Generationenhof wird in der Höhe und der Anzahl der Wohnungen abgespeckt

dzGenerationenhof in Ahaus

Der „Generationenhof Schorlemer Straße“ wird nicht ganz so hoch, wie von den Nachbarn befürchtet. Auf die Dreigeschossigkeit wird zum Sunderhues Esch verzichtet. Und noch mehr ändert sich.

Ahaus

, 14.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Für den Gestaltungsbeirat ist es ein „herausragendes Projekt mit eindrucksvollem Konzept“. Für manche Anlieger ist es schlichtweg „ein Ding der Unmöglichkeit“. Die Rede ist vom geplanten „Generationenhof Schorlemer Straße“, an der Ecke Schorlemerstraße/Eichengrund. Investor Dr. Ralf Gerl plant dort nach neuestem Stand 21 Wohnungen in vier Gebäuden.

Bei der ersten Vorstellung der Pläne im Herbst 2018 waren es noch insgesamt 24 Wohnungen auf dem über 5000 Quadratmeter großen Grundstück. Doch einige Ausschusssitzungen, Ortstermine, eine Bürgeranhörung und Gespräche mit dem Architekten später, wurden Korrekturen vorgenommen – unter anderem bei der Gebäudehöhe.

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In der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung ging es am Donnerstagabend um die bei der Verwaltung eingegangenen Stellungnahmen. „Drei Dinge sind uns bei deren Bearbeitung aufgefallen“, erklärte Stadtplaner Walter Fleige und nannte drei Bereiche, zu denen vor allem Eingaben gemacht worden seien: ruhender Verkehr/Erschließung, die Dreigeschossigkeit und die Sorge, ob die Pläne das zeigen, was später auch tatsächlich gebaut werde.

Gebäudehöhe reduziert

Die Dreigeschossigkeit eines Gebäudes in Richtung der Straße Sunderhues Esch war der erste Knackpunkt, den Walter Fleige ansprach. Eine ursprünglich bis zu 11,95 Meter hohe Wohneinheit wird um gut vier Meter reduziert. Zwar hätten das die Architekten zunächst als Eingriff in ihre gestalterische Freiheit gesehen, doch seien Probleme mit der Einsicht in Nachbargärten nicht von der Hand zu weisen. „Blicke aus dem zweiten Obergeschoss sind in Ahaus sonst eher die Ausnahme und nicht die Regel“, sagte Walter Fleige. Rein rechtlich handele es sich für die Anlieger um eine Beeinträchtigung. „Die Frage ist, ob es sich um eine erhebliche Beeinträchtigung handelt.“ Die Planer hätten reagiert und ihren Entwurf korrigiert. Das im rückwärtigen Bereich geplante Gebäude sei nun im Durchschnitt etwa 8,50 Meter hoch. Walter Fleige: „Die Kritik der Anwohner war nicht nicht ganz unberechtigt.“

Parkplatz an der Schorlemerstraße

Der nächste Punkt betraf die Grundstückszufahrt und die geplanten Stellplätze. Der aktuelle Entwurf sieht vor, insgesamt 19 der 21 Parkplätze (je Wohnung einer) zu einer Stellplatzanlage an der Schorlemerstraße zusammenzufassen. Am Eichengrund sind bis zu sechs Besucherparkplätze geplant. Der große Parkplatz an der Schorlemerstraße soll so dimensioniert werden, dass in der Zufahrt Begegnungsverkehr möglich ist.

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Die Autos sollen – ohne rückwärts fahren zu müssen – in die Schorlemerstraße einfahren können. Reinhard Horst (FDP) sah Probleme durch die Nutzung des Eichengrundes als Parkraum. Dem entgegnete Walter Fleige, dass der Eichengrund von sechs auf sechseinhalb Meter verbreitert und als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen werden könne. Das Parken sei dann nur in markierten Flächen erlaubt „und unmissverständlich geregelt“.

Das alte Wohnhaus bleibt

Christian Rudde (CDU) berichtete von einem vor einigen Tagen stattgefundenen Treffen mit Anliegern und der Verwaltung vor Ort. „Bleibt das Altgebäude stehen?“ gab Rudde eine Frage der Anlieger wieder. Der Investor habe dies zugesichert und sich dazu gegenüber dem Alteigentümer verpflichtet, antwortete Walter Fleige. „Das ist schon eine Herausforderung, da ist einiges zu tun.“ Sollte das Gebäude tatsächlich abgerissen werden, dann dürfe mit Blick auf den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „nur ein solches Gebäude in der Form und der Größe wieder errichtet werden. Nur so und nicht anders.“

Schreiben eines Anwalts

Ob das Projekt durch eine Klage eines unmittelbaren Anliegers auf Eis gelegt werden könne, wollte Ludwig Niestegge (SPD) wissen. In einer der Stellungnahmen wurden von einer Anwaltssozietät mehrere Punkte vorgetragen; darunter eine „rücksichtslose Planung“ und eine Wertminderung der Nachbargrundstücke. Stadtplaner Walter Fleige antwortete: „Eine Stellungnahme wird nicht substanzieller, nur weil ein Anwalt sie abgegeben hat.“ Allerdings müsse jeder Vorhabenträger mit dem Risiko einer Klage leben.

„Leute mit Taschengeld“

Die UWG und die CDU hatten gegen die aktuelle Planung nichts einzuwenden. Die SPD wolle das Vorhaben noch in der Fraktion diskutieren, sagte Niestegge. Warum, das wurde durch den Einwand des Ausschussvorsitzenden Andreas Dönnebrink (SPD) deutlich. „Wir schaffen hochpreisigen Wohnraum und holen Leute von auswärts mit entsprechendem Taschengeld nach Ahaus. Das ist entgegengesetzt zur Diskussion, die wir gerade führen.“ So macht sich die SPD derzeit für mehr günstigen Wohnraum in Ahaus stark. Felix Ruwe (UWG) versuchte, die Bedenken zu zerstreuen: „Dr. Gerl möchte, dass Leute aus allen Schichten und allen Berufen dort wohnen.“ Der Ausschuss beschloss mit Mehrheit, dass jetzt der Entwurf des Bebauungsplanes erstellt wird.

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