Gebürtiger Ahauser Phil Hanro mischt die US-Radio-Dance-Charts auf

dzMusik

Phil Hanro ist gebürtiger Ahauser. Das Lied „You Are“ des 37-Jährigen hat das Zeug zum Sommerhit. In den US-Radio-Dance-Charts war es unter den Top Ten, in Deutschland spielen immer mehr Sender das Lied.

Ahaus

, 10.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ist ein gebürtiger Ahauser der Macher des Sommerhits 2020? Fakt ist, dass der Mann, der sich den Künstlernamen Phil Hanro zugelegt hat, aus Ahaus stammt und einige Jahre hier lebte. Ob sein Lied „You Are“ das Zeug zum Hit hat? Gut möglich. Der Song stand im April in den Radio-Dance-Charts weltweit auf Platz 46. Wir sprachen am Freitag im Telefoninterview mit dem 37-Jährigen, der seit 1994 in Albersloh wohnt, über sein Lied, deutsche Radiosender und sein größtes Hobby, die Musik.

Herr Hanro, Sie sind gelernter Veranstaltungskaufmann, rutscht man da automatisch in die Musikszene?

Musik hat mich schon immer interessiert und mir Spaß gemacht. Ich habe früher Schlagzeug in einer Band gespielt. In meiner Ausbildung war ich auch für die Künstlerbetreuung zuständig, da war ich in dem Business eh schon unterwegs. Heute habe ich eine eigene Event-Agentur und bin gleichzeitig Partner in einer Künstler-Agentur.

Wie kam es zu dem Lied?

Durch die Corona-Beschränkungen ist in der Veranstaltungsbranche alles weggebrochen. Da gibt es nicht wirklich was zu tun, ich hatte Zeit. Ich habe das Lied am 27. März auf den gängigen Plattformen, die man so kennt, veröffentlicht; auf Spotify, Deezer, Apple Music.

Wo haben Sie das Stück eingespielt?

In Northeim, ich bin gerade auf dem Weg dorthin. Das Lied habe ich mit einem Freund zusammen produziert, er ist extremst musikalisch und hat ein Tonstudio.

Was war zuerst da, der Text oder die Musik?

Den Text habe ich gekauft. Es gibt Plattformen, auf denen Songwriter Texte und Gesang anbieten. Wir haben „Your Are“ mehr aus Lust und Laune produziert. Es war nicht geplant, dass es erfolgreich werden könnte.

Wie lange hat die Produktion gedauert?

Schon eine ganze Zeit, etwa zwei Monate. Ich betreibe das ja nicht hauptberuflich und von Münster nach Northeim sind es über 250 Kilometer. Die fährt man auch nicht jeden Tag.

Haben Sie insgeheim gehofft, dass vielleicht ein Hit dabei heraus kommt?

Ich würde von mir behaupten, dass ich einen recht ausgewogenen Musikgeschmack habe. Ich bin nicht selbstverliebt in meine eigene Musik. Es gibt viele Musiker, die von ihren eigenen Liedern behaupten, das ist der Oberhammer. Mir muss es selber gefallen, aber ich achte auch darauf, könnte es anderen gefallen? Ich gehe sehr kritisch daran. Es soll so sein, dass ich am Ende sagen kann: Damit lässt sich etwas anfangen. Die Veröffentlichung war in diesem Fall eher aus der Langeweile heraus geboren. Aber wenn es den Leuten nicht gefallen würde, dann würden wir jetzt nicht telefonieren.

Wie hat sich Ihr Lied „Your Are“ sei der Veröffentlichung am 27. März entwickelt? Ging es mit den Abrufzahlen steil nach oben?

Bei Spotify gibt es sogenannte Playlist-Kuratoren. Mit ihrer Hilfe kann ich meinen Song bewerben. Sie entscheiden, ob sie ihn in ihre Playlist aufnehmen. Zusätzlich habe ich das Lied spaßeshalber einem amerikanischen Radio-Promoter geschickt.

Wie kam es zu dem Kontakt?

Den habe ich mir aus dem Internet rausgesucht, das war ein Versuch. Wenn ich hier in Deutschland einem Radio-Promoter mein Lied gebe, dann sagt der: kein Problem. Gib mir 3000 Euro und ich versuche mein Bestes. In Amerika läuft das etwas einfacher. Erst mal haben sie dort nicht solche Preisstrukturen. Da zahlt man 120 Dollar, das ist den Versuch wert. Der Promoter gab es weiter an seine Radiokontakte. Ob den Sendern das Lied gefällt oder nicht, darauf hat auch er keinen Einfluss. Als Info bekam ich vom Radio-Promoter in Amerika folgendes zurück: Super Song, gefällt mir. Danke.


Danke – und das war’s?

Eine Woche später habe ich meinen Namen gegoogelt und bin auf eine Charts-Seite gekommen. Ich war auf Platz 38 in den Radio-Dance-Charts USA. Dann konnte ich von Woche zu Woche beobachten, wie das Lied nach oben kletterte. Höhepunkt war Platz 8, aktuell liegt „You Are“ auf Platz 15. (Info der Red.: Auf Spotify wurde das Lied seit der Veröffentlichung über 160.000 Mal abgespielt.)

Kann man mit solchen Zahlen Geld verdienen?

Das Problem ist, dass auf Streamingplattformen quartalsweise abgerechnet wird. Wenn ich auf Spotify-Premium 0,0048 Cent pro Abspielung bekomme, da muss man schon ein paar Millionen Mal gehört werden, bis sich das lohnt. Deutsche Radiosender müssen an die Gema zahlen, mal schauen.

Hört man Sie schon auf deutschen Sendern?

Ja, auch in NRW.

Ist Ihr Bekanntheitsgrad schon gestiegen?

Es läuft so langsam an. Sat1 will noch was machen.

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Was machen Sie für Musik?

EDM, Electronic-Dance-Music, Pop-Dance.

Im Internet ist über Sie zu lesen, dass Sie auch DJ sind.

Das stimmt nicht. Es wird zwar überall geschrieben, aber wohl nur, damit sich die Leute etwas darunter vorstellen können, was ich mache. Was da in verschiedenen Foren steht oder auf Homepages von Radiosendern, das habe ich denen nie gesagt.

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Ihr Traum ist es also nicht, ein deutscher Calvin Harris zu werden?

Wenn sich das ergeben sollte, sage ich nicht nein. Ich arbeite aber nicht darauf hin, das zu werden. Musik mache ich, weil sie mir Spaß macht, nicht, um damit Geld zu verdienen. Wenn es der breiten Masse gefallen sollte und ich Erfolg habe, dann sage ich dankend ja.

„You Are“ soll doch sicher kein One-Hit-Wonder gewesen sein. Wann kommt Ihr nächster Hit?

So richtig festgelegt habe ich mich noch nicht. „You Are“ wird erst seit letzter Woche Dienstag in NRW in den Radios gespielt. Vielleicht kommt mein neues Lied in einem Monat, vielleicht in zwei Wochen.

Sie sind auf dem Weg nach Northeim, wann waren Sie das letzte Mal in Ahaus?

Ganz sicher 2012. Damals musste ich meine Geburtsurkunde im Rathaus abholen, weil ich geheiratet habe.

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