Klinikum Westmünsterland will Wissen um weibliche Krebserkrankungen bündeln

dzAbendsprechstunde

Erstmals fand die „Abendsprechstunde“ von Münsterland Zeitung und Klinikum Westmünsterland digital statt. Ohne Publikum. Und das zu einem sensiblen Thema: gynäkologische Krebserkrankungen.

Ahaus

, 26.09.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Gesprächspartner von Johannes Schmittmann, Redakteur der Münsterland Zeitung und Moderator des Abends, waren diesmal zur „Abendsprechstunde“ zwei Gynäkologen eingeladen: Dr. Stefan Wilhelms, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Marien-Krankenhaus Ahaus und Werner Schüring, Leiter des Gynäkologischen Krebszentrums am Bocholter St. Agnes-Hospital. Gemeinsames Fachgebiet: Diagnose, Therapie und Nachsorge von Patientinnen mit einer gynäkologischen Krebserkrankung.

Ziel: Zertifiziertes Krebszentrum

Dabei soll der gemeinsame Auftritt bei der „Abendsprechstunde“ kein Einzelfall bleiben. Erklärtes Ziel ist vielmehr ein gemeinsames „zertifiziertes gynäkologisches Krebszentrum“ unter dem Dach des Klinikum Westmünsterland. Damit, so machten beide Fachärzte deutlich, wolle man im Kreis eine gynäkologisch-onkologische Versorgung vor Ort dauerhaft halten.

Video
Abendsprechstunde "Gynäkologische Krebstherapie

Bocholt sei bei der Zertifizierung schon kurz vor dem Ziel gewesen, erklärte Werner Schüring. Letztlich hätten aber vier Fälle gefehlt, und auch Ahaus erreiche die geforderten Fallzahlen bislang nicht. Gemeinsam aber könne man auf Dauer die Fälle bündeln. Dr. Wilhelms: „Das bringt Vorteile für die ganze Region.“

Mehr als nur ein Stempel

Ohne ein gemeinsames Zentrum nämlich sei die Gefahr groß, dass ein solches Gesundheitsangebot aus der Region ganz verschwinde. Ob ein solches Zentrum mehr als nur ein Stempel sei, hakte Johannes Schmittmann nach. Natürlich gehe es um den Erhalt, aber laut Dr. Wilhelms auch darum: „Wir können da viel Wissen an einem Ort zusammenbringen.“

Jetzt lesen

Nach wie vor steht der Brustkrebs ganz oben auf der Liste der häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen, neben Gebärmuttehals-, Eierstock- oder auch Schamlippenkrebs. Egal aber, um welche Krebsart es sich handele, folge nach der Diagnose stets die detaillierte Einordnung des Tumors: Ist die Umgebung betroffen, gibt es Metastasen? Einer Therapie-Empfehlung an die Patientin gehe der Austausch mit verschiedenen medizinischen Fachbereichen voraus, zum Beispiel in einer „Tumorkonferenz“ . Nicht immer stehe eine Operation an erster Stelle, mitunter seien vorab auch Chemo- oder Strahlentherapie notwendig, so Werner Schüring.

Aufklärung oberstes Gebot

„Unser Job ist es dann, die Patientin in einfacher Sprache aufzuklären und mitzunehmen“, erklärte Dr. Wilhelms, wie wichtig der Aufbau von Vertrauen gerade in dieser Phase sei. Und darin waren sich beide einig: Wichtig sei es, alle Informationen zu sammeln, um eine gute Strategie zu entwickeln. Und da dürfe man nicht aus der Hüfte schießen. „Aufgeklärte Patientinnen haben weniger Angst.“ Bei Chemo- und Strahlentherapie seien allerdings die niedergelassenen Onkologen die ersten Ansprechpartner.

Jetzt lesen

Auf die Wichtigkeit von Vorsorge wiesen beide Gynäkologen deutlich hin, um möglichst in der Frühphase von Tumoren schon tätig zu werden. Allerdings habe das auch Grenzen: „Der Eierstockkrebs macht uns die meisten Sorgen.“ Nicht nur, dass er oft lange mit unspezifischen Symptomen einhergehe, auch durch eine Bildgebung sei diese Krebsart im Studium schwer zu erkennen, sagte Dr. Wilhelms.

Krebs hält sich nicht an Altersgrenzen

Auch diese Erfahrung teilen beide Ärzte: Krebs gibt es in jedem Alter. Von seiner jüngsten Patientin, einer 12-Jährigen mit einer Vorstufe von Eierstockkrebs bis zur 95-Jährigen Krebspatientin berichtete Werner Schüring, und Dr. Wilhelms betonte, wie wichtig, Krebsvorsorge auch für über 70-Jährige sei: „Auch mit 80 oder 94 kann man noch Brustkrebs bekommen.“

Wie wichtig ist im Dreiklang von Diagnose, Therapie, Nachsorge letztere? Für viele Krebsarten gebe es klare Leitlinien, ein enges Überwachungsnetz, das die Häufigkeit der Nachuntersuchungen festgelegt, so Wilhelms. Werner Schüring: „Unser Ziel ist es, dauerhaft zu heilen, dafür brauchen wir die Nachsorge.“

Die Frage einer Leserin nach der Expertenmeinung zur Entscheidung von Schauspielerin Angelina Jolie, sich wegen familiärer Vorbelastung Brüste und Eierstöcke entfernen zu lassen, beantworteten beide mit großem Verständnis. Die Klärung der genetischen Disposition werde immer bedeutsamer.

Lesen Sie jetzt