Getränke Grünewald hofft auf Lockerungen: „Verhältnismäßigkeit wahren“

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Die Corona-Krise trifft Getränke Grünewald aus Ahaus hart. Im April wurde nicht ein Fass Bier verkauft. Nun hofft man, dass Auflagen für die Gastronomie zeitnah gelockert werden.

Ahaus

, 05.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich wäre für „Getränke Grünewald“ jetzt Hochbetrieb angesagt. Die Schützenfest-Saison stünde in den Startlöchern, das Ahauser Stadtfest in drei Wochen vor Tür genauso wie zahlreiche Hochzeiten und Geburtstagsfeiern. „Der Sommer ist unser Hauptgeschäft, hier findet ein Großteil der Veranstaltungen statt, die wir beliefern“, erklärt Janina Grünewald, die beim Ahauser Getränkehändler für das Marketing zuständig ist.

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Doch statt des sonst üblichen Trubels herrscht auf dem Gelände im Industriegebiet eher ein ruhiges Treiben. „Wir haben schon zu Beginn der Corona-Krise ein Zwei-Schicht-Modell eingeführt. Wir wechseln uns wochenweise ab, arbeiten also täglich nur mit 50 Prozent unserer Belegschaft“, erklärt die 27-Jährige. Auch von der Geschäftsführung arbeitet immer einer aus dem Home Office. Das hat zwei Gründe.

Weniger Aufträge und Infektionsrisiko minimieren

Zum einen soll so das Infektionsrisiko minimiert werden. „Damit nicht sofort die ganze Firma ausfällt, wenn einer an Covid-19 erkrankt“, sagt Bernd Stichling, geschäftsführender Gesellschafter bei Getränke Grünewald. „So bleiben wir immer handlungsfähig.“

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Zum anderen ist der Umsatz seit Beginn der Corona-Pandemie rapide eingebrochen. Von etwas mehr als 50 Prozent ist die Rede. Geschäftsführer Hermann Grünewald erklärt: „Wir haben drei Standbeine. Zwei davon – die Gastronomie und die Veranstaltungen – sind komplett auf Stillstand.“ Vier prall gefüllte Ordner habe er gehabt, in denen jedes der über 100 Events detailliert aufgeführt war. „Doch dann kam ein Storno nach dem anderen.“

Absatz in Getränkemärkten leicht steigend

Dass der Betrieb derzeit nicht komplett ruht, ist dem dritten Standbein zu verdanken. Beliefert werden aktuell zum Beispiel noch Krankenhäuser, Tankstellen und der Einzelhandel. Positiver Effekt der Corona-Pandemie: In den hauseigenen Getränkemärkten ist der Absatz leicht steigend. „Gerade zum Beginn der Krise haben die Leute Wasserkisten gehortet. Dadurch kam es sogar zu einem Engpass beim Leergut“, sagt Ludger Grünewald.

Ein Foto aus besseren Zeiten: Bei der Gastro-Regio-West 2019 in Legden war auch Grünewald vertreten.

Ein Foto aus besseren Zeiten: Bei der Gastro-Regio-West 2019 in Legden war auch Grünewald vertreten. © Christian Bödding

Im Gegensatz zum Fassbier, das vornehmlich von Gastronomen bezogen wird, läuft auch der Verkauf von Flaschenbier sehr gut. „Die Leute trinken zu Hause seit dem Lockdown mehr Alkohol als sonst“, berichtet Janina Grünewald. Das könne aber nur einen Bruchteil des in anderen Bereichen verlorenen Umsatzes retten. Deshalb hofft man bei Getränke Grünewald zeitnah auf weitere Lockerungen.

„Betriebe gehen auf dem Zahnfleisch“

„Nicht nur für uns, sondern vor allem für die Gastronomen wäre das überlebenswichtig“, sagt Bernd Stichling. „Denn dort gingen einige Betriebe schon vorher auf dem Zahnfleisch. Wenn wir nicht aufpassen, werden viele gar nicht mehr wieder aufmachen können.“ Genau wie Stichling betont auch Ludger Grünewald, dass die Gesundheit im Vordergrund stehen müsse. Allerdings sagt der Geschäftsführer auch: „Am Ende müssen wir die Verhältnismäßigkeit wahren.“

Dass es nicht von heute auf morgen wieder losgehen kann, weiß er. Daher wünscht sich Ludger Grünewald einen schrittweisen Ausstieg aus den scharfen Corona-Beschränkungen: „Es ist ein Aussondierungsprozess. Wir müssen genau hinschauen, was geht und was nicht.“ Was nicht gehen wird, sind aller Voraussicht nach Großveranstaltungen jeder Art. Da sind sich am Tisch alle weitgehend einig. „Wenn man optimistisch ist, könnten die Weihnachtsmärkte die ersten Events sein, die wieder erlaubt sind“, sagt Bernd Stichling.

Ahauser Traditionsunternehmen gibt sich kämpferisch

Auch wenn die Corona-Krise Getränke Grünewald hart trifft, gibt man sich beim Ahauser Traditionsunternehmen kämpferisch. „Vom ersten Sturm fallen wir nicht um“, erklärt Ludger Grünewald. Allerdings weiß er auch: „Die Lage ist sehr ernst. Die Auswirkungen der Corona-Krise werden wir noch in fünf Jahren spüren.“ Noch seien die über Jahre aufgebauten Polster aber dick genug.

Nun gehen die Blicke erstmal auf die Konferenz von Bund und Ländern am Mittwochmorgen. „Ich hoffe, dass sie dabei endlich an die Gastronomie denken“, sagt der Geschäftsführer. „Denn die Vielfältigkeit in dieser Branche muss unbedingt erhalten bleiben. Doch aktuell hängen viele am seidenen Faden.“

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