Insgesamt 210 Drogen-Briefe warf der niederländische Drogenkurier in zwei Briefkästen in Ahaus ein. © Markus Gehring
Drogenhandel

Kiloweise Rauschgift per Post: Lange Haftstrafe für Drogenkurier (23)

Etliche Kilo Rauschgift hat ein niederländischer Drogenkurier per Post in Ahaus verschicken wollen. Doch die Kripo war hellwach. Jetzt ist klar: Der Drogenkurier muss lange hinter Gitter.

Ecstasy-Tabletten, Amphetamine, Partydrogen (MDMA), Kokain sowie Heroin – verpackt in Luftpolsterumschlägen mit Alu-Plombe und eingeschweißt in durchsichtige Beutel: 210 dieser Postsendungen hat ein niederländischer Drogenkurier (23) an zwei Tagen im Juni 2019 in zwei Briefkästen mitten in Ahaus eingeworfen.

Doch die Kripo war dem Mann auf den Fersen und fischte die Briefe aus den Kästen. Monate später klickten dann auch die Handschellen. Am 8. Oktober 2020 wurde der Drogenkurier nach Deutschland überstellt. Jetzt verurteilte ihn die 3. Große Strafkammer am Landgericht Münster wegen der Einfuhr von Betäubungsmitteln in „nicht geringer Menge“ sowie der Beihilfe zum illegalen Handel zu einer mehrjährigen Haftstrafe.

Teilweise sehr hoher Wirkstoffgehalt

Am zweiten von ursprünglich drei angesetzten Verhandlungstagen wurde deutlich, wie umfangreich die Drogenbriefe gefüllt waren: kiloweise Amphetamine, hunderte Gramm Ecstasy-Tabletten und Marihuana sowie geringere Mengen Kokain und 16 Gramm Heroin. Besonders das Cannabis soll laut Gutachten der Rechtsmedizin einen „sehr hohen Wirkstoffgehalt“ gehabt haben.

Stichprobenartig hatten die Kriminaltechniker den Inhalt der sichergestellten Postsendungen auf Quantität und Qualität untersucht. So sollen sich allein in einem Brief 500 Gramm Amphetamine befunden haben. Letztlich überschritt der Drogenkurier (23) laut Strafkammer bei der ersten Einfuhr der Betäubungsmittel die „nicht geringe Menge“ um das 66-fache und bei der zweiten Tour um das 51-fache.

Drogen in der Tiefgarage bekommen

Die Drogen will der 23-Jährige, so viel räumte er ein, von seinem Onkel in einer Tiefgarage in Enschede in offenen Müllsäcken bekommen haben. Aus Geldnot habe er die Kurierfahrten übernommen. Wohl wissend, dass die Hintermänner mit den Drogen gewinnbringende Geschäfte im Darknet, einem verschlüsselten Bereich des Internets, der häufig für illegale Zwecke genutzt wird, machen.

Die Kripo stellte in den Drogen-Briefen auch hunderte Gramm Ecstasy-Tabletten sicher (Symbolbild).
Die Kripo stellte in den Drogen-Briefen auch hunderte Gramm Ecstasy-Tabletten sicher (Symbolbild). © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Nur von den harten Drogen will der Drogenkurier nichts gewusst haben. So zumindest stellte es sein Pflichtverteidiger dar. Der Angeklagte selbst sagte bis auf das Schlusswort („Ich habe einen Fehler gemacht, der mir leidtut“) nichts. Nach vorne auf den Tisch gebeugt verfolgte er praktisch regungslos den Prozess.

Angeklagter verrät kaum Details

Auffällig: Während beider Verhandlungstage saßen auf den Zuschauerrängen zwei Niederländisch sprechende Männer, die regelmäßig den Blickkontakt zum Angeklagten suchten. Dieser erwiderte die Blicke nur sporadisch. Was dahintersteckt, ist unklar. Fakt ist: Der 23-Jährige behielt fast alle Namen und Hintergründe der Taten für sich.

So schwieg er sich eisern darüber aus, welcher Mann ihn auf der ersten Fahrt nach Ahaus begleitet hatte. Fotos, die in Beweisaufnahme am ersten Verhandlungstag eingeführt wurden, belegen dies. Mutmaßlich hat die Kripo die Bilder bei verdeckten Ermittlungen gemacht. Auch verriet der Angeklagte mit Ausnahme des Namens seines Onkels keine Details zu möglichen weiteren Hintermännern und deren Geschäften.

Strafkammer folgt Staatsanwaltschaft

Doch auch so war die Sache für den Staatsanwalt klar. „Die Vorwürfe in der Anklage haben sich vollumfänglich bestätigt.“ Er forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Naturgemäß sah der Pflichtverteidiger des 23-Jährigen die Sache anders.

In einer Nordstadt-Wohnung wurde augenscheinliches Kokain entdeckt (Symbolbild). © dpa © dpa

Nach einer langen juristischen Exkursion durch etliche Paragrafen forderte er lediglich eine zweijährige Bewährungsstrafe. „Mein Mandant hat seinem Onkel vertraut. Das wurde ihm zum Verhängnis. Mein Mandant bereut die Taten zutiefst“, führte er aus.

Genutzt hat sein Plädoyer nichts. Die 3. Große Strafkammer folgte mit etwas Abzug der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der 23-jährige nicht vorbestrafte Niederländer muss für seine Taten drei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Verbüßen soll er die Haftstrafe in den Niederlanden.

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