Gericht kann Eklat nach Party nicht endgültig klären, weil die Angeklagten schweigen

Amtsgericht Ahaus

Nach einer Feier schlägt ein Nachbar zwei Jugendliche. Auch der Vater der 15-jährigen Gastgeberin sorgt für Ärger. Die Angeklagten schweigen, weil man sich per Handschlag geeinigt hatte.

Ahaus

, 20.08.2019, 17:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jugendliche feiern in einer Wohnung an der Bahnhofstraße. Die 15-jährige Tochter der Mieterin, eine inzwischen 16-Jährige aus der Nachbarschaft, sowie vier 18- und 19-jährige junge Männer. Klar ist, dass an diesem Abend in der Wohnung Alkohol getrunken und geraucht wird.

Als der 35-jährige Vater der 15-Jährigen davon erfährt, ruft er sie mehrfach an. Er lebt getrennt von der Familie, macht sich aber Sorgen um seine Tochter.

Besorgter Vater versucht Tochter mehrfach zu erreichen

Die nimmt dennoch nicht ab. Ihren Gästen sagt sie, dass sie nicht mit ihm reden wolle. Als die Jugendlichen schließlich gegen 6 Uhr die Wohnung verlassen, werden zwei von ihnen von einem Nachbarn geschlagen und gewürgt. Der Vater der 15-Jährigen schnappt sich einen der Jugendlichen und stellt ihn zur Rede.

Im Raum steht eine Anklage wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung. Denn auch die Eingangstür wird irgendwann im Laufe des Abends aus der Zarge getreten.

Beweisaufnahme zieht sich längere Zeit hin

Die Beweisaufnahme vor Gericht zieht sich: Die Angeklagten, der 35-jährige Vater und ein 25-jähriger Nachbar, lassen ihre Verteidiger erklären, dass sie keine Aussage machen werden. Der Nachbar verweigert auch Angaben zu Personalien und Einkommen.

Auch die 15-jährige Tochter sagt nichts. Ihre 16-jährige Freundin verstrickt sich in Falschaussagen. Sie habe nichts mitbekommen. Der Richter glaubt ihr nicht. Selbst sein Appell, dass sie Probleme bekomme, wenn sie vor Gericht bewusst lüge, bringt sie nicht zum Einlenken. Ihr droht nun ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage.

Junge Männer schildern einen ähnlichen Verlauf des Abends

Die vier jungen Männer schildern alle ungefähr den gleichen Sachverhalt: Sie hätten zu sechst ruhig zusammengesessen und Alkohol getrunken und Zigaretten geraucht. Die Angaben schwanken zwischen etwas Bier, Vodka und anderem Schnaps. Keiner sei richtig betrunken gewesen. Irgendwann habe dann der Vater der 15-Jährigen angefangen, seine Tochter anzurufen. Sie habe nicht abgenommen.

Dann habe jemand über Stunden Sturm geklingelt und an die Tür geklopft. Auch soll jemand versucht haben, auf den Balkon der Wohnung im ersten Stock zu klettern. Wer das war, können sie nicht sagen.

Junge Männer sollten die Wohnung nicht verlassen

Die 15-jährige habe ihnen aber geraten, in der Wohnung zu bleiben, weil sie sonst Ärger mit ihrem Vater bekämen. Sie hätten auch Angst gehabt. Laut seien sie nicht gewesen. Auch habe sich kein Nachbar beschwert. Gegen 6 Uhr hätten sie dann versucht, die Wohnung zu verlassen.

Vor der Tür habe dann der Vater einen der Jugendlichen am Kragen gepackt und laut auf ihn eingeredet. Was er gesagt haben soll, daran konnte sich niemand erinnern. Der Nachbar wiederum habe aus dem Nichts auf zwei der Jugendlichen eingeschlagen und sie auch gewürgt.

Die Angeklagten schweigen weiter. Die Vorwürfe gegen den Vater halten der Beweisaufnahme nicht stand. Er wird freigesprochen. Den Nachbarn spricht der Richter schließlich wegen einfacher Körperverletzung schuldig. Er muss eine Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu je 60 Euro bezahlen.

Beteiligte hatten sich einen Tag später per Handschlag geeinigt

Warum sie schweigen? Am Tag nach dem Eklat auf der Bahnhofsstraße hätten sie bereits ein klärendes Gespräch geführt. Die Opfer waren am Tag nach der Party mit Brüdern und ihren Vätern bei den Angeklagten erschienen und hätten die Sache per Handschlag aus der Welt geschafft. „In diesen Kreisen ja durchaus üblich“, sagt der Richter zwischendurch mit Blick auf den Migrationshintergrund der Beteiligten. „Ich hoffe, dass dort nun Ruhe einkehrt“, gibt er den Zeugen und Angeklagten nach Ende des Verfahrens noch mit auf den Weg.

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