Geschlossener Schlachthof: Ferkelproduktion kann nicht einfach stoppen

dzLandwirtschaft

Durch den geschlossenen Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück können tausende Schweine täglich nicht geschlachtet werden. Doch die Ferkel kommen weiter auf die Welt. Das führt zu Problemen.

Ahaus

, 08.07.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Ferkelproduktion ist die Zeit im Stall eng getaktet. Wird der Ablauf gestört, wie jetzt durch den geschlossenen Schlachthof der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück, kann das schnell Probleme verursachen.

Elf bis zwölf Wochen bleiben die Ferkel von der Geburt bis zum Abtransport beispielsweise im Stall von Familie Rewer in Barle. 270 Sauen leben dort in Gruppen zu etwa 40 Tieren. Jedes Tier bekommt im Schnitt 14 Ferkel, so dass immer rund 2000 Ferkel in den Ställen heranwachsen.

Franz-Josef Rewer (57) führt den Hof der Familie seit 1990. Seine Tochter Antonia (22) will ihn einmal übernehmen. Erstmal steht für sie jetzt aber die Ausbildung zur staatlich geprüften Agrarbetriebswirtin an.

Franz-Josef Rewer (57) führt den Hof der Familie seit 1990. Seine Tochter Antonia (22) will ihn einmal übernehmen. Erstmal steht für sie jetzt aber die Ausbildung zur staatlich geprüften Agrarbetriebswirtin an. © Stephan Teine

Eine Sau trägt im Schnitt 115 Tage. Wenn die Ferkel geboren sind, dauert es elf bis zwölf Wochen, bis sie die 30 Kilo-Grenze erreicht haben. Drei bis vier Wochen bleiben sie nach der Geburt bei der Mutter, dann werden sie voneinander getrennt. Die jungen Ferkel wachsen alleine weiter, die Muttertiere erholen sich und werden dann wieder besamt, sobald sie „rauschig“ werden. Der nächste Durchlauf beginnt.

Transporter kommt alle drei Wochen, um Ferkel abzuholen

Ziemlich genau alle drei Wochen kommt ein Transporter. Bei Familie Rewer ist das seit über 20 Jahren derselbe Mäster. „Mit dem arbeiten wir eng zusammen“, erklärt Franz-Josef Rewer.

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Genau diese enge Zusammenarbeit ist es auch, die im Moment dabei hilft, dass sich der Stau in seinem Stall noch in Grenzen hält. „Wir können normal liefern“, sagt er. Wegen der Schließung des großen Schlachthofs in Rheda-Wiedenbrück sieht das bei anderen Ferkelerzeugern ganz anders aus.

Stau im Schweinestall, weil weniger geschlachtet wird

Schweine können nicht geschlachtet werden, die Ställe bleiben voll, neue Schweine können von den Landwirten nicht untergebracht werden, die Ferkel bleiben auf den Höfen der Erzeuger. Doch die nächste Generation kann ja nicht aufgehalten werden. „Wenn die Sauen tragend sind, lässt sich so eine Geburt ja nicht mehr stoppen“, erklärt Franz-Josef Rewer.

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Blick in den Schweinestall von Franz-Josef Rewer in Barle

In seinem Betrieb sei sogar noch ein bisschen Spielraum vorhanden. „Da kann man mal eine Woche schieben“; erklärt er. Doch es gebe auch Betriebe, die im Wochenrhythmus arbeiten würden. „Da gibt es dann ganz einfach einen Stau“, erklärt er.

Kastenstände wie dieser sollen aus den Ställen verschwinden. Eine Übergangszeit von 15 Jahren bleiben den Landwirten dafür.

Kastenstände wie dieser sollen aus den Ställen verschwinden. Eine Übergangszeit von 15 Jahren bleiben den Landwirten dafür. © Stephan Teine

Deswegen sieht er den Lockdown in dem Betrieb in Rheda-Wiedenrbrück auch mit gemischten Gefühlen. Natürlich müssten dort die Gesetze eingehalten werden. Und natürlich müsse dort auch kontrolliert werden. „Aber mit einem Lockdown trifft man ja nicht nur den Schlachthof, sondern am Ende auch uns“, sagt er.

Landwirte hinterfragen Entscheidungen der Politik

So wie in diesem Fall gehe es der Landwirtschaft oft, bemängelt Franz-Josef Rewer: Politiker würden Beschlüsse fassen, ohne selbst je in einem Schweinestall gewesen zu sein. Beispiel Tierwohl: Schon jetzt haben die Tiere in seinen Ställen rund 20 Prozent mehr Platz als sie haben müssten. Bald müssen die Kastenstände, in denen die Muttertiere jetzt leben, abgebaut werden. „Ob das dann unbedingt mehr Tierwohl bringt, ist wieder eine ganz andere Frage“, sagt Franz-Josef Rewer.

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Er will nicht falsch verstanden werden, auch ihm sei an Tierwohl gelegen. Eben daran, dass es seinen Tieren gut geht. Doch er spürt auch den wirtschaftlichen Druck: „Wir beliefern einen Markt“, sagt er. Von dem Erlös müsse er mit seiner Familie leben. Doch Einzelhandel und Verbraucher seien nicht bereit, mehr zu zahlen. Aber zumindest gebe es nun Rechtssicherheit für die neuen Ställe. Und eine Übergangsphase. „Darauf kann man sich dann einstellen“, sagt der Landwirt.

Nächste Generation will den Hof einmal übernehmen

Mit Antonia Rewer (22) steht schon die nächste Generation für den Familienbetrieb bereit. „Ich will den Betrieb auf jeden Fall einmal übernehmen, trotz der politischen Unwägbarkeiten“, sagt sie. Darüber freut sich ihr Vater natürlich sehr. Ab August macht sie aber erst einmal ihre Weiterbildung zur staatlich geprüften Agrarbetriebswirtin.

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