Serie: Corona und ihre Folgen

Im Frühjahr waren Schutzmasken knapp, jetzt sind es Einmalhandschuhe

Im vierten Teil der Serie vergleicht Matthias Wittland, Vorstand für das Ressort Pflege beim Caritasverband Ahaus-Vreden, das Geschehen im Frühjahr mit der aktuellen Lage.
Latexhandschuhe gehören zu den Waren, die bei der Caritas knapp geworden sind. © dpa

Es war der 12. März letzten Jahres, an dem das Coronavirus für einen Wendepunkt in der Arbeit von Matthias Wittland sorgte. „An dem Tag hatte ich nachmittags einen Termin in Heek. Als ich danach ins Büro zurückkehrte, kamen die ersten Mails, in denen die Schließung der Altenheime verkündet wurde.“

Die größte Herausforderung bestand für den Vorstand für das Ressort Pflege beim Caritasverband Ahaus-Vreden darin, mit der Ungewissheit klarzukommen, so der Caritasverband in einer Pressemitteilung. „Heute gibt es für verschiedene Situationen Verordnungen und Handlungsanweisungen. Im Frühjahr gab es zunächst gar nichts. Es war eine bis dahin völlig unbekannte Situation.“

Lockdown offenbart Vorgänge

Es galt, viele Entscheidungen auf die eigene Kappe zu nehmen. Der Lockdown zeigte, dass etwas im Gange ist. „Als vor Ostern erste Bewohner in unserem City-Wohnpark in Gronau in Zusammenhang mit Corona verstarben, da war die Befürchtung groß, dass sich das Virus wellenartig ausbreiten könnte und viele erkranken.“

Die Lage war extrem angespannt. Der Einkauf von Masken, Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung gestaltete sich äußerst schwierig. „Wir hatten nur geringe Vorräte, gleichzeitig traf uns der Bedarf in unseren Einrichtungen mit voller Wucht.“ Der Caritasverband bildete deshalb frühzeitig den zentralen Einkauf. Das Problem: Auf dem Markt gab es zunächst nur Kleinstmengen.

Hohe Nachfrage und hohe Preise

Heute steht Material zur Verfügung, um drei bis vier Wochen vorausschauen zu können. Ein großes Problem sind aktuell allerdings Einmalhandschuhe, die unter anderem für Testabstriche gebraucht werden. „Vor der Krise kostete eine Packung mit 100 Stück rund drei Euro, mittlerweile sind es bis zu 15 Euro.“ Bezahlbar sind hingegen Schutzmasken geworden.

Es werde von der Politik erkennbar mehr Arbeit und mehr Verantwortung auf die Pflege übertragen. „Uns beschäftigt die Frage, ob die Luft reicht, ob wir bei der Bekämpfung des Virus über die Runden kommen.“ Die ohnehin schon dünne Personaldecke ist durch die Corona-Pandemie weiter geschwächt worden. „Bei unseren Mitarbeitern ist zudem die ständige Sorge im Kopf, dass sie das Virus in die Einrichtungen oder die Familie tragen.“

Unvorbereitete Entscheidungen

Einen Bruch sieht der Caritas-Verantwortliche im Vorpreschen der NRW-Landesregierung kurz vor Muttertag. Da habe NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann die Öffnung der Pflegeheime verkündet – „die in dieser Form für alle völlig unvorbereitet kam“. Die Verordnung des Landes kam einige Tage später – und wich zudem in einigen Punkten von der Erklärung des Ministers ab.

Dazu zählt Matthias Wittland auch das Vorgehen bei der Pflegeprämie. „Es hat Monate gedauert, bis klar war, wer sie finanziert. Allein das zeigt, dass etwas nicht passt im System. Die Lufthansa bekam ihre neun Milliarden deutlich schneller.“

Ansätze und leere Worte

Ob der Pflegebereich nach der Corona-Krise tatsächlich besser dasteht? Matthias Wittland wünscht es sich, doch er hat daran Zweifel. „Ich bin seit über 30 Jahren in diesem Bereich tätig. Es hat immer wieder Ansätze gegeben, die Pflege in Krisenzeiten zu unterstützen.“

„Diesmal wurde geklatscht und es gab die Pflegeprämie. Die aktuelle Umsetzung von Verordnungen zu Lasten der in der Pflege Arbeitenden zeigt mir aber, dass von der ursprünglich geäußerten Wertschätzung tatsächlich nur Worte übriggeblieben sind.“

Rückkehr zur Normalität kaum möglich

Mit Veränderungen rechnet der Pflege-Vorstand hingegen in den Einrichtungen der Altenhilfe. Eine Rückkehr zur „alten Normalität“ kann sich Matthias Wittland nur schwer vorstellen.

Durch die Corona-Pandemie seien so viele hygienische Voraussetzungen wichtig geworden, dass ein Teil davon bleiben werde. „Ich glaube, dass sich die klassische Wohnsituation künftig wieder anders darstellen wird. Zudem wird die Pandemie bei allen Beteiligten Spuren hinterlassen“, vermutet Matthias Wittland.

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