Im Baugebiet Hoher Kamp West drehen sich die Baukräne. Auf den Baustellen wird unter Hochdruck gearbeitet. Eigener Wohnraum ist in Ahaus und den Ortsteilen heiß begehrt. © Stephan Rape
Sozialausschuss

Hohe Mieten, wenig sozialer Wohnraum und keine Lösung in Sicht

Die Mieten in Ahaus steigen. Gleichzeitig gibt es auch hier immer weniger sozialen Wohnraum. Die Verwaltung sieht nur wenige Möglichkeiten, einzugreifen.

Die Mieten in Ahaus steigen. Gleichzeitig wird immer weniger preisgebundener, sogenannter sozialer Wohnraum geschaffen. Im Ausschuss für Soziales und Arbeit, Familien und Senioren kochte das Thema am Mittwochabend hoch. Gleichzeitig ging es wieder einmal um neue Pläne für alte Wohngebiete.

Michael Bethmann vom Fachbereich Arbeit und Soziales der Stadt Ahaus betonte, dass es sich dabei nicht speziell um ein Ahauser Problem handele. „Wir sind da keine Insel. Der soziale Wohnungsbau ist in ganz NRW zusammengebrochen“, erklärte er. Gleichzeitig seien bundesweit die Mieten angestiegen.

Ahaus im Vergleich mit Umgebung auf Spitzenplatz

Ahaus nimmt im Vergleich mit den Nachbarstädten eine Spitzenposition ein: „Es ist hier nicht so schlimm wie beispielsweise in Münster, aber die Mieten sind in Ahaus deutlich höher als in der Umgebung“, machte er deutlich. Bis 8,50 Euro pro Quadratmeter bei Neuvermietungen und teilweise bis zu sieben Euro bei Wiedervermietung seien keine Seltenheit. Damit liegen sie rund zwei Euro pro Quadratmeter höher als in den Nachbargemeinden und erreichen ein Niveau wie in Borken oder dem „Speckgürtel“ rund um Münster. In den vergangenen zehn Jahren seien die Nettokaltmieten in Ahaus um 26 bis 35 Prozent gestiegen.

Das führe zwar gleichzeitig dazu, dass neue Wohnungen gebaut würden. „Aber wir müssen uns fragen, ob das Richtige gebaut wird“, sagte Michael Bethmann. Denn preisgebundene Wohnungen würden kaum gebaut.

Frei vermietete Wohnungen sind profitabler

Das Problem: Der Bau von preisgebundenem, sozialem Wohnraum ist nicht so profitabel wie frei vermietete Wohnungen. „Das ist einfach ein schlechteres Investment“, erklärte Michael Bethmann. Für eine durchschnittliche Miete liegen pro Quadratmeter 2,60 Euro zwischen einer geförderten Wohnung und dem freien Markt.

Gleichzeitig müssten Bauherren bei geförderten Wohnungen einige Einschränkungen hinnehmen. Etwa was den Zuschnitt oder die Größe der Wohnungen angeht.

Stadt sieht zwei Grundstücken für sozialen Wohnungsbau vor

Die Stadt Ahaus möchte aktuell zwei Grundstücke – eins in der Kernstadt, eins in einem Ortsteil – für sozialen Wohnraum nutzen und bewirbt sie bei verschiedenen Interessenten. Wie Bürgermeisterin Karola Voß im Ausschuss erklärte, gebe es erste Anfragen von Interessenten. Konkreter seien die Pläne aber noch nicht. Die Möglichkeiten der Stadt seien aber auch sehr stark eingeschränkt.

Michael Bethmann machte aber noch eine andere Rechnung auf: Seit 2016 sei der Bestand an Wohnungen in der Stadt um 3,3 Prozent gestiegen. Die Bevölkerung sei gleichzeitig aber nur um 0,2 Prozent gewachsen. „Und in den nächsten 20 Jahren wird sie sinken“, erklärte er. Man müsse bei allen Planungen darauf achten, nicht heute die Leerstände von morgen zu errichten.

Wohnungen fallen aus der Preisbindung

Hanne Lange (UWG) wiederum ergänzte, dass bis 2030 rund 30 Prozent der aktuellen Wohnungen aus der Preisbindung fallen. „Da müssen wir als Stadt sehen, wie wir den Sozialwohnungs-Bau weiter fördern können“, sagte sie. Viel Zeit bleibe nicht.

Schon jetzt zahlt die Stadt für Bezieher von Arbeitslosengeld I oder II mehr als vorgesehen, wenn sie keine bezahlbaren Wohnungen finden. „Die Werte werden regelmäßig angepasst“, erklärte Michael Bethmann auf Nachfrage von Thomas Wittenbrink (CDU).

Neue Pläne für alte Wohngebiete

Der sachkundige Bürger Friedrich Gregory machte dann ein anderes Fass auf: Ob denn in der Stadt bekannt sei, wie viele Personen alleine in einem Haus wohnen würden. Wenn man bestehenden Wohnraum neu strukturiere oder Anreize und Beratung für Umbau biete, könne ja neuer Wohnraum geschaffen werden.

„Ein sehr sensibles Thema“, wie Bürgermeisterin Karola Voß es formulierte. Im Josefsviertel sei das vor Jahren versucht worden. Die Planungen hatten damals die Bewohner auf die Barrikaden gebracht. Sie befürchteten, dass ihr Eigentum überplant wurde. „Damals war die Stadt ja gut daran beteiligt, das Projekt in den Sand zu setzen“, warf Josef Korthues dazwischen. Natürlich sei so eine Idee höchstgradig schwierig.

„Damals war die Stadt ja gut daran beteiligt, das Projekt in den Sand zu setzen.“

Josef Korthues

Auch Romano Catanzariti (WLA), selbst Anwohner des Josefsviertels, erinnerte sich mit Schrecken an die Planungen. „Das war eine katastrophale Situation. Dennoch sei es klug, das Thema noch einmal konzeptionell anzugehen. Christiane Gottheil (FDP) schlug vor, eine Plattform mit Informationen anzubieten. „Der Rest muss freiwillig passieren“, erklärte sie.

Als neutrale Beratung könne es ein guter Ansatz sein, sagte auch Karola Voß. Sie will prüfen lassen, was möglich sei.

Die Mieten kamen auch beim neuen Mietspiegel noch einmal in den Fokus: Sie seien nicht so stark gestiegen wie andernorts, würden aber mittlerweile eine weitere Spanne umfassen: Es gehe auch nicht mehr nur um Erst- oder Wiedervermietung, sondern auch stärker um die Ausstattung der Wohnungen. Auch in Ahaus gebe es aber weiter Wohnlagen, die eher günstiger wären.

Henry Paul wirft Vermietern fehlende soziale Verantwortung vor

Henry Paul (Grüne) wagte eine steile These: Bei einigen Vermietern fehle es an sozialer Verantwortung. „Die nehmen so viel es geht“, sagte er. Deswegen forderte er einen qualifizierten Mietspiegel, der dann bindend wäre. Alles andere nutze nichts.

„Die Vermieter nehmen so viel es geht.“

Henry Paul

Das wiederum wollte Aloys Schmeing (CDU) so nicht stehen lassen: „Ich bin überzeugt, dass Münsterländer Eigentümer ihre soziale Verantwortung wahrnehmen“, hielt er dagegen. Auch der Beigeordnete Werner Leuker wurde deutlich: Ein Eigentümer könne selbstverständlich einen Marktpreis nehmen. Auch würde ein qualifizierter Mietspiegel – ein sehr aufwendiges Verfahren – Sinn und Kapazitäten übersteigen.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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