Mahnfeuer der Ahauser Landwirte: Sorge um die Höfe nimmt zu

dzLand schafft Verbindung

Mit einem Mahnfeuer haben gut 100 Landwirte am Dienstag in Graes gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung protestiert und auf ihre schwierige Lage aufmerksam gemacht. Ihre Ängste sind groß.

Ahaus

, 11.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es war ein flammender Appell: Rund 100 Landwirte machten am Dienstagabend in Graes mit einem Mahnfeuer auf ihre Lage aufmerksam. Organisiert hatten das Treffen Mitglieder des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Graes, die auch hinter den Zielen der bundesweiten Initiative „Land schafft Verbindung“ stehen.

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Mahnfeuer der Landwirte in Graes

Rund 100 Landwirte haben mit ihren Familienangehörigen in Graes mit einem Mahnfeuer gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung demonstriert.
11.12.2019
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Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
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Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
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Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
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Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
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Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring
Impressionen vom Mahnfeuer der Landwirte in Graes© Markus Gehring

Mit ihren Treckern waren Bauern aus Graes, Epe, Alstätte und Wessum zum Treffen angereist, unterstützt von Familienmitgliedern; insgesamt rund 200 Personen. Auf Plakaten war zu lesen: „Ist der Bauer ruiniert, wird das Essen importiert“. So weit wollen es die Landwirte in der Region nicht kommen lassen.

Der Graeser LOV-Vorsitzende Heinrich Blommel ist nicht nur Verbandsvertreter, sondern war auch als Mitglied der Bewegung „Land schafft Verbindung“ Teilnehmer der Aktion.

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Die Initiative organisierte bundesweit Demonstrationen, darunter in Münster, Bonn, Hamburg und Berlin. Heinrich Blommel, der an den Demos teilnahm, berichtet von einer unglaublichen Beteiligung aus den Reihen der hiesigen Landwirte. „Und wer aus Graes nicht mitfahren konnte, der spendete Geld.“

Jeder Betrieb habe seinen Teil beigetragen, zum Beispiel als Zuschuss zu den Spritkosten, für die Verpflegung oder als Zuschuss für die Lkw-Maut, als die Schlepper mit Tiefladern Richtung Berlin transportiert wurden.

Bundesweite Initiative

Hinter der Initiative stehen bundesweit mittlerweile über 30.000 Landwirte. Die Bewegung fußt auf einer Anfang Oktober gegründeten Facebook-Gruppe. Die Landwirte, so ist es auf der Homepage der Bewegung zu lesen, haben das Schweigen und Zuhören satt, sie wollen gehört werden und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

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Das Mahnfeuer am Dienstag war für Heinrich Blommel und seine Berufskollegen der gemeinsame Kundgebungs-Jahresabschluss. Auch wenn die Landfrauen dabei mit Glühwein und Plätzchen für adventliche Stimmung sorgten und insgesamt 600 Euro für „Familie in Not“ gesammelt wurden – es ging vor allem um den Dialog zwischen Landwirten und der Bevölkerung.

Angst um die Höfe

„Wir haben erzählt, welche Ängste wir haben, gerade auch mit Blick auf das neue Agrarpaket und die Düngemittelverordnung“, berichtet Heinrich Blommel. „Beides wird uns vor dermaßen riesige Aufgaben stellen, dass etliche Landwirte Angst um ihre Höfe haben“, sagt der 52-Jährige.

Strengere Vorgaben

Beim Agrarpaket geht es unter anderem darum, dass ein Teil der EU-Mittel ökologisch umgeschichtet und der Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat ab 2023 verboten werden soll.

Insektenschädliche Pflanzenschutzmittel sollen in Schutzgebieten nicht mehr zum Einsatz kommen dürfen. Die Verschärfung der Düngeverordnung sieht vor, dass in Gebieten, in denen besonders viele Nitrat im Grundwasser festgestellt wird, der Düngereinsatz um 20 Prozent reduziert wird.

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„Bei 20 Prozent weniger Dünge-Einsatz wird die Pflanze nicht mehr vernünftig versorgt und der Boden auch nicht“, sagt Heinrich Blommel. Auch die Verschärfung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln wird vom Graeser Landwirt und seinen Kollegen kritisch gesehen.

Heinrich Blommel ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Graes und Mitglied der Initiative "Land schafft Bewegung".

Heinrich Blommel ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Graes und Mitglied der Initiative "Land schafft Bewegung". © Christian Bödding

Sollten für den Insektenschutz Schutzstreifen angelegt werden, befürchten sie, dass Flächen dafür quasi enteignet werden. „Wir haben hier im Münsterland nicht unbedingt flächenstarke Betriebe, deshalb auch die hohe Zahl an Tierhaltern.“ Heinrich Blommel hält 300 Sauen mit Ferkelaufzucht und bewirtschaftet 40 Hektar Ackerfläche.

Als Teil von „Land schafft Verbindung“ sucht der Landwirt das Gespräch mit der Politik und der Bevölkerung – und auch dem eigenen Verband. Heinrich Blommel berichtet von einer Sitzung von Vertretern der Landwirtschaftlichen Ortsverbände und Mitgliedern des Kreisverbandes.

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„Wir haben in aller Ruhe darüber gesprochen, wo Einigkeit zwischen dem Verband und der Initiative herrscht. Denn uns ist klar, der Bauernverband und „Land schafft Verbindung“ müssen zusammenarbeiten.“

Die Mitglieder der Initiative fühlen sich vor allem von der Politik hintergangen und von der Bevölkerung vornehmlich als Tierquäler dargestellt, sagt Heinrich Blommel. Hinzu komme, dass vieles den Landwirten pauschal in die Schuhe geschoben werde. „Zum Beispiel der Klimawandel.“

„Umdenken“

Natürlich müsse sich in Sachen Umweltschutz etwas ändern, sagt der Landwirt. „Aber umdenken müssen nicht nur die Landwirte, alle stehen in der Verantwortung.“

Dieser Verantwortung wollen sich Blommel und seine Kollegen nicht entziehen. „Wir wissen, dass wir etwas unternehmen müssen. Aber warum muss man eine neue Düngeverordnung schon wieder überarbeiten? Bei solch gravierenden Schritten, die auf uns zukommen, haben wir die Sorge, dass viele Betriebe sagen: Wir hören auf.“

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Sollten die verschärften Rahmenbedingungen von der EU beschlossen werden, „dann sind wir in Deutschland gegenüber anderen Ländern nicht mehr konkurrenzfähig“, sieht Heinrich Blommel düstere Zeiten auf die Landwirte zukommen. „Dann laufen uns die Kosten weg.“

Zu den ohnehin schon hohen Pachtpreisen kämen dann noch höhere Futterkosten obendrauf. Denn mit weniger Dünge-Einsatz werde der Ertrag sinken, „aber das Grundfutter für die Tiere muss ja irgendwo herkommen.“

Gespräche mit Nichtlandwirten

Über diese und andere Ängste berichteten Heinrich Blommel und seine Berufskollegen am Dienstagabend beim Mahnfeuer interessierten Nichtlandwirten. „Wir haben zum Beispiel erklärt, wie und weshalb wir Pflanzenschutzmittel nutzen. Wir setzen sie ja nicht willkürlich ein.“

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Darüber und alle anderen Themen, die den Landwirten unter den Nägeln brennen, würden die lokalen Mitglieder von „Land schafft Verbindung“ gerne auch mit dem Ahauser Rat reden. „Wir können mit Veränderungen auch im Kleinen beginnen, auf lokaler Basis.“

Protest in Brüssel geplant

Für den großen Protest geht es dann aller Voraussicht nach im kommenden Jahr zur EU nach Brüssel. Zudem werde die Initiative deutschlandweit auch 2020 Kundgebungen und weitere Aktionen planen, ist Heinrich Blommel sicher. „Wir wollen weiter für unsere Sache kämpfen.“

Auf Unterstützung aus der Bevölkerung können die Landwirte zählen. Heinrich Blommel: „Viele Graeser haben mir am Dienstagabend gesagt, dass sie voll hinter uns stehen und wissen, was sie an uns haben.“

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