Der Plan "Modellkommune" fällt sprichwörtlich ins Wasser. Die Stadt Ahaus hat ihre Bewerbung zurückgezogen. Händler und Gastronomen sind dennoch zuversichtlich. © Stephan Rape
Keine Modellkommune

Händler und Gastronomen in der Innenstadt hoffen auf Lockerungen

Die Sonderlösung Modellkommune kommt nicht. Trotzdem sind die Händler in der Innenstadt zuversichtlich: Die Zahlen bessern sich ja auch so gerade und damit wächst die Hoffnung auf Lockerungen.

Die Stadt Ahaus hat am Freitag ihre Bewerbung als Modellkommune zurückgezogen. Und damit auch erst einmal die groß angelegten Pläne für Lockerungen der Coronamaßnahmen in der Innenstadt beerdigt.

Bürgermeisterin Karola Voß hatte deutlich bedauert, dass Ahaus nicht beweisen könne, wie man mit digitalen Möglichkeiten die Folgen der Pandemie bekämpfen könne. Gleichzeitig erklärte sie aber auch, dass das Projekt Modellkommune unter den neuen Vorzeichen keinen Sinn mehr ergebe.

Doch was sagen Ahauser Händler und Gastronomen zur Absage der Modellkommune? Die Stimmung am Montagvormittag ist positiv. Trotz der Absage.

Zahlen entwickeln sich auch so gerade positiv

Philipp Terhaar, Inhaber von Schuhmoden Held und frisch gewählter Vorsitzender des Ahauser Gewerbevereins, sieht die ganze Geschichte ziemlich abgeklärt: „Wirklich traurig sind wir nicht, dass die Modellkommune nicht klappt“, sagt er mit Blick auf die aktuellen Zahlen. Auch er bewertet die Bewerbung um die Modellkommune durchweg positiv: „Das Thema kam ja zu einer Zeit auf, als es extrem bescheiden aussah“, sagt er. Inzwischen gehe es aber auch so langsam zurück zur Normalität. „Es geht bergauf“, erklärt er.

Nach dem Blick auf die aktuellen Infektionszahlen sieht es auch Christian Fleer vom Juwelier Wichelhaus entspannt: „Die Modellkommune ist ja jetzt eigentlich obsolet“, sagt er. Die Zahlen im Kreis Borken würden sich schließlich sehr positiv entwickeln. Er hofft darauf, dass auch ohne das Projekt Modellkommune in den nächsten Wochen einige Beschränkungen fallen werden. Wie genau das aussehen könne, sei jetzt natürlich noch nicht abzuschätzen.

Bewerbung als Modellkommune hatte auch so positive Effekte

Trotzdem sieht er die Bewerbung als Modellkommune weiter positiv. „Das war anfangs eine gute Idee“, erklärt er. Eine Idee, die sich allerdings so wohl nicht umsetzen ließ. Er macht aber auch deutlich, dass schon die Bewerbung und die Zusage für Ahaus einen sehr positiven Effekt hatte. „Man hat über Ahaus gesprochen“, sagt er nicht ohne Lokalpatriotismus.

Petra Steingrube-Rittmann, Geschäftsführerin des Modehauses Steingrube, sieht das ähnlich. „Natürlich haben wir uns riesig gefreut, als es hieß, dass Ahaus Modellkommune wird“, erklärt sie. Und sie ist sich auch sicher, dass es für die Stadt ein tolles Projekt geworden wäre. Für die Händler in der Innenstadt bessere sich die Lage allerdings auch so gerade. „Die Zahlen entwickeln sich ja gerade sehr positiv“, sagt sie. Wenn das so weitergehe, sei dem Handel schon sehr geholfen. „Für die Gastronomie ist es natürlich bitter und sehr schade“, fügt sie dann noch hinzu.

Schlosscafé würde lieber gestern als morgen wieder öffnen

Das sieht auch Donato Masella, Inhaber vom Schlosscafé so. „Natürlich würde ich lieber gestern als morgen wieder öffnen“, macht er deutlich. Und er ist sich auch sicher, dass von der Modellkommune alle profitiert hätten. Aber genauso selbstverständlich stehe der Schutz für alle an oberster Stelle. „Wir müssen alle zusammenhalten“, sagt er.

Testen und Impfen würde in Ahaus ja schon super laufen. „Und das ist erst einmal die beste Lösung“, sagt er. Wichtig sei ihm aber, dass er halbwegs planen könne. „Es bringt ja nichts, wenn wir kurz öffnen dürfen, um dann nach wenigen Stunden wieder schließen zu müssen“, sagt er. Sobald er das „OK“ bekomme, würde er natürlich sofort wieder öffnen. „Wann das aber ist, mag ich nicht abschätzen.“

Viele Gründe sprachen für Rückzug der Bewerbung

Für den Rückzug der Bewerbung hatte die Stadt am Freitag eine ganze Reihe von Gründen angeführt: Einerseits seien aus Sicht der Stadt die Anforderungen an das Projekt zu groß geworden. Das Land NRW wollte beispielsweise Kontrolleure an den Zugängen zur Innenstadt postieren, um dort die Passanten zu überwachen.

Gleichzeitig hatten die Landesministerien auch einige Freiheiten, die für die Innenstadt angekündigt wurden, schon wieder gestrichen, bevor das Projekt Modellkommune an den Start ging. Noch ein Punkt war der Blick über die Grenze: Dort liegt die Sieben-Tage-Inzidenz noch weit jenseits aller deutschen Grenzwerte.

Das Land NRW forderte daher, dass die Modellkommune erst starten dürfe, wenn auch die niederländische Inzidenz mindestens unter der Grenze von 200 liegt.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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