Europameister Tim Welberg aus Ottenstein: Wie aus Fliesen Bilder werden

dzWettbewerb der Fliesenleger

Der Ottensteiner Tim Welberg ist Europameister der Fliesenleger. Am Wochenende zeigte er in Ahaus Auszubildenden des zweiten und dritten Lehrjahres, worauf man in dem Job achten muss.

Ahaus

, 11.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es sind die Mausezähnchen, die so manchen Kutter auf See etwas ins Schlingern gebracht haben. Nein, gesunken ist kein Schiff.

Allesamt haben sie den Hafen erreicht. Und die Nager waren auch nicht wirklich, sondern nur im übertragenen Sinne am Werk. Sie waren die kleinen „Ausreißer“ im glatten Schnitt beim Handwerk der Fliesenleger am Wochenende im Landesleistungszentrum, sprich in der Berufsbildungsstätte Westmünsterland in Ahaus.

Dort hatten sich zehn Teilnehmer des zweiten und dritten Lehrjahres aus Nordrhein-Westfalen zu einem Training und einem kleinen Leistungsvergleich unter Mitwirkung des Europameisters ihres Gewerkes, dem Ottensteiner Tim Welberg, eingefunden.

Europameister Tim Welberg aus Ottenstein: Wie aus Fliesen Bilder werden

Die handwerkliche Herausforderung bestand in den diagonalen und den runden Schnitten. Bei vielen Auszubildenden schlichen sich hier „Mausezähnchen“ ein. © Susanne Menzel

Es herrscht eine geschäftige Stille am Samstagmorgen in der Bauhalle 7 der Berufsbildungsstätte. Gleichwohl sind hier eifrige Nachwuchskräfte an der Arbeit. Hoch konzentriert, wie die roten Wangen beweisen.

Immer wieder blicken die jungen Männer auf den Holzrahmen mit diagonaler oder rund geschnittener Keramik in unterschiedlicher Farbgebung vor sich auf der Werkbank. Vorsichtig werden die Fliesenteile hin und her geschoben.

„Kutter auf See“

„Kutter auf See“ ist das Bild betitelt, das sie zunächst schneiden, dann zusammenfügen und später an der Wand legen sollen. „In dieser Aufgabe stecken zahlreiche Herausforderungen, die man im Alltag, auf der Baustelle, so nicht vorfindet“, erklären BBS-Ausbilder Andreas Nollmann und Tim Welberg, die die zweitägige Veranstaltung betreuen.

Der 24-jährige Tim Welberg geht auch immer wieder an den Arbeitsplätzen vorbei, unterstützt hier und beantwortet Fragen dort.

„Kann hier eine Menge lernen“

„Das ist schon eine Tüntelei“, gibt der Stadtlohner Pascal Voß zu. Der 17-Jährige war von Landesfachgruppenleiter und Fliesenlegermeister Andreas Telaar zur Teilnahme an dem Wettbewerb animiert worden. „Ich bin aber gerne und freiwillig hier her gekommen“, stellt er klar.

„Dass ich jetzt auch übers Wochenende mit beruflichen Dingen beschäftigt bin, geht für mich in Ordnung. Ich kann hier eine Menge lernen – besonders was das Feingefühl betrifft. Das bekommt man sonst in der Ausbildung nicht geboten. Da ist dann eher das Grobe gefragt.“

Sein Kollege Malte Laurich hat dagegen schon mehr Erfahrung damit, Fliesen zu „Bildern“ zusammenzufügen. Der 19-jährige Vredener ist bei seinem Ausbildungsbetrieb in der Vergangenheit schon häufiger mit filigranen Aufträgen befasst gewesen.

„Wir sind unter anderem im Schwimmbadbau unterwegs“, erzählt er. „Da mussten wir letztens eine Schlange aus Mosaiksteinen legen.“ Das exakte Zuschneiden allerdings, das könne er jetzt hier ausprobieren.

Europameister Tim Welberg aus Ottenstein: Wie aus Fliesen Bilder werden

Andreas Telaar, Landesfachgruppenleiter Fliesen im Baugewerbeverband Westfalen, gratuliert im Beisein von Tim Welberg und Andreas Nollmann (r.) dem Sieger Mortoza Safizade. © Susanne Menzel

„Das Niveau der Teilnehmer ist sehr hoch“, anerkennen später die Juroren Andreas Nollmann und Tim Welberg. „Wenn man bedenkt, dass die Nachwuchskräfte kaum Vorbereitungszeit zur Verfügung hatten, ist das schon eine enorme Leistung, die sie hier ablegen“, so ihre lobenden Worte.

Begutachtung der Arbeitsproben

Denen schließen sich auch Andreas Telaar als Landesfachgruppenleiter Fliesen im Baugewerbeverband Westfalen, Hermann Schulte-Hiltrop, Hauptgeschäftsführer der Bauverbände in Westfalen, sowie Christoph Bruns, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Borken, und BBS-Geschäftsführer Bernhard Könning an, als sie vor der Siegerehrung die fast durchweg vollendeten Arbeitsproben der Auszubildenden begutachten.

„Die Premiere stand unter dem Motto ‚Fördern und fordern‘. Ich muss sagen, das Konzept ist aufgegangen. Alle waren mit Spaß und Ehrgeiz bei der Sache und haben sich gegenseitig unterstützt“, freute sich Andreas Telaar.

Anreise aus dem Siegerland

Und ein ganz besonderes Lächeln im Gesicht hatte dann am frühen Nachmittag Unternehmer Michael Bär, der mit fünf Lehrlingen – vier aus seinem Betrieb, einem eines Kollegen aus dem Sauerland – aus dem 200 Kilometer entfernten Siegerland angereist war.

Sein Azubi Mortoza Safizade hat den ersten Platz errungen, gefolgt von Malte Laurich aus Vreden und Zaman Ibrahimi, ebenfalls vom Unternehmen Bär. Sie alle strahlten miteinander um die Wette.

„Fachliche Angebote dieser Qualität sind eine gute Vorbereitung für Leistungsvergleiche auf Landes- und Bundesebene“, gaben Andreas Nollmann und Tim Welberg dem Nachwuchs motivierend mit auf den Weg.

„Ein Haus und eine lebenslange Rente“

Und Nollmann setzte mit einem Augenzwinkern nach: „Wenn bei einem Wettkampf ein Teilnehmer aus China gewinnt, bekommt er als Preis ein Haus und eine lebenslange Rente zugesprochen.“

So weit reichen die Lorbeeren für die deutschen Teilnehmer noch nicht. „Aber qualifizierte Fachkräfte haben auch bei uns einen guten Stand. Zumal wir ab Januar 2020 für das Gewerk wieder die Meisterpflicht einführen“, ergänzte Hermann Schulte-Hiltrop.

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