In Sabines Haarstudio wurde ebenso wie in vielen anderen Ahauser Friseursalons vor dem Lockdown nahezu rund um die Uhr gearbeitet. © Bastian Becker
Friseure und Corona

Friseure arbeiteten vor Lockdown bis zu 15 Stunden und waren ausgebucht

Der Sturm auf die Friseurgeschäfte vor dem Lockdown war kontrolliert, aber deutlich zu spüren. Überstunden machen alle befragten Salons in Ahaus. Sie hoffen auf eine möglichst kurze Pause.

Überstunden sind für die Friseure in Ahaus an den letzten Arbeitstagen des Jahres eine Selbstverständlichkeit. Schließlich gilt es, die folgende Geschäftsschließung ab Mittwoch zumindest teilweise aufzufangen. Die Kunden strömen jedenfalls in die Geschäfte und lassen sich die Haare schneiden, so lange es noch geht.

Lotte Augustin, in ihrem Salon „Beidseits“ als Einzelkämpferin ohne Mitarbeiter unterwegs, erklärt am Dienstag: „Gestern und heute arbeite ich jeweils 14 Stunden und bin völlig ausgebucht. Bedarf wäre bis 24 Uhr, aber dafür reicht die Kraft nicht. Aber keiner kann fast zwei Wochen in zwei Tagen ausgleichen.“

Plötzliche Schließung überrascht Friseurin

Mehr als 20 bis 25 Kunden am Tag kann die Friseurin nicht bedienen. Manchen treuen Kunden müsse sie deswegen absagen. So richtig war sie auf den Lockdown nicht vorbereitet. „Friseure sollten bei den Schließungen ja eigentlich nicht betroffen sein, ich war am Sonntag vor den Kopf gestoßen“, erzählt Lotte Augustin.

Auch im Friseursalon Wesker werden die Kunden am Montag und Dienstag mit geänderten Öffnungszeiten bedient. Auf eine Mittagspause verzichten die Inhaber des Familienbetriebs, um mehr Zeit für den Kundenandrang zu finden. Voll wird es dabei bei den Friseuren nicht, schließlich wird weitgehend ausschließlich mit Terminen bedient.

Ende offen und Arbeit im Akkord

Eine Ausnahme bildet das Shabab Friseurstudio in der Wallstraße. Hier werden zumindest die männlichen Kunden ohne Termin bedient. „Solange wir Zeit haben, schneiden wir gerne und wollen den Menschen helfen“, betont Inhaber Rabin Shabab. „Wir öffnen heute auf jeden Fall bis 20 Uhr. Dann müssen wir mal gucken, wie es aussieht.“

Er glaube nicht an einen so großen Ansturm, dass man Leute abweisen müsse. „Wir bitten die Kunden, sich auch vor der Tür an die Hygienemaßnahmen zu halten“, das ist Rabin Shabab wichtig. Gegen Mittag warten dort nur zwei Personen. „Der einzige volle Monat beim Friseur ist sonst der Januar“, weiß er und hofft deswegen, dass der Lockdown nicht verlängert wird.

Beim Besuch im Friseursalon Clermont wird deutlich, dass die Friseure im Akkord arbeiten. Das ganze Team ist von 7 bis 22 Uhr voll beschäftigt und hat deshalb keine Zeit für weitere Auskünfte.

Alle Kräfte werden vor der Schließung mobilisiert

Ina Bohmert, Inhaberin des Haar Atelier an der Schloßstraße, schneidet auch gerade einem Mann die Haare und erzählt dabei: „Wir haben Montag und Dienstag von 7 bis 21 Uhr geöffnet. “ Auch hier sind alle Termine längst besetzt.

„Wir haben so viele Kunden aufgenommen, wie es ging, und alle Kräfte mobilisiert“, stellt Ina Bohmert fest. Eigentlich habe sie gedacht, wenigstens bis zum Ende der Woche noch arbeiten zu können.

„Ich hoffe, dass wir relativ schnell wieder öffnen können“, blickt die Friseurmeisterin in die Zukunft. Schließlich müsse der Verlust der Lockdown-Tage wieder aufgefangen werden. Vor allem hofft sie aber, dass alle gesund bleiben.

Ein Salon schließt vorzeitig

„Wir sind sehr froh, dass wir noch öffnen können, und Gott sei Dank ausgebucht“, sieht Sabine Koerdt, Inhaberin von Sabines Haarstudio in der Bahnhofsstraße, noch die positiven Aspekte. Andere Branchen wie etwa die Gastronomie habe es schließlich schlimmer erwischt.

Bis 21 Uhr wird auch in diesem Salon gearbeitet, ein 80 Seiten langes zertifiziertes Hygienekonzept mit unter anderem einer Klingel vor der Tür sorgt für die Sicherheit der Kunden.

„Ich würde mich freuen, wenn sich alle an die Abstands- und Hygieneregeln halten. Dann müsste es schnell wieder bergauf gehen“, appelliert Sabine Koerdt.

Ein Ahauser Friseur musste bereits vorzeitig schließen.

Der Friseursalon Honekamp verweist auf seiner Homepage auf mehrere positiv getestete Mitarbeiter und hat sich deswegen entschieden, am Montag und Dienstag nicht mehr zu öffnen.

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Bastian Becker

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