Kaum Zusagen von Wirten: „Nette Toiletten“ wird es in Ahaus nicht geben

dzÖffentliche Toiletten

Das Projekt „nette Toilette“ wird in Ahaus nicht verwirklicht. Lediglich mit drei gastronomischen Betrieben kommen Verträge zustande. Die große Mehrheit lehnt das Vorhaben ab.

19.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Nette Toiletten“ wird es in Ahaus nicht gegeben. Der Wirtschaftsausschuss hat sich in seiner jüngsten Sitzung von diesem Projekt verabschiedet.

Das Netzwerk „Die-nette-Toilette“ bietet Hilfe in der Not. Dabei stellen Gastronomen ihre Toiletten gegen eine Ausgleichszahlung durch die Stadt für die öffentliche Nutzung kostenlos zur Verfügung.

1230 Euro wären als Einmalzahlung für die Nutzungsrechte aus dem städtischen Etat gekommen. Die Projektteilnehmer sollten 120 Euro pro Jahr bekommen.

Kritik von Gastronomen

Noch im Oktober 2019 sah der Wirtschaftsausschuss dem Vorhaben zuversichtlich entgegen. Im Januar dieses Jahres zeichnete sich ab, dass das Projekt zu kippen droht. Mehrere Gastronomen aus der Innenstadt kritisierten das Projekt. Eine Wirtin erklärte: „Bei uns gehen die Gäste ein und aus. Aber deshalb brauche ich kein Schild an der Tür.“

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Claudia Platte, Geschäftsführerin von Ahaus Marketing und Touristik, stellte im Ausschuss das Ergebnis der Befragung der möglichen Teilnehmer vor. So gab es lediglich drei Verträge für die Einrichtung einer „netten Toilette“. Der Ahauser Grill würde mitmachen, das Café Medicus und das Restaurant Vivendi. Zwei Zusagen verbuchte Claudia Platte: von der Pizzeria Istanbul und vom Kurfürstengrill. Von den restlichen sieben gastronomischen Betrieben gab es eine Abfuhr.

„Die Gastronomen haben aber gesagt: Wer nett fragt, der darf auf Wunsch gerne unsere Toilette benutzen“, berichtete die AMT-Geschäftsführerin dem Ausschuss.

„Sind in der Pflicht“

Andreas Beckers (UWG) regte an, nicht auf Lippenbekenntnisse der Wirte zu setzen. Wenn das Konzept der netten Toilette nicht funktioniere, „dann sind wir in Ahaus in der Pflicht, eine gut funktionierende, saubere, öffentliche Toilette vorzuhalten.“

Die Toilettenanlage an der Wallstraße ist defekt.

Die Toilettenanlage an der Wallstraße ist defekt. © Stadt Ahaus

Das Projekt „nette Toilette“ sei mit Blick auf die Toiletten-Anlage an der Wallstraße forciert worden, erklärte Bürgermeisterin Karola Voß. Die öffentliche Toilette an der Wallstraße musste im Oktober 2019 geschlossen werden. Unbekannte hatten dort Feuer gelegt und die Anlage erheblich beschädigt.

„Wir hätten bei Einführung der netten Toilette die Anlage an der Wallstraße aufgegeben und sie nicht mehr renoviert.“ Schließlich sei auch der Umbau der Wallstraße geplant. „Der Neubau der öffentlichen Toilette dort würde 100.000 Euro kosten. Wenn wir den Schaden reparieren, würde das mit gut 10.000 Euro zu Buche schlagen.

„Projekt ist gestorben“

Nobert Frankemölle (WGW) dazu: „Bei sieben Absagen und drei Zusagen kann man auf diese Toilettenanlage nicht verzichten.“ Ähnlich sah es Ansgar Reimering (CDU): „Mit drei Zusagen ist das Projekt gestorben. Da müssen wir öffentliche Toiletten vorhalten.“

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Einig war sich der Ausschuss darin, die öffentliche Toilettenanlage an der Wallstraße zu sanieren. Andreas Beckers (UWG) sprach schon von einer „No-Go-Area“. Hubert Kersting (UWG) und Thomas Wittenbrink (CDU) plädierten dafür, „dann auch lieber 5000 Euro mehr für die Sanierung in die Hand zu nehmen“ – zusätzlich zu den von Karola Voß veranschlagten 10.000 Euro.

Sicherlich müsse eine neu gestaltete Wallstraße eine neue öffentliche Toilette bekommen, erklärte Wittenbrink. „Aber die alte Anlage müssen wir vorher so reparieren, dass sie optisch einigermaßen ansprechend ist, Das muss es uns wert sein.“ So sah es auch der Ausschuss. Das Projekt „nette Toilette“ wird nicht weiter verfolgt.

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