Gemeinsames Ramadan-Essen in Ahaus fällt aus, Spenden fallen weg

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Corona bewirkt auch das: Erstmals in der Geschichte der türkisch-islamischen Kulturgemeinde Ahaus fällt im Fastenmonat Ramadan das gemeinsame Fastenbrechen aus. Damit fehlen auch Spenden.

Ahaus

, 23.04.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ab dem 24. April gelten bis zum 24. Mai für Muslime in Ahaus und Umgebung besondere Regeln: Während der Tage des Ramadan dürfen sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder Speisen noch Getränke zu sich nehmen. Ein umso größeres Gewicht bekommt da an den Abenden das Fastenbrechen, in der Woche innerhalb den Familien, an den Wochenenden mit vielen anderen Gemeindemitgliedern. Bislang jedenfalls.

„Ein gemeinsames Fastenessen an der Moschee wird es in diesem Jahr wegen Corona nicht geben“, erklärt Enver Gürbüz, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Kulturgemeinde. Auch die Nacht- und Tarawih-Gebete, zu der man sich während des Ramadans abends an der Moschee trifft, fallen diesmal weg. Mit Rücksicht auf die geltenden Corona-Verordnungen.

Verzicht auf soziales Miteinander

Was Enver Gürbüz und die anderen Gemeindemitglieder besonders trifft: „Es fehlt das Miteinander, die Gesellschaft, die Lebensfreude, das Teilen von Schmerz und Freude.“ Bisher nämlich war für rund 300 Familien an den Wochenendes des Fastenmonats die Moschee ihr zentraler Treffpunkt. Gemeinsam wurde eingekauft, gekocht und am späten Abend das Essen serviert. Ein Erlebnis für die ganze Familie, für die Jungen wie die Alten.

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Im Corona-Jahr büße man auch einiges von der Vielfalt der Gemeinde ein, sagt Enver Gürbüz. Bei großen Fastenbrechen an den Wochenende kämen nämlich immer auch die unterschiedlichsten Spezialitäten aus den unterschiedlichen Regionen auf den Tisch.

Virtuelle Alternativ-Angebote

Auch die muslimische Gemeinde in Ahaus will den Verzicht auf direkten Kontakt auf anderen Kanälen auffangen: über Facebook und Online-Angebote zum Beispiel wie die Lesung des kompletten Korans durch den Imam. Ein wirklicher Ersatz ist das für Enver Gürbüz aber nicht, auch wenn er betont, dass die Gesundheit für ihn den Vorrang habe.

Nach der anfänglichen Panik über das Auftreten des Virus hätten sich jetzt in seinen Reihen der Umgang mit den Regeln und Vorschriften etabliert. Selbst sein fünfjähriger Enkel habe ihn darauf hingewiesen, dass Händeschütteln zurzeit nicht erwünscht sei. „Wegen Corona“.“

Finanzielle Einbußen

Und auch in dieser Hinsicht macht die türkisch-muslimische Kulturgemeinde keine Ausnahme: Wie viele andere im Land ist auch sie finanziell betroffen. Der Ramadan ist auch der klassische Monat, um zu spenden. Und die fließen deutlich weniger. Enver Gürbüz: „Wir sind auf Spenden angewiesen und leiden auch unter Corona.“

Die Konsequenz: Die aktuelle Erweiterung an der Moschee ist zwar nicht stillgelegt, aber deutlich zurückgefahren. „Wir tun das, was wir tun müssen“, sagt der Gemeinde-Vorsitzende.

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