Klaus Dittmar - der Berufslotse geht von Bord

BOZ-Leiter im Ruhestand

Zuerst hat ein heftiger Regen seine eigene, voreilige Berufswahl gelenkt. Dann orientierte er sich neu – und anschließend über drei Jahrzehnte Tausende von Jugendlichen. Am Freitag wird Klaus Dittmar verabschiedet. Fast drei Jahrzehnte hat er als Leiter die Arbeit des Berufsorientierungszentrums (BOZ) geprägt.

AHAUS

von von Stefan Grothues

, 19.01.2012, 18:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Heute wird BOZ-Leiter Klaus Dittmar (Foto) in den Ruhestand verabschiedet. Langweilen wird er sich nicht, schließlich ist er auch Krimiautor, Musiker und Künstler. Die Stahlfiguren im BOZ-Foyer hat Julius Radtke nach seinen Entwürfen gefertigt.

Heute wird BOZ-Leiter Klaus Dittmar (Foto) in den Ruhestand verabschiedet. Langweilen wird er sich nicht, schließlich ist er auch Krimiautor, Musiker und Künstler. Die Stahlfiguren im BOZ-Foyer hat Julius Radtke nach seinen Entwürfen gefertigt.

„So wurde ich Großhandelskaufmann – obwohl ich eigentlich Kunstmaler werden wollte.“ Der Drang, mehr aus sich zu machen, führte den nun nicht mehr faulen und renitenten jungen Mann nach der Lehre auf die Abendschule zum Abitur, zum Lehramtsstudium mit den Fächern Deutsch und Geschichte – und nach dem Examen 1981 – im Jahr der Lehrerschwemme – in die drohende Arbeitslosigkeit. Doch dann las er eine Stellenanzeige des BOZ: Gesucht wurde ein Lehrer, der jungen Ausländern Deutschunterricht geben konnte – und Klaus Dittmar fand ein Berufsfeld, das ihn nicht mehr loslassen sollte und in das er seine ganz persönlichen Erfahrungen einfließen lassen konnte: die Berufsorientierung für junge Menschen. Kreis und Stadt hatten mit Unterstützung des Landes das BOZ ins Leben gerufen, um der wachsenden Jugendarbeitslosigkeit den Kampf anzusagen: durch Orientierungs- und Ausbildungsmaßnahmen in den Bereichen Bau, Textil, Hauswirtschaft und Metall. Jugendarbeitslosigkeit ist heute aus konjunkturellen und demographischen Gründen immer weniger ein Thema. Wird das BOZ überflüssig? Dittmar schüttelt den Kopf: „Nein, ganz und gar nicht. Es gibt sogar immer mehr Jugendliche, die uns nötig haben.“ Vor 30 Jahren hätten fünf Prozent eines Jahrgangs Probleme beim Übergang von der Schule zum Beruf gehabt, heute seien es 20 Prozent.

Die „Systemverweigerer“ hätten in Kindheit und Jugend zahlreiche seelische Verletzungen erlitten, die sie in normalen Ausbildungsverhältnissen scheitern ließen. „Wir bieten hier Ausbildung und Beziehungsarbeit an. Zuwendung ist die wichtigste Motivation.“ Immer bedeutsamer werde auch die präventive Arbeit. So betreut das BOZ Jugendliche bereits während ihrer Schulzeit nach Unterrichtsschluss am Nachmittag. „Wir bieten ihnen so Gelegenheit, feste Strukturen und Ruhe zu finden, um sich selbst weiterentwickeln zu können.“ Im Ruhestand weiterentwickeln kann sich nun Klaus Dittmar – als Buchautor, Musiker und Künstler. Die Berufswahl folgt jetzt seinen Leidenschaften – und nicht mehr dem Wetter.

› Das BOZ der Berufsbildungsstätte Westmünsterland unterstützt Jugendliche, die durch schulische Schwächen, persönliche Probleme oder andere Benachteiligungen den Weg in den Beruf nicht finden. › Seit seiner Gründung 1980 haben nach Schätzung von Klaus Dittmar über 10 000 Jugendliche das BOZ besucht. › Die Projekte werden von den örtlichen Jugendämtern, den Kommunen und der Agentur für Arbeit Coesfeld finanziert. › Das BOZ befindet sich heute an der Fürstenkämpe 37. Dort arbeiten die meisten der 70 Mitarbeiter. In Bocholt gibt es seit Mitte der 90er Jahre eine Zweigstelle. gro

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