Glück und Leid Tür an Tür

Ahaus Die stolze junge Mutter hält ihr Kind, streicht mit der Hand über die Füßchen, die noch zu klein sind, eigene Schritte ins Leben zu gehen. Nur ein paar Zimmer weiter lautet die Diagnose Brustkrebs und die bange Frage steht im Raum: Wie kann das Leben weiter gehen? In der Krankenhausabteilung von Dr. Wilhelm Steinmann liegen Glück und Leid Tür an Tür.

10.07.2008, 17:51 Uhr / Lesedauer: 1 min

<p>Der Weg ins Leben beginnt für rund 530 Kinder jährlich im Ahauser Krankenhaus. dpa</p>

<p>Der Weg ins Leben beginnt für rund 530 Kinder jährlich im Ahauser Krankenhaus. dpa</p>

"Unsere Arbeit könnte kaum weiter gefächert sein", sagt Steinmann. "Manchmal liegen nur Minuten zwischen der beglückenden Freude über neues Leben und der Notwendigkeit, eine schlechte Nachricht zu überbringen, die die Lebensplanung von Frauen radikal durchkreuzt." Gerade bei Krebserkrankungen sei der Arzt nicht nur als Operateur gefordert, sondern als ganzer Mensch. Es gelte, die Patientin bei der Hand zu nehmen, sie durch eine schwierige Zeit zu begleiten und deutlich zu machen, dass es ein Leben nach dem Krebs gebe. Steinmann selbst kommt dabei ein Psychologiestudium zugute, dass er vor seinem Medizinstudium in den USA absolvierte. Der gebürtige Hannoveraner übernahm vor neun Jahren die Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Ahaus.

1000 bis 1200 Frauen werden hier jährlich stationär aufgenommen, davon rund 530 wegen einer bevorstehenden Geburt. Zusätzlich bewältigen Steinmann, zwei Oberärzte und sechs Assistenzärzte 400 bis 500 ambulante Operationen im Jahr. Deren Zahl hat sich in einem Jahrzehnt fast verzehnfacht. Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Geburten allerdings um 200 jährlich zurückgegangen. Steinmann: "Die allgemeine Entwicklung geht auch am Münsterland nicht vorbei."

Es gebe aber auch viele positive Veränderungen: "Der Frauenwille hat heute mehr Gewicht, zum Beispiel beim Wunsch nach einem Kaiserschnitt. Außerdem begleiten wir in Zusammenarbeit mit GKF (Gesundheit für Kind und Familie) junge Eltern vor und nach der Geburt viel intensiver als früher." Der wichtigste Schritt in die Zukunft sei aber die Anerkennung als Brustzentrum gewesen. "Damit weisen wir nach, dass wir auch in der Provinz Kompetenz und topmedizinische Qualität bieten." gro

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