeiten kann, wann man eigentlich möchte.“

Mit Labtop am Heimarbeitsplatz gearbeitet

Gearbeitet wurde schon damals mit einem Laptop. „Aber das war ein dickes, schweres Gerät. Die Internetverbindung war unglaublich langsam. Das Schreiben von E-Mails ging, aber einen Anhang öffnen, das dauerte doch sehr lange. Es wurde noch viel per Fax kommuniziert.“

Die Fax-Rolle gecheckt

Abends checkte Markus Kemmann keine Mails, sondern die Fax-Rolle. „Die habe ich mir angeschaut und die Papiere rausgeholt. Und wenn man ging, hat man immer dafür gesorgt, dass das Faxgerät genügend Papier hatte. Wenn ein Fax nicht ankam, war es weg.“

Die Zeiten, als sich Markus Kemmann mit einem Modem einwählte, sind schon lange her. Vergessen hat der Ahauser sie nicht. „Es war auch ein schönes Arbeiten. Man war nicht ständig erreichbar, nicht ständig unter Strom.“

Einzelkämpfer und Teamplayer zugleich

Das hatte Vor- und Nachteile. „Früher waren Sie auf sich allein gestellt. Sie waren ein Einzelkämpfer, der aber ein großer Teamplayer sein musste.“ Das aktuell durch die Corona-Beschränkungen bekannt gewordene „Social Distancing“ habe es auch schon vor über 20 Jahren gegeben. „Man hat die Kollegen vielleicht drei, vier Mal im Jahr bei Meetings in Frankfurt getroffen und ansonsten telefoniert. Natürlich mehr mit dem Festnetz als mit dem Handy.“

Ein Stück weit habe das im Job zu einer Vereinsamung geführt. „Da hat man sich auf jedes Meeting gefreut. Damals gab es noch die Computermesse Cebit in Hannover. Das war wie ein Klassentreffen, man konnte sich permanent austauschen.“

Jetzt lesen

Insgesamt sei die Arbeit zu Zeiten des „Heimarbeitsplatzes“ noch sehr hemdsärmelig gewesen, berichtet Markus Kemmann. „Früher wurden Zahlen, Daten, Fakten in Excel-Tabellen eingetragen und einmal im Quartal eine Präsentation erstellt. Heute machen Sie ständig Teams auf und lassen sich permanent Dashboards anzeigen.“ Natürlich habe der Chef früher auch angerufen und sich erkundigt, „aber man wurde nicht so gemanaged, wie das heute der Fall ist.“

Disziplin ist wichtig

Schon damals – ebenso wie heute – sei es wichtig gewesen, „so zu arbeiten, als wenn du ins Büro fährst. Sonst funktioniert es nicht. Wer keine Eigendisziplin hat, für den wird es im Homeoffice schwierig. Ebenso schwierig wird es, wenn man sich nicht selber motivieren kann.“

Markus Kemmann rät allen, die im Homeoffice arbeiten, zu einem eigenen Raum dafür – wenn es denn es machbar ist. Das schaffe nicht nur einen benötigten Freiraum für den Job, „das Büro lässt sich auch steuerlich absetzen, das ist ganz wichtig. Das kannte das Finanzamt früher auch nicht.“

Homeoffice sei kein Urlaub, „sondern anstrengende Arbeit, das sollte jeder wissen“, sagt Markus Kemann. „Und unterm Strich mehr Arbeit, aber der Arbeitgeber profitiert davon. Man hat den Job 24 Stunden im Kopf. Sie werden ja auch permanent angepingt.“

Mit Digitalisierung einfacher, schneller und effektiver arbeiten

Als die Digitalisierung noch in ganz kleinen Kinderschuhen steckte, „da konnte man sich auf eine Maßnahme konzentrieren und wurde nicht gestört.“ Gleichwohl, die Arbeitsabläufe durch die Digitalisierung würde das Arbeiten heute intern mit Kollegen und extern mit Kunden einfacher, schneller und effektiver machen.

„Probleme können schnell identifiziert und behoben werden. Man kann von überall auf der Welt arbeiten und hat Zugriff auf seine eigenen persönlichen Daten, aber auch Projekte können von überall bearbeitet werden ob alleine oder von einem Team. Änderungen und Anpassungen sind sofort für jeden sichtbar und nachvollziehbar, wer was gerade hinzugefügt, verbessert hat.“

Virtueller Stammtisch und Chat mit Oma

Bedingt durch Corona sei die Bereitschaft deutlich gestiegen, Termine und Workshops virtuell vom Homeoffice abzuhalten. „Das wird sich auch nach der Krise weiter durchsetzen“, ist Markus Kemmann überzeugt. „Die Menschen haben ein ganz neues Verständnis für Digitalisierung und Homeoffice entwickelt, quasi wurde das Thema mit Hochdruck in die Köpfe der Menschen katapultiert.“ Egal ob privat oder Business. „Wir haben mittlerweile über Teams unseren virtuellen Stammtisch oder Videochat mit der Oma.“

Lesen Sie jetzt