Akin Yilmaz-Neuhaus hält eine Ampulle AstraZeneca in der Hand, deren Haltbarkeit im August abläuft. Dann muss auch sie entsorgt werden. © Nils Dietrich
Kommentar

Impfstoff landet in der Tonne: Das ist eine Schande für uns alle!

Ein Arzt aus Ahaus muss Impfstoff wegwerfen, weil sich nicht genug Impfwillige finden lassen – mitten in einer schweren Pandemie. Das ist unfassbar, kommentiert unser Redakteur Nils Dietrich.

Erinnern Sie sich noch an das Frühjahr? Tausende infizierten sich mit dem Coronavirus, die Intensivstationen der Krankenhäuser waren der Überlastung nahe. Viele Menschen versuchten irgendwie einen Impftermin zu bekommen – und setzten dabei auch die Ellenbogen ein.

Die Zeiten der Impfvordrängler sind vorbei. Dafür haben wir ein neues Problem. Der Ahauser Arzt Akin Yilmaz-Neuhaus machte am Donnerstag ein besonderes Angebot: Einfach vorbeikommen und sich den Pieks abholen – kein Termin nötig. Das galt auch für Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren.

Viel einfacher geht impfen nicht. Am Ende des Tages aber musste das Team sogar angebrochenen Impfstoff wegschmeißen, weil nicht genug Impfwillige kamen. Der Internist nennt das eine „ethische Schande“ – und er hat damit vollkommen recht.

Wir schmeißen Impfstoff weg, weil manche Eltern am Donnerstag nur ihren Nachwuchs, aber nicht sich selbst immunisieren lassen wollten. Es reiche ja, wenn das Umfeld über den Schutz verfüge, so die Begründung.

Diese ichbezogene Denkweise ist nicht nur unsozial, sie ist gefährlich. 56 Prozent der Bevölkerung im Kreis Borken sind vollständig geimpft. Das reicht nicht für die Herdenimmunität, die wir brauchen, um unser altes Leben zurückzubekommen. Eine Schande!

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