Karen Jungkamp, 44, ist unter anderem für den Theaterring, die Förderung kultureller Projekte und die Vergabe der Stadthalle verantwortlich. Über Langeweile im Büro kann sich die Diplom-Kulturwissenschaftlerin wirklich nicht beklagen. © Stephan Rape
Kultur in Ahaus

Karen Jungkamp hat viele Ideen, aber nur wenig Zeit für Kultur in Ahaus

Ihr Start in Ahaus fiel genau mit der Pandemie zusammen: Karen Jungkamp organisiert in Ahaus das kulturelle Programm. Doch auch abseits von Corona steht sie vor riesigen Aufgaben.

Karen Jungkamp ist für die Kultur in der Stadt Ahaus verantwortlich. Eine Aufgabe, die sie im Moment vor fast unlösbare Probleme stellt. Und vor einen überfüllten Terminkalender.

Anfang 2020 fing sie bei der Stadt an. Doch bevor sie sich wirklich in die Arbeit stürzen konnte, schlug die Pandemie zu. Erst einmal sei es darum gegangen, Aufführungen zu verschieben, Verträge zu überarbeiten und nach Lösungen zu suchen. „Alles was wir vorbereitet haben, wurde immer wieder auf Null gesetzt“, sagt sie.

Viele renommierte Stationen führten am Ende zurück nach Ahaus

Die 44-Jährige ist keine Anfängerin: Nach dem Studium von Musik, Kunst, Kulturpolitik und BWL war sie über 15 Jahre Kulturmanagerin: am Nationaltheater in Mannheim, am Schauspielhaus in Salzburg, am Theater in Münster und im Marketing eines Konzerns. Wegen ihrer Familie zog sie zurück in ihren Geburtsort Ahaus. „Und hier wurde dann meine Traumstelle frei“, sagt sie. Es sei etwas ganz Besonderes für sie, in ihrer Heimatstadt Kultur machen zu dürfen.

Doch für kreative Ideen ist im Moment nur wenig Zeit: „Das, was wir machen konnten, haben wir gemacht“, blickt sie zurück. Etwa zwölf Pop-up-Konzerte in Ahaus, eine Ausstellung in der Villa van Delden. Dazu kamen die ständen Änderungen im Schulbereich. Denn auch das gehört zu Karen Jungkamps Fachbereich: „Ich bin ja auch stellvertretende Fachbereichsleiterin für Schule und Sport“, sagt sie. Es sei eben eine sehr turbulente Zeit gewesen.

Stadthalle ist gewachsen, die Struktur dahinter aber nicht

Dazu kommt, dass die Stadthalle zwar gewachsen sei. Und mit ihr die Ansprüche. Das Backoffice, also die Stelle, an der das Programm, die Künstler und das Publikum verwaltet werden allerdings nicht. Aufgaben, die nicht aufzuschieben sind, die aber viel Zeit kosten.

Große Konzerte in der Stadthalle – hier das Jahreskonzert 2019 des Feuerwehrmusikzug – gehören natürlich in die Stadthalle. Für weitere Projekte ist in der Verwaltung im Moment nur wenig Zeit.
Große Konzerte in der Stadthalle – hier das Jahreskonzert 2019 des Feuerwehrmusikzug – gehören natürlich in die Stadthalle. Für weitere Projekte ist in der Verwaltung im Moment nur wenig Zeit. © Bernhard Gausling © Bernhard Gausling

Beispiele? Bargeldloser Zahlungsverkehr, Onlinetickets, ein digitaler Hallenbelegungsplan und die Disposition von Veranstaltungen. Dinge, die längst benötigt würden, die aber auch in den vergangenen Jahren wegen der hohen Arbeitsbelastung immer wieder liegen geblieben seien. Und dann soll auch ein Theaterprogramm entstehen, das in Zeiten von Corona aber mehr Fragezeichen als Antworten hinterlässt.

Sie wählt ein nautisches Bild: „Es fühlt sich so an, als müsste ich einen großen Tanker während der Fahrt durch einen Slalomkurs reparieren. Dabei kenne ich das Schiff noch nicht einmal richtig“, sagt sie lachend.

Tolle Ideen, für die im Moment schlicht die Zeit fehlen

Ideen hat sie eine Menge. Ideen, die sehr gut klingen: Streetart, zeitgenössischer Tanz, kleine Konzerte, insgesamt Angebote für ein vielfältigeres, diverseres Kulturangebot, für ganz unterschiedliche Zielgruppen: Junge wie alte, Kulturinteressierte und solche, die eher selten vor einer Bühne zu finden sind, große Gruppen oder Nischenpublikum.

Das sind allerdings Ideen, für die ihr im Moment die Zeit fehlt: Die Strukturen seien eben auf den Tanker Stadthalle ausgerichtet. „Und da befinde ich mich im Spagat. Ich will ja auch das Theaterpublikum nicht verlieren“, sagt sie.

Für sich genommen schon eine Herkulesaufgabe: Denn auch durch die Pandemie und die lange Unterbrechung gehen die Abozahlen für die beiden Theaterringe deutlich zurück. „Ich habe keine Ahnung, was am Ende bleibt“, sagte sie im jüngsten Kulturausschuss. Das sei besonders traurig, weil eine jahrzehntelange Aufbauarbeit in diese Abonnements geflossen sei.

Das Problem: Durch die Abonnements kann sie auf relativ stabile und verlässliche Zuschauerzahlen setzen. Im Einzelverkauf sei es viel schwieriger, die über 600 Plätze in einer ausverkauften Stadthalle an die Ahauserinnen und Ahauser zu bringen. Und: Auch das würde wieder Personal binden.

Alleine könne sie in der Stadthalle zehn Veranstaltungen im Abonnement laufen lassen. „Aber für Sonderprojekte bräuchte ich mehr Hände“, sagt sie.

Hände, die es aber aktuell nicht gibt: Auch das Problem mit der Personaldecke hatte sie zuletzt auch schon im Kulturausschuss auf den Tisch gebracht: Statt der eingeplanten 2,5 Stellen gebe es im Moment wegen einer längerfristigen Erkrankung nur 1,5 Stellen. Aktuell werde an einer kurzfristigen Lösung gesucht. Langfristig seien aber auch 2,5 Stellen knapp. „Für 2022 wird das ein Thema für den Stellenplan“, sagte sie im Ausschuss.

Team ist motiviert aber überlastet

Auch Reinhard Benning, Fachbereichsleiter Bildung, Kultur und Sport, sprang ihr bei: Sein Team sei zwar hochmotiviert, doch die Grenze des Machbaren sei an vielen Stellen überschritten. „Wir versuchen, alles Mögliche auch machbar zu machen“, sagte er. Aber es stünden eben auch viele Aufgaben vor der Tür.

Aufgaben, die Karen Jungkamp auch auf andere Schultern verteilen möchte: Etwa ganz aktuell die Musikerinitiative Ahaus: „Die haben von Open-Air-Konzerten viel mehr Ahnung als ich“, sagt sie. Die drei Open-Air-Konzerte im August fördert die Stadt Ahaus mit 15.000 Euro. „Gut investiertes Geld, mit dem ich eine Aufgabe outsourcen kann“, sagt Karen Jungkamp.

Vernetzung der Akteure soll ein erster Schritt sein

Auch sonst sucht sie die Vernetzung, will weitere Akteure ins Boot holen. „Ich muss aber schon jetzt zu oft ‚Nein‘ sagen“, gibt sie selbstkritisch zu. Einfach weil sie sich um dieses oder jenes Projekt nicht zusätzlich kümmern könne. „Wenn ich nur eine halbe Stunde pro Monat für ein Projekt aufwenden kann, hilft das niemandem“, sagt sie. Doch genau so sehe aktuell der Terminkalender aus.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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