Der leitende Pfarrer Stefan Jürgens, Heinz Gewering, Leiter der Zentralrendantur Ahaus-Vreden und Marc Klein-Günnewick, Verwaltungsreferent der Gemeinde, (v.l.) freuen sich auf die Einweihung der „neuen" St.-Josef-Kirche. Im Hintergrund sind die neuen Wände des integrierten Pfarrheims zu erkennen. © Stephan Rape
Einweihung steht bevor

Kirche halbiert: Neues Pfarrheim in der St.-Josef-Kirche ist fast fertig

Mitten im Kirchenraum der St.-Josef-Kirche ist in den vergangenen Monaten das neue Pfarrheim entstanden. Ein ungewohnter Anblick, aber einer mit Zukunft.

Seit September 2020 haben die Handwerker das Kommando in der St.-Josef-Kirche in Ahaus. Doch das Ende ist absehbar. Die Gemeinde St. Mariä-Himmelfahrt plant für den 14. und 15. August die Wiedereröffnung der Kirche.

Und die verspricht für die Besucher der Kirche einen völlig neuen Eindruck: Mitten im Kirchenraum wurde das neue Pfarrheim gebaut.

Der Blick von der ehemaligen Orgelbühne in das Kirchenschiff. Im Vordergrund die Decke des neuen Pfarrheims. Der Kirchenraum hat sich durch den Umbau ungefähr halbiert. Für den Alltag reiche das aus. Größere Messen seien ja noch in der St. Marienkirche möglich.
Der Blick von der ehemaligen Orgelbühne in das Kirchenschiff. Im Vordergrund die Decke des neuen Pfarrheims. Der Kirchenraum hat sich durch den Umbau ungefähr halbiert. Für den Alltag reiche das aus. Größere Messen seien ja noch in der St. Marienkirche möglich. „Wir sind eine Pfarrei“, betont Stefan Jürgens. © Stephan Rape © Stephan Rape

Neue Wände trennen jetzt einen Gemeindesaal, Toiletten und die Küche vom Kirchenraum ab. Dazu entsteht in der ehemaligen Turmkapelle ein Raum für die Jugendlichen in der Gemeinde. Sie bekommen sogar einen eigenen Zugang von außen, sodass sie künftig weiter ungestört der Jugendarbeit nachgehen können.

Nur noch etwas mehr als die Hälfte des Kirchenraums

Der eigentliche Kirchenraum ist auf etwas mehr als die Hälfte des bisherigen Kirchenraums geschrumpft. Glasscheiben in der Decke des neuen Pfarrsaals lassen dabei den Blick auf Kirchenfenster und Kirchendach frei. „Damit man merkt, dass man noch mitten in der Kirche ist“, sagt Stefan Jürgens, leitender Pfarrer der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt.

Die Glasdecke im neuen Pfarrsaal lässt den Blick auf Kirchenfenster und Kirchendach zu: Nur weil das neue Pfarrheim in die Kirche integriert wurde, sei die St.-Josef-Kirche überhaupt zu retten gewesen. Da ist sich Pfarrer Stefan Jürgens sicher. In anderen Städten seien Kirchen abgerissen worden. Das Bistum Münster befindet sich auf radikalem Sparkurs.
Die Glasdecke im neuen Pfarrsaal lässt den Blick auf Kirchenfenster und Kirchendach zu: Nur weil das neue Pfarrheim in die Kirche integriert wurde, sei die St.-Josef-Kirche überhaupt zu retten gewesen. Da ist sich Pfarrer Stefan Jürgens sicher. In anderen Städten seien Kirchen abgerissen worden. Das Bistum Münster befindet sich auf radikalem Sparkurs. © Stephan Rape © Stephan Rape

Erst nachdem der Besucher das Pfarrheim durchquert hat, öffnet sich die eigentliche Kirche. Doch dieser kleinere Raum reiche im Alltag aus. Besondere Feiern oder besonders große Gesellschaften haben eben auch in der St.- Marien-Kirche Platz.

Stefan Jürgens betont: „Wir sind eine Pfarrei“

Die Räume in der St.-Josef-Kirche seien dabei ja nur eine Möglichkeit für Gemeindeleben. „Wir sind eine Pfarrei“, betont Stefan Jürgens mit Blick auf die große Kirche in der Innenstadt.

Aber die neuen Räume ermöglichen auch neue Formen von Gottesdienst und Gemeinschaft. Etwa den direkten Zusammenhang aus Messe und anschließendem Beisammenbleiben unter dem gleichen Dach. Das sei ja beispielsweise in der St.- Marien-Kirche schon wegen der weiten Wege zum Karl-Leisner-Haus ganz anders.

In der ehemaligen Turmkapelle soll der neue Raum für die Jugend in der Gemeinde entstehen. Er bekommt einen eigenen Zugang von draußen, um die Jugendarbeit zu erleichtern. Die bunten Kirchenfenster bleiben erhalten.
In der ehemaligen Turmkapelle soll der neue Raum für die Jugend in der Gemeinde entstehen. Er bekommt einen eigenen Zugang von draußen, um die Jugendarbeit zu erleichtern. Die bunten Kirchenfenster bleiben erhalten. © Stephan Rape © Stephan Rape

Gebet und Gespräch sollen so im Alltag der Gemeinde enger zusammengeführt werden, blickt der Geistliche voraus. Das sei gerade in der aktuellen Situation durch das Coronavirus eine enorm wichtige Aufgabe der Kirche: „Den Menschen das Vis-à-vis zu ermöglichen“, sagt Stefan Jürgens.

Sparkurs hat Bauarbeiten noch einmal leicht verzögert

Doch noch einmal weg von den geistlichen Inhalten und hin zur Baustelle: Ursprünglich sollten die Arbeiten schon zu Pfingsten 2021 abgeschlossen sein. So der Plan. „Wir mussten noch an der Finanzierung arbeiten und auch etwas einsparen“, erklärt Heinz Gewering, Leiter der Zentralrendantur Ahaus-Vreden. Zwischenzeitlich hatten die geschätzten Baukosten die Millionengrenze gerissen.

Nach dem Sparkurs blieben noch 920.000 Euro übrig. „Das hat Zeit gekostet“, erklärt er. 150.000 Euro übernimmt das Bistum. Den Rest trägt die Gemeinde – zum großen Teil durch den Verkauf des Josef-Cardijn-Hauses an die Stadt Ahaus, die dort die Mensa für das Alexander-Hegius-Gymnasium und die Anne-Frank-Realschule bauen will.

Für radikalen Umbau gab es keine Alternative

Für die Gemeinde war der Umbau der St.-Josef-Kirche alternativlos: Das Bistum Münster will und muss sparen. Zwei große Kirchen in einer kleinen Stadt wie Ahaus seien nicht mehr denkbar. Stefan Jürgens geht sogar noch einen Schritt weiter: Es sei ein großes Glück für die Gemeinde gewesen, dass dieses Projekt früh in dieser Form angegangen wurde. „Auch das würde heute so nicht mehr genehmigt“, erklärt er.

Heinz Gewering nickt. „In anderen Gemeinden werden Kirchen komplett abgerissen“, sagt Stefan Jürgens. Da könne man in Ahaus schon davon sprechen, dass die St.-Josef-Kirche gerettet wurde.

Noch ist der neue Anblick vom Altar ungewohnt. Auch bleiben noch letzte Arbeiten, bis die Einweihung gefeiert werden kann: Am Mittwoch sind Elektriker und Tischler noch schwer beschäftigt. Auch die Einrichtung fehlt noch fast komplett oder ist möglichst platzsparend gestapelt. Etwas mehr als eine Woche bleibt noch. „Und das schaffen wir“, sagt Stefan Jürgens. Da ist er sich sicher.

Wiedereröffnung mit Empfang und Programm

  • Die Wiedereröffnung und Einweihung der St.-Josef-Kirche samt dem integrierten Pfarrheim ist für den 14. und 15. August geplant – am Patronatsfest der ganzen St.-Mariä-Himmelfahrt-Pfarrei.
  • Nach der Messfeier am Sonntag um 9.30 Uhr lädt die Pfarrei zu einem Empfang mit Speisen und Getränken auf dem Kirchplatz ein. In diesem Gottesdienst gratuliert die Gemeinde Diakon Josef Korthues zu seinem 40-jährigen Ortsjubiläum in Ahaus. Von 11 Uhr bis 16 Uhr sowie von 17 Uhr bis 18 Uhr stehen engagierte Getaufte für Gespräche mit Besuchern zur Verfügung.
  • Zur Wiedereröffnung der Kirche gibt es außerdem eine zusätzliche Vorabendmesse (Samstag, 18 Uhr), eine Andacht (Sonntag, 16 Uhr) sowie ein jugendgemäßes Angebot (Sonntag, 18 Uhr). Letzteres steht unter dem Titel „Dankt dem Herrn, chillt euch, er hat euch gern!“ Jugendliche und junge Erwachsene sind dann zum Erkunden der neuen Räumlichkeiten eingeladen.
  • Auch die während der Umbauphase nach St. Marien verlegten Gottesdienste finden nach der Wiedereröffnung wieder in St. Josef statt: sonntags 9.30 Uhr Heilige Messe, montags 9 Uhr Messe, dienstags 18.30 Uhr Rosenkranzgebet und 19.15 Uhr Messe, donnerstags 8.30 Uhr Rosenkranzgebet und 9 Uhr Messe (Gemeinschaftsmesse der Frauen und Senioren).
Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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