„Gute Qualität“: 25-jähriger Ahauser kaufte spontan Drogen für 2400 Euro

dzGerichtsprozess

Mit einem halben Kilogramm Marihuana im Kofferraum wurde ein 25-jähriger Ahauser an der Grenze erwischt. Vor Gericht gab er an, es habe sich um einen Spontankauf für den Eigenverbrauch gehandelt.

Ahaus

, 23.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

War er der drogenabhängige Familienvater, der eine Dummheit begangen hatte? Oder war er ein gewiefter Drogenhändler, der das Unschuldslamm spielte? Ganz sicher konnte sich der Richter am Ende nicht sein. Sicher ist nur, dass ein 25-jähriger Ahauser am 22. Oktober 2019 den Grenzübergang Besslinghook in Alstätte passierte. Im Kofferraum seines BMW lag ein halbes Kilogramm Marihuana. Zollbeamte entdeckten das Rauschgift bei einer Straßenkontrolle.

„Nur für den Eigenbedarf eingekauft“

Der 25-jährige Einzelhandelskaufmann aus Ahaus leugnete das am Dienstag vor dem Schöffengericht in Ahaus auch gar nicht. Er sei an jenem Tag nach Enschede gefahren, um 50 Gramm Marihuana für den Eigenbedarf kaufen. Seit fünf Jahren rauche er Joints, anfangs nur unregelmäßig. „Aber letztes Jahr hatte ich Stress in meinem Beruf und mit einem zusätzlichen Nebenjob. Und die Schwangerschaft meiner Frau war sehr schwierig.“ Da habe er täglich drei bis vier Gramm Marihuana konsumiert.

An jenem Tag vor einem Jahr in Enschede habe er einen spontanen Entschluss gefasst: „Das Marihuana hatte eine sehr gute Qualität. Da habe ich leider arg viel mitgenommen.“ 500 statt 50 Gramm. Bezahlt habe er dafür 2400 Euro. Der Stoff hätte für vier Monate Eigenbedarf gereicht, errechnete der Richter.

Geldgeschenke zur Geburt des Kindes im Portemonnaie

Aber der Richter wunderte sich auch. „Sie haben rein zufällig so viel Bargeld bei sich?“ Immerhin hatte der Angeklagte auch nach dem Kauf der Drogen bei der Zollkontrolle noch über 1000 Euro im Portemonnaie. Der Angeklagte erklärte das so: „Ich habe damals oft soviel Bargeld in der Tasche gehabt. Unser Kind war gerade geboren, da gab es viele Geldgeschenke.“

Dem Richter blieben Zweifel. „Es fällt mir schwer, zu glauben, Sie haben die Drogenmenge spontan für den Eigenbedarf gekauft. Die Menge liegt an der Grenze der Glaubwürdigkeit.“ Andererseits ergaben die nach dem Drogenfund durchgeführte Hausdurchsuchung beim Angeklagte und die Auslesung seines Handys keine Hinweise auf einen Handel mit Drogen.

Da der Angeklagte sich bislang nichts hat zu Schulden kommen lassen und weil er voll geständig war, verhängte das Schöffengericht eine einjährige Haftstrafe wegen der Einfuhr und des Besitzes einer nicht geringen Menge Drogen. „Auch das ist eine schwere Straftat. Die Strafe wird für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte steht in dieser Zeit unter Aufsicht eines Bewährungshelfers und muss 100 Sozialstunden ableisten. Außerdem verpflichtete ihn das Schöffengericht zu einer ambulante Drogentherapie.

Lesen Sie jetzt

Das Grenzland Sanitätshaus organisiert eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Amputationen. Geleitet wird sie von Stephan Berendsen. Er ist Prothesentechniker und Betroffener zugleich. Sein Ziel: Das Von Johannes Schmittmann

Lesen Sie jetzt