Im aktualisierten Aufklärungsbogen wird mittlerweile eindeutig auf die möglichen Nebenwirkungen – unter anderem Sinusvenenthrombosen – hingewiesen. Bei welchen Symptomen Handlungsbedarf besteht, findet sich unter dem Punkt „Wie verhalte ich mich vor und nach der Impfung?“ © Johannes Schmittmann
Coronavirus

Impfzentrum Kreis Borken: Aufklärung zu Astrazeneca intensiviert

Auch im Impfzentrum Velen wird wieder Astrazeneca verimpft. Eine Ahauserin wünscht sich mehr Aufklärung zu Nebenwirkungen. Der Kreis hat bereits reagiert, setzt aber auch auf Eigeninitiative.

Der Corona-Impfstoff des Herstellers Astrazenenca hat nicht das beste Image. Dabei schützt er laut Studien zu über 90 Prozent vor schweren Verläufen. Das Problem: Bei den Menschen ist unter anderem hängen geblieben, dass der Impfstoff auf Anraten des Paul-Ehrlich-Instituts Mitte März für vier Tage ausgesetzt wurde. Hintergrund waren mehrere Fälle von Hirnvenenthrombosen, auch Sinusvenenthrombosen genannt. Laut ersten Analysen geht man davon aus, dass in einer von 100.000 Astrazenenca-Impfungen diese teils tödliche Nebenwirkung auftreten kann.

Zwar wird seit einer Woche auch im Impfzentrum Velen wieder Astrazeneca verimpft, doch bei einigen Menschen bleibt ein Restzweifel. Umso wichtiger sei da die Aufklärungsarbeit, erklärte Ellen Bulten von der Kreispressestelle direkt nach Wiederaufnahme der Astrazeneca-Impfungen. Genau hier sieht die Ahauserin Beatrix Akhtar allerdings ein Defizit.

Keine Angst vor Impfreaktionen oder Nebenwirkungen

Die 55-jährige Physiotherapeutin war am Montag, 22. März, an der Reihe, weil sie regelmäßig direkten Kontakt zu Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen hat. Angst vor Impfreaktionen oder Nebenwirkungen hatte sie nicht. Doch auch sie kannte aus den Medien die Berichte über die seltenen Hirnvenenthrombose. Umso verwunderter zeigte sie sich, dass sie in ihren Corona-Impfunterlagen von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) auf den ersten Blick nur wenige Infos dazu fand.

Unter dem Punkt „Sind Impfkomplikationen möglich?“ wird zwar auf verschiedene Nebenwirkungen hingewiesen. Welche Symptome aber auf diese Nebenwirkungen hindeuten könnten, dazu findet sich an dieser Stelle nichts. „Aber genau das ist ja für die Geimpften die entscheidende Information“, sagt Beatrix Akhtar.

Mittlerweile eindeutige Hinweise auf potenzielle Symptome

Nachfrage bei Jens Eisenack, medizinischer Leiter des Impfzentrums Velen: „Teilweise waren noch alte Aufklärungsbögen im Umlauf, mittlerweile gibt es aber eindeutige Hinweise auf die Symptomatik bei Sinusvenenthrombose“, sagt der Arzt. Nicht bei den möglichen Nebenwirkungen – zum Unverständnis von Beatrix Akhtar –, sondern unter dem Punkt „Wie verhalte ich mich vor und nach der Impfung?“ steht nun unter anderem: „Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie einige Tage nach der Impfung starke oder anhaltende Kopfschmerzen oder Sehstörungen haben.“ Genauso solle man handeln, wenn noch Blutergüsse oder punktförmige Hautblutungen außerhalb der Einstichstelle auftreten sollten. Eine direkte Erklärung, welche Symptome auf eine Hirnvenenthrombose hinweisen könnten, gibt es aber nicht.

Insgesamt betrachtet sieht der medizinische Leiter aber auch die Impflinge in der Pflicht. „Wenn Fragen da sind, kann man sie im Aufklärungsgespräch problemlos stellen.“ Schon vor der Wochenfrist hatte der Kreis seine Mitarbeiter im Impfzentrum entsprechend geschult und für die Astrazeneca-Thematik besonders sensibilisiert. Doch gibt es im Kreis Borken überhaupt erhöhten Redebedarf oder sogar Ablehnung?

Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem

„Nein“, sagt Jens Eisenack, „den Eindruck habe ich nicht“. Die Impfbereitschaft, auch mit Astrazeneca, sei weiterhin so hoch, dass die Nachfrage das Angebot bei Weitem übersteige. „Bei uns stehen die drei Millionen Impfdosen, von denen manchmal die Rede ist, auf jeden Fall nicht im Kühlschrank rum“, so Eisenack.

Ganz generell stellt er klar: „Die Entwicklung aller Corona-Impfstoffe ist eine großartige wissenschaftliche Leistung. Und allen Skeptikern kann ich nur sagen: Es gab bei noch keinem Impfstoff zuvor eine so lange Phase-Drei-Studie.“ Es handle sich also definitiv nicht um einen Schnellschuss. „Die Anzahl der Patienten, an denen zum Beispiel der Biontech-Pfizer-Impfstoff getestet wurde, war doppelt so groß, wie standardmäßig vorgegeben“, erklärt Jens Eisenack.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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