Friedliche Mahnwache gegen Atommüll in Corona-Zeiten: „Es brennt“

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Sicherheitsabstände und Mund-Nasenschutz – das prägte die Mahnwache der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“. Die 30 Teilnehmer sehen aber auch positive Auswirkungen der Corona-Krise.

Ahaus

, 18.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Pandemie bestimmte auch die erste Mahnwache der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“. Mit großem Abstand versammelten sich die Teilnehmer am Mahner. Die Vorsitzenden der Bürgerinitiative Hartmut Liebermann und Felix Ruwe gedachten nicht nur in einer Schweigeminute der Opfer der Explosion des Atomreaktors in Tschernobyl, sondern markierten viele Brennpunkte rund um das Thema der Lagerung und Produktion von Atommüll, und das nicht nur in Ahaus.

„Es brennt“, lieferte Ruwe, die sprachliche Steilvorlage für Liebermann. „Es brennt tatsächlich, wenn wir nur an die Brände in Tschernobyl erinnern, mit denen die Reste des Atommeilers in Tschernobyl akut bedroht waren“, nahm Liebermann das auf.

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„Die Corona-Pandemie hat auch positive Auswirkungen. Seit März liegt der Forschungsreaktor im bayerischen Garching still aus Personalmangel. Gestern berichtete ein Artikel in der FAZ darüber, dass der Schadstoffausstoß in Garching höher als erlaubt liege. Seit 2018 wird der Reaktor illegal betrieben, da er keine Betriebserlaubnis mehr hat“, fasste Liebermann seine Kritik zusammen. Und ergänzte mit Blick auf Ahaus: „Deshalb sind wir dagegen, dass waffenfähiges Material aus diesem Atomkraftwerk nach Ahaus transportiert wird.“

Kritik am Plansicherstellungsgesetz

Ebenso kritisierte er das taufrische Plansicherstellungsgesetz, das am Donnerstag mit den Stimmen der CDU/CSU und der SPD bei Enthaltung der Grünen und der FDP verabschiedet wurde. Öffentliche Debatten um umweltrelevante Themen unterbinde dieses Gesetz bis März 2021. „Dieses hier ist keine Anti-Corona-Demonstration. Dennoch müssen wir aufpassen, dass unsere Grundrechte durch solche Gesetze nicht eingeschränkt werden“, reichte Liebermann seine Kritik an die Teilnehmer der Mahnwache weiter und erntete Beifall.

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Mit Blick auf den Kernreaktor in Jülich und das dortige Zwischenlager korrigierte Liebermann die Meldung, dass das Lager neun weitere Jahre betrieben werden dürfe: „Es ist lediglich ein Gutachten erstellt worden mit der Empfehlung für neun weitere Jahre, keine Genehmigung.“

Demonstration findet am Dienstag in Münster statt

Ruwe verwies auf einen weiteren Kritikpunkt, der das Lager in Ahaus ganz konkret betreffe. „Bis 2057 soll die Lagergenehmigung von schwach- und mittelradioaktiven Atommüll in Ahaus verlängert werden. Ursprünglich war das Lager nur bis zum 31. Dezember 2036 genehmigt worden“, kritisierte Ruwe. Dagegen riefen er und Liebermann zu einer Demonstration vor dem Gebäude der Bezirksregierung in Münster am Dienstag, 19. Mai, 12 bis 13 Uhr auf, die den Antrag für die Verlängerung vorliegen habe.

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