Graeser Landwirte zwischen Protest und Profilpflege

dzLandwirtschaft

Proteste haben die Arbeit der Graeser Landwirte im vergangenen Jahr mitbestimmt. Bei ihrer Generalversammlung ging es aber auch um ein neues Image und die Zukunft der Landwirtschaft.

Ahaus

, 15.01.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In unsicheren Zeiten nehmen die Landwirte auch weite Wege in Kauf, um ihre Meinung zu vertreten. Die deutschlandweiten Bauernproteste haben das abgelaufene Jahr auch in Graes entscheidend mitbestimmt und die Landwirte enger zusammengeschweißt. So hat der Landwirtschaftliche Ortsverein seine Generalversammlung auch in einem ungewöhnlich gut gefüllten Saal Elkemann abgehalten.

„Wir haben ein schwieriges Jahr hinter uns mit hohen Kosten, gerade auch für die Bullenmäster. Ackerbaulich sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, fasste Heinrich Blommel, Vorsitzender der Graeser Landwirte, die vergangenen zwölf Monate zusammen.

Traktor-Trecks und Mahnfeuer

„Das Highlight waren unsere vielen Demos“, so Blommel. Er erinnerte an Protestfahrten nach Münster, Bonn, Hamburg oder Berlin, bei denen bis zu 30 Schlepper und noch mehr Graeser Landwirte aktiv waren. „Das war eine Klasse Veranstaltung. Das werde ich wohl nie vergessen und auch alle, die da mit dabei waren“, sagte er.

Auch der Traktor-Treck nach Bonn war erfolgreich. „Wir sind mit 40 Personen in Bonn gewesen, denn Münster kannten wir ja schon. 22 Stunden sind die Schlepper unterwegs gewesen“, beschrieb der Ortsvorsitzende den unermüdlichen Willen seiner Kollegen, etwas zu verändern. Auch mit Sternfahrten, einem Flash Mob und einem Mahnfeuer hatten die Landwirte auf sich aufmerksam gemacht.

Gespräch mit Umweltministerin

Von einem kleinen Erfolg beim Protest in Telgte wusste Martin Kortbuß zu berichten. „Wir konnten uns 50 Minuten mit Umweltministerin Svenja Schulze unterhalten, obwohl sie nur 30 zugesagt hatte“, so Kortbuß.

Die Landwirte überreichten der Politikerin bei dieser Gelegenheit ein Thesenpapier. „Wir waren zwar nicht einer Meinung, als wir auseinandergegangen sind“, räumte der Landwirt ein, „aber wenn wir weiter beharrlich sind, dann ändern wir ihre Meinung“.

Werbung für die Landwirtschaft

An besserer Sichtbarkeit in der Gesellschaft arbeiten die Graeser Landwirte seit Längerem. Nun geht es auch um die positive Außenwahrnehmung. Mit gutem Beispiel geht Dirk Nienhaus voran. Der Bocholter Agrarblogger zeigte den Zuhörern, wie Tradition und Digitalisierung zusammen funktionieren können und gleichzeitig für die Landwirtschaft werben.

Die aktuelle Kampagne „Landwirtschaft mag doch jeder“ der Westfälischen Landwirtschaftskammer nahmen die Anwesenden hingegen eher verhalten auf. „Ihr werdet nicht drum herumkommen, dass ihr da mitmacht. Die andere Seite lacht sich tot über euch, weil ihr denen kampflos das Feld überlasst“, warnte Jörg Sümpelmann von der WLV-Geschäftsstelle Borken.

Breitbandausbau schreitet voran

Gute Nachrichten brachten Ortsvorsteher Christian Rudde und die stellvertretende Bürgermeisterin Maria Woltering aus dem Rathaus mit. „280.000 Euro fließen aus dem Haushalt in die Renovierung landwirtschaftlicher Wege“, berichtete Rudde. Auch ein neues Wegekonzept sei in Planung.

Und: „Euer Protest wird wahrgenommen, und zwar auf allen Parteiebenen. Ich kann euch nur ermutigen, macht weiter“, so der Ortsvorsteher. Maria Woltering machte Hoffnung für die Digitalisierung im Außenbereich. 2020 sollen 870 neue Hausanschlüsse und 580 Kilometer Leerrohre verlegt werden. Die Stadt Ahaus beteiligt sich mit 1,5 Millionen Euro an der Gesamtsumme.

„Ich wünsche mir ein schönes Ackerjahr, wo es passend regnet und für die Schweinebetriebe, dass die Schweinepest unter Kontrolle gebracht wird“, schloss Heinrich Blommel die Versammlung.

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