Auf dem Marienplatz spielten sich zu nächtlicher Stunde am 10. November 2019 schlimme Szenen ab. © Markus Gehring
Raubüberfalle

Horrornacht in Ahaus: „Uns haben vermummte Männer verfolgt!“

Die Nacht zum 10. November 2019 wurde für zwei Männer in Ahaus zum Horror. Nacheinander wurden sie hinterrücks und brutal überfallen. In beiden Fällen sollen es dieselben Täter gewesen sein.

Zwei junge Männer schlendern über den Marienplatz in Ahaus. Es ist 2 Uhr nachts im November 2019. In einigem Abstand folgen ihnen zwei Maskierte. Kapuze und Schal verhüllen die Gesichter. Dann geht alles ganz schnell. Die Maskierten rennen los, prügeln einen der jungen Männer zu Boden und schlagen seinen Bekannten in die Flucht.

Die Maskierten lassen erst von ihrem Opfer ab, als sie merken, dass dessen Geldbörse leer ist. Nach zahlreichen Tritten gegen Kopf und Oberkörper trägt der junge Mann Prellungen und Hämatome davon. Doch damit war für ihn der Horror noch nicht überstanden.

Insgesamt drei Männer angeklagt

Für den Überfall müssen sich zwei Männer (18/24) aus Ahaus vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster verantworten. Im Mammutprozess ist zudem ein 27-jähriger Ahauser angeklagt. Insgesamt müssen sich die drei Männer für zahlreiche Gewalteskapaden mit zum Teil schlimmen Folgen für die Opfer verantworten.

Am zweiten Verhandlungstag standen der Raubüberfall auf dem Marienplatz und ein vermeintlicher Handyraub in Wüllen im Mittelpunkt. Beide Überfälle trugen sich in der Nacht zum 10. November 2019 zu. Zwischen beiden Taten liegen laut Anklage mal gerade rund zwei Stunden.

Die Angeklagten schweigen sich aus

Und wie schon am ersten Verhandlungstag schwiegen sich die Angeklagten aus. Auch ihre Pflichtverteidiger sagten wenig bis gar nichts. Stattdessen suchten die drei angeklagten Männer immer wieder den Blick zu den Zuschauern. Etliche Familienangehörige verfolgten den Prozess. Rund ein Dutzend Zeugen sagten aus.

Zurück zur Novembernacht. An viele Details konnte sich der Geschädigte im Moment des Überfalls nicht erinnern. „Uns haben vermummte Männer verfolgt, ich habe sie noch angesprochen, dann ging alles so schnell.“ Er habe es während der Prügel noch so gerade geschafft, seine Geldbörse zu zücken und den Angreifern hinzuwerfen.

Die Täter kommen zur Wohnung

Nachdem sich diese aus dem Staub gemacht hatten, sind der Geschädigte und sein mittlerweile zurückgekehrter Bekannter in die nahegelegene Wohnung geflüchtet. „Und im Stress habe ich wohl vergessen, die Hauseingangstür richtig zu verschließen.“

Etwas, dass sich die Täter zunutze machten. Sie kamen wenig später in das Haus und hämmerten gegen die Wohnungstür. „Was wollten sie?“, hakte der vorsitzende Richter nach. „Sich entschuldigen“, so der Geschädigte. Warum die Angreifer wussten, wo der junge Mann wohnt und wie er heißt, blieb unklar.

Einen Angreifer eindeutig identifiziert

Fakt ist: Der Geschädigte öffnete die Tür aus Angst nur einen Spalt. „Sofort haben die beiden Männer dagegen gedrückt“, sagt er aus. Nur mit Hilfe seines Bekannten habe er es geschafft, die Tür wieder zu schließen. Dabei will der Geschädigte den 18-jährigen Angeklagten einwandfrei erkannt haben.

„Er hatte keine Maskierung mehr. Ich konnte sein Gesicht genau sehen.“ Etwas, dass dem Angeklagten im Saal nur ein spöttisches Lächeln abrang. Übrigens zündeten die Angeklagten im Hausflur dann noch eine Korkpinnwand an. Etwas, das laut Aussage eines Polizeibeamten durchaus einen größeren Brand hätte auslösen können.

Auch ein Raubüberfall in Wüllen

Zeit- und Ortssprung. Wüllen. Dieselbe Nacht nur zwei Stunden früher. Gegen Mitternacht verlässt ein 28-jähriger Mann die Gaststätte Höstenpumpe und läuft die Lange Straße entlang. Nach eigener Aussage alles andere als nüchtern. Dabei schreibt er noch Kurznachrichten auf seinem hochwertigen Handy.

Dann bekommt der 28-Jährige unvermittelt von hinten einen Schlag gegen den Kopf, stürzt und lässt sein Handy fallen. Geistesgegenwärtig schützt er seinen Kopf und sieht nach eigener Aussage einen Mann davonrennen. Ob mit oder ohne das Handy ist unklar. Dieses ist bis heute verschollen.

Geschädigter war stark betrunken

„Ich habe kurz davor noch zwei Männer ganz in der Nähe stehen sehen“, so der Geschädigte. Er habe sich diese jedoch nicht näher eingeprägt. Laut Staatsanwaltschaft soll es sich bei diesen Männern, um die Angeklagten (18/24) handeln. Jene Männer, die nur zwei Stunden später in Ahaus erneut zugeschlagen haben sollen.

Problem: Der Geschädigte aus Wüllen konnte dem Richter nicht beantworten, ob an dem Überfall auf ihn eine oder zwei Personen beteiligt waren. Ob es am Stress oder dem laut Gericht hohen Alkoholwert (1,7 Promille) lag, ist unklar. „Der junge Mann war jedenfalls sichtlich aufgelöst und mitgenommen“, sagte ein Polizist im Zeugenstand. Eine Bekannte des Geschädigten hatte noch in derselben Nacht die Polizei verständigt.

Die Verhandlung gegen die drei Angeklagten wird am 12. Februar fortgesetzt. Die Beweisaufnahme ist noch nicht geschlossen. Dennoch werden für den dritten Verhandlungstag Plädoyers und Urteile erwartet.

Über den Autor

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.