Jugendliche fragen sich, wo sie bleiben

Ahauser Jugendheim

Nutzer des Josef-Cardijn-Hauses, des bisherigen Jugendheims von St. Josef, sind besorgt um die Zukunft des Gebäudes. Darüber tauschten sie sich vor Ort aus.

AHAUS

von Christian Bödding

, 24.10.2017, 18:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jugendliche fragen sich, wo sie bleiben

Vertreter verschiedenster Gruppen, die das Josef-Cardijn-Haus nutzen, trafen sich vor Ort zum Austausch. © Foto: Christian Boedding

An die 40 Jugendliche und junge Erwachsene sitzen in großer Runde im Josef-Cardijn-Haus an der Fuistingstraße. Gemeinsam mit Josef Korthues, Urgestein der Kirchengemeinde St. Josef und Diakon im Ruhestand, haben sie die Münsterland Zeitung eingeladen, um über ihre Wünsche und Befürchtungen zu sprechen. Das Gesprächsthema: die Zukunft des Josef-Cardijn-Hauses, ihres Jugendheims.

Die katholische Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt möchte das Gebäude an die Stadt verkaufen (Münsterland Zeitung berichtete). Seit Juni laufen die Verkaufsverhandlungen, Ende des Jahres sollen sie abgeschlossen sein. Die Stadt nutzt das Haus, das direkt neben dem Alexander-Hegius-Gymnasium liegt, schon für die Essensausgabe im Gebundenen Ganztag.

Die 16- bis 25-Jährigen gehören den unterschiedlichsten Gruppen an, die das Haus nutzen: Sie sind vom Messdiener-Team, vom Sommerlager, vom Ferienspiel-Team, vom Musikcafé und weiteren Gruppierungen. Matthias Bölting ist an diesem Abend ihr Sprecher.

„Überrascht worden“

Der 23-Jährige erklärt für die Runde, dass alle vom Beschluss, das Haus zu verkaufen, sehr überrascht worden seien. „Obwohl es immer heißt, dass die Verkaufsgespräche noch laufen, wurde hier schon einiges gemacht, zum Beispiel hat man in zwei Räumen Wände herausgerissen. Der Verkauf scheint schon ziemlich beschlossene Sache zu sein.“ Dabei sei im Haus noch längst nicht „tote Hose“, was die Jugendarbeit angehe. „Hier ist immer richtig was los.“ Nicht nur die Jugendlichen seien zu Gast, „auch etliche Senioren-Gruppen haben hier ihr Zuhause“, sagt Matthias Bölting. „Wir alle fragen uns: Werden alle unsere Gruppen hier auch künftig unterkommen? Wird es eine Übergangslösung geben, die alle zufriedenstellt? Oder gibt es Gruppen, für die es keinen Platz mehr gibt und denen dann die Auflösung droht?“

Was das Josef-Cardijn-Haus so besonders mache, sei die Generationen übergreifende Geschichte, sagt ein Jugendlicher. „Deshalb hängen wir so an diesem Jugendheim. Meine Eltern waren hier, ich bin es und ich würde auch gerne meinen Kindern ermöglichen, dass sie das Haus erleben können.“ Das Haus sei eine gewachsene Struktur mitten im Wohngebiet und in der Kirchengemeinde St. Josef.

„Mit Nostalgie alleine gewinnt man keinen Blumentopf“, erdet Josef Korthues die Jugendlichen. „Bringt Fakten auf den Tisch. Und macht Vorschläge, wie es weitergehen kann“, appelliert er an die Teilnehmer des Abends. Josef Korthues hegt keinerlei Zweifel daran, dass die katholische Kirchengemeinde und die Stadtverwaltung eine vernünftige Übergangslösung auf die Beine stellen. „Wir haben über Jahrzehnte mit der Stadt konstruktiv zusammengearbeitet, warum sollte das jetzt anders sein?“, fragt Korthues.

Ein Jugendlicher berichtet von Gesprächen mit Bürgermeisterin Karola Voß. Aus der Verwaltung sei der Vorschlag gekommen, dass die Jugendlichen vor dem Jugendhilfeausschuss reden. Den Jugendlichen – das wird an diesem Abend klar – ist wichtig, dass sie weiterhin Räume und Zeiten bekommen. Ebenso wichtig: ein Mitspracherecht. „Nicht, dass wir hinterher über Vorschlag A oder B abstimmen sollen und vorher nicht beteiligt wurden.“

Auch mit den im Rat vertretenen Fraktionen will die Leiterrunde reden. Dabei wird es auch um ganz Profanes gehen – das die Jugendlichen aber umtreibt. „Wenn die Kirche das Haus an die Stadt verkauft, dann wäre das Josef-Cardijn-Haus ein städtisches Gebäude. Dann wäre Rauchverbot auf dem Gelände und es gäbe ein Alkoholverbot. „Das wär’s dann mit der Flasche Bier beim Musikcafé.“

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