Sebastian Stein (39), Geschäftsführer von Getränke Stein in Wüllen, mag nicht klagen, fühlt sich mit seinem Familienbetrieb aber trotzdem mit dem Rücken an der Wand. Er hofft darauf, dass im kommenden Jahr zumindest kleinere Feiern wieder möglich werden. © Stephan Rape
Getränkehandel

Getränke Stein hofft, dass zumindest kleine Feste 2021 möglich werden

Die fehlenden Veranstaltungen in diesem Jahr belasten auch den Getränkevertrieb. Sebastian Stein aus Wüllen hofft, dass 2021 zumindest im kleinen Kreis gefeiert wird. Sonst wird es finster.

Vom aktuellen Lockdown bleibt der Getränkemarkt Stein in Wüllen weitgehend verschont. Der Getränkemarkt darf weiter öffnen, Kunden können weiter einkaufen, auch der Lieferdienst des Unternehmens läuft. Dennoch klafft durch die Corona-Krise ein großes Loch in der Finanzplanung von Geschäftsführer Sebastian Stein: Familienfeste, Veranstaltungen und Großveranstaltungen sind dieses Jahr ja schon weitgehend flachgefallen. Gut ein Drittel des Umsatzes fehlt.

Eins schiebt er aber schnell hinterher: „Wir wollen nicht klagen. Anderen Einzelhändlern geht es bedeutend schlechter.“ Und natürlich sei die Gesundheit das Wichtigste. „Jeder kennt doch inzwischen einen Betroffenen im Familien- oder Bekanntenkreis“, sagt er. Dennoch stehe auch das Familienunternehmen Stein mit dem Rücken an der Wand. Ohne Hilfe werde wohl niemand aus der Branche auskommen, erklärt der 39-Jährige.

Große Feste sind wohl frühestens 2022 in Sicht

Den kompletten Bereich Gastronomie und Veranstaltungen hat er praktisch abgeschrieben. Große Feste wird es aus seiner Sicht wohl frühestens 2022 wieder geben. „Gar nicht mal, weil es vorher nicht erlaubt ist, aber wahrscheinlich, weil die Menschen auch erst wieder Vertrauen fassen müssen“, sagt er. Und ein großes Zeltfest wie zu Schützenfesten oder Karneval funktioniere schon wirtschaftlich nur, wenn das Zelt auch voll ist.

„So bitter es für uns selbst ist: Wir raten allen Vereinen, mit denen wir zusammenarbeiten, auf große Feste im kommenden Jahr zu verzichten.“ Auch die Vereine sähen das aber sehr realistisch. Das Risiko für großen Feiern sei auch nach einem Abflachen der aktuellen Infektionszahlen einfach noch viel zu hoch. Auch das sei natürlich für andere Anbieter, die noch stärker auf Veranstaltungen setzen, ein riesiges Problem.

Hoffnung für nächstes Jahr: Feiern im kleinen Kreis

Auf kleinere Veranstaltungen etwa im Familien- oder Nachbarschaftskreis hofft auch er hingegen dringend. Geburtstage oder Hochzeiten etwa. „Rein wirtschaftlich betrachtet bräuchten wir die relativ schnell“, sagt er. Auch da sei ihm aber klar, dass das noch dauern könne. Beispiel Weihnachten: Natürlich werde da überall nur im ganz kleinen Kreis gefeiert. Der Stephanustag, ein weiterer umsatzstarker Tag im Jahr, falle genauso aus wie große Silvesterfeiern.

Sein oberstes Ziel ist es nun, den Betrieb selbst am Laufen zu halten. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Mitarbeiter. „Da habe ich ja auch eine soziale Verantwortung“, erklärt Sebastian Stein. Zehn Mitarbeiter beschäftigt er. Einen musste er wegen der Krise vorerst kündigen. „Sobald die Situation es zulässt, hole ich den zurück“, sagt er

. In der Zwischenzeit versucht er, das Unternehmen digitaler aufzustellen. Etwa mit einem neuen Warenwirtschaftssystem.

Dabei bleibe ihm der persönliche Kontakt zu den Kunden wichtig. „Wir werden nie auf rein digitale Angebote setzen“, sagt er. Gerade der Lieferdienst helfe im Moment besonders stark. Weil sich Lieferant und Kunden eben kennen – und auch den persönlichen Kontakt schätzen.

Optimismus behalten und für Kunden da sein

Für ihn geht es nun erst einmal darum, irgendwie den Optimismus zu behalten. „Die Krise haben wir ja nicht selbst verschuldet, weil wir selbst schlecht gewirtschaftet haben. Wir glauben an unser Geschäftsmodell“, gibt er sich zuversichtlich. Nur die äußeren Bedingungen müssen dafür eben wieder stimmen.

Positiv stimmt ihn die Resonanz aus der Kundschaft. Egal ob im Laden oder im Lieferdienst an der Haustür. „Der lokale Einzelhandel braucht die Unterstützung vor Ort“, sagt er. Das funktioniere in Wüllen und auf den Liefertouren in ganz Ahaus, Wüllen, Heek und Nienborg sowie Stadtlohn sehr gut. „Unsere Kunden kennen wir teilweise ja schon seit 60 Jahren. Manche beliefern wir in der dritten Generation“, erklärt er. Man kenne und schätze sich. „Das ist unser Vorteil als lokaler Player“, macht er weiter deutlich. Ganz gleich ob es sich dabei um Senioren im Privathaushalt, Büros, Kindergärten oder Behinderteneinrichtungen in der Stadt handele.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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