Jobs für Führungskräfte – Unternehmen stehen auf der Kostenbremse

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Die Corona-Krise stellt Firmen vor Herausforderungen, das gilt für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber. Einer, der die aktuelle Lage im Münsterland bestens kennt, ist Paul-Peter Groten.

Ahaus

, 15.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der 62-jährige Ahauser Paul-Peter Groten ist Personalberater und Geschäftsführer des Unternehmens MünsterlandManager.de. Seit zwölf Jahren vermittelt er in der Region Top-Führungskräfte.

„Der Arbeitsmarkt ist durch Corona stark reduziert worden“, sagt er am Mittwoch im Gespräch mit unserer Redaktion „Speziell auch, was die Führungspositionen und die gehobenen Fachpositionen angeht.“

Firmen hätten etliche Stellenbesetzungen zurückgestellt. „Wir haben selber erlebt, dass unterschriftsreife Verträge schon ab Ende Februar nicht mehr unterzeichnet wurden.“ Mal habe das Unternehmen zurückgezogen, mal der Kandidat. Dem Bewerber sei der Wechsel zu heikel geworden in dieser unsicheren Zeit. Das Unternehmen wollte angesichts der unklaren Lage im Moment auf eine Einstellung verzichten.

Firmen auf der Kostenbremse

„Es gibt aber Positionen, die besetzt werden müssen“, erklärt Paul-Peter Groten. Als Beispiel nennt er ein zentrales Anliegen der Firmen: die Sicherung der Liquidität. „Da muss die Position des Leiters Finanzen und Rechnungswesen besetzt sein. Da gibt es keine Alternative.“

Trotzdem würden Unternehmen noch versuchen, Ersatzlösungen zu schaffen: „Indem sie durch Umverteilung von Aufgaben vorübergehend die Nachbesetzung zurückstellen.“ Generell – das hat Paul-Peter Groten festgestellt – stehen fast alle Unternehmen momentan mit beiden Füßen auf der Kostenbremse. „Das merken wir als Dienstleister.“ Die Zahl der aktuell zu besetzenden Führungspositionen sei im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit deutlich zurückgegangen.

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Ob sich die Corona-Krise mit der Finanzkrise 2008/09 vergleichen lässt? Der 62-jährige – der vor zwölf Jahren MünsterlandManager.de gründete – geht von deutlich größeren Auswirkungen durch die Corona-Krise aus.

Zwar sei auch damals die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern zusammengebrochen. „Aber ich glaube, dass die Sekundäreffekte dieses Mal größer sein werden.“ Es gehe um ein Globalisierungsproblem. Effekte würden sehr schnell in andere Länder überschwappen.

Schwerpunkte

Paul-Peter Groten vermittelt Führungskräfte in produzierenden, wertschöpfenden Branchen. Schwerpunkte sind unter anderem im Bereich der Druckvorstufe, bei der Kunststoffverarbeitung, bei der Blechverarbeitung und bei Unternehmen der holzverarbeitenden Industrie.

Doch was ist das überhaupt, eine Führungskraft? „Für uns fängt eine Führungskraft da an, wo eine große Zahl von Kräften zu führen ist. Die Ebene geht vom Abteilungsleiter, der 30 Mitarbeiter führt, weiter nach oben. „Wir kümmern uns auch um gesuchte Spezialisten, zum Beispiel Produktmanager, in der Regel akademisch ausgebildet. Die ersten beiden Führungsebenen in Unternehmen sind unsere Domäne.“

Kundenkreis

Als Einzugsbereich hat sich die Personalberatung mit ihrem Büro an der Frauenstraße 13 in Ahaus auf das Münsterland fokussiert – wie der Firmenname schon sagt. Der Kundenkreis reicht vom nördlichen Sauerland bis hinter Osnabrück und im Emsland hoch bis Meppen. „Etwa 80 bis 100 Kilometer um Münster. Kern bleiben die Kreise des Münsterlandes“, erklärt Paul-Peter Groten.

Die Ahauser Personalberatung habe einen hohen Marken-Bekanntheitsgrad erreicht, sagt der Geschäftsführer. Das Unternehmen besetze pro Jahr Führungspositionen im oberen zweistelligen Bereich im Münsterland.

MünsterlandManager.de stützt sich dabei auf vier Berater, drei feste Mitarbeiter im Innendienst und einige sogenannte Researcher, die im Hintergrund arbeiten und die Direktansprache von potenziellen Kandidaten vornehmen. „Das, was man gemeinhin als Headhunting bezeichnet.“ Nach eigenen Angaben hat MünsterlandManager.de in den zwölf Jahren des Bestehens nahezu 500 Unternehmen mit Führungskräften versorgt.

Gründe, eine neue Stelle anzutreten, gibt es viele. Mal ist der Arbeitgeber wenig wertschätzend, mal ist man unsicher, ob das Unternehmen die Krise überlebt, mal sind es fehlende Karrieremöglichkeiten, mal ist es die Unzufriedenheit im Job oder die zu große Entfernung zum Arbeitsplatz.

Die Altersspanne der Führungskräfte, die sich bei Paul-Peter Groten melden, reicht von Ende 20 bis Mitte 50. Der Bewerberpool umfasst zwischen 600 und 800 Personen.

Die MünsterlandManager.de haben für Führungskräfte und Spezialisten zwei Angebote. In einer Kurzberatung – aktuell per Skype - werden auf der Basis des Lebenslaufs die grundsätzlichen Chancen am Arbeitsmarkt erörtert.

Jobinterview

Der weitergehende Schritt ist ein vollständiges Jobinterview mit dem Ziel der Aufnahme in den Bewerberpool. Auch letzteres erfolgt derzeit nur als Skype-Interview und kostet den Bewerber eine gute Stunde. Während die Kurzberatung kostenfrei ist, erfolgt das vollständige Interview gegen eine geringe Schutzgebühr. „Es geht darum, den Kandidaten eine qualifizierte Beratung angedeihen zu lassen, was den münsterländischen Arbeitsmarkt angeht“, erklärt Paul-Peter Groten.

Bis der Handschlag den Jobwechsel besiegelt, geht ein Findungsprozess der Entscheidung voran. Die MünsterlandManager.de beraten Führungskräfte und Unternehmen dabei.

Bis der Handschlag den Jobwechsel besiegelt, geht ein Findungsprozess der Entscheidung voran. Die MünsterlandManager.de beraten Führungskräfte und Unternehmen dabei. © picture alliance/dpa

Gleichwohl sei der Personalmarkt sehr schnelllebig geworden, sagt der Geschäftsführer. „Vor Corona gab es mehrfach die Situation, dass uns gute Kandidaten abgehauen sind, weil sich die Firmen nicht entschieden haben. Gerade bei der Altersnachfolge mit mehreren Monaten Zeit bis zur Entscheidung sei das vorgekommen – und ein Problem. „Wir sagen den Firmen dann, es bringt nichts, auf Mister 110-Prozent zu warten.“

Als Personalberater müsse man eine extrem hohe Frustrationstoleranz haben. „Weil wir auch täglich mit negativen Nachrichten konfrontiert werden“, erklärt Paul-Peter Groten. So wie im Fall eines Kandidaten aus dem südlichen Münsterland.

Umzug abgesagt

Der Mann sollte nach Osnabrück zu einer Firma wechseln, die genau in sein Zielschema passt. „Aber die Entfernung vom Wohn- zum Arbeitsort betrug 100 Kilometer“, erklärt Paul-Peter Groten. Anfangs habe die Führungskraft von einer tollen Chance gesprochen und bei seinem alten Arbeitgeber gekündigt. „Dann hat er sich das Ganze nochmal überlegt. Er hatte dem neuen Arbeitgeber versprochen, umzuziehen. Diesen frommen Wunsch hat wohl seine Ehefrau kassiert.“ Letzten Endes sagte der Kandidat ab.

Paul-Peter Groten rät bei der Jobsuche deshalb, die tägliche Pendelstrecke auf maximal eine Stunde Fahrzeit festzusetzen. Zweitwohnungslösungen seien mit Risiko behaftet. „Das kann auf Dauer auch auf die Nerven gehen, zwei Wohnsitze zu haben.“

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