Ahaus ist Modellregion: Am Freitagvormittag hat NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart diese Entscheidung verkündet. Ab dem 19. April sollen vorsichtige Lockerungen möglich sein. Die Rahmenbedingungen sind aber noch unklar. © Lisa Wissing
Corona-Pandemie

Erste Lockerungen? Stadt Ahaus wurde als Corona-Modellstadt ausgewählt

Die Corona-Modellregionen stehen fest. Ahaus gehört als Modellstadt dazu. Das hat der NRW-Wirtschaftsminister am Freitag verkündet. Die Stadt darf ab 19. April Maßnahmen lockern.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) hat am Freitag die Corona-Modellregionen verkündet. Die Stadt Ahaus ist dabei. Am 19. April soll das Projekt starten. Das bedeutet, dass die Stadt Ahaus, zumindest teilweise und in beschränktem Rahmen das öffentliche Leben wieder hochfahren darf. Aber auch nur dann, wenn der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert unter 100 liegt. Aktuell liegt er in Ahaus bei 33. Außerdem wird die Modell-Phase wissenschaftlich begleitet.

Ahaus gehört zu den ersten acht Kommunen

26 Kreise und 20 Städte hatten sich beworben. Zu den ersten acht ausgewählten Regionen gehören neben der Stadt Ahaus die Kreise Coesfeld, Warendorf, Paderborn und Soest und die Städte Münster und Mönchengladbach. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Entscheidung trat der Verwaltungsvorstand der Stadt Ahaus zusammen, um die Details zu besprechen, was der Status „Modellregion“ jetzt konkret für die Stadt und ihre Bürger bedeutet. Heißt: Wie können die „behutsamen Lockerungen“, die damit verbunden sind, aussehen.

Freude bei Stadt und Kreis

Bürgermeisterin Karola Voß äußerte sich Freitagmittag in einer Pressemitteilung dazu: „Wir freuen uns über diese Entscheidung der Landesregierung und darauf, unsere Innenstadt wieder mehr und vor allem sicher zu öffnen. Wir bleiben vorsichtig – aber wir brauchen auch Perspektiven“, so Bürgermeisterin Karola Voß.

In den kommenden Tagen werde es nun darum gehen, das Konzept mit dem Land und den Beteiligten final abzustimmen. Erst dann will sich die Stadt auch zu Einzelheiten der Umsetzung äußern.

Kreis spricht von Huckepack-Projekt für den ganzen Kreis

Dass „nur“ noch die Stadt Ahaus als Modellregion genannt wird, nicht aber der gesamte Kreis Borken, der sich ebenfalls beworben hatte, wurde im Borkener Kreishaus gelassen aufgenommen. „Wir sind hoch erfreut, dass Ahaus gefördert wird“, sagte Kreis-Sprecher Karl-Heinz Gördes auf Anfrage der Redaktion. Man sehe nicht, so Gördes, dass der Kreis durch den Zuschlag für Ahaus jetzt außen vor sei: „Das war sozusagen ein Huckepack-Projekt, das wir gemeinsam an das Land herangetragen haben.“

Landrat Dr. Kai Zwicker: „Das vorgelegte Konzept mit vielfältigen digitalen Aspekten, die für verschiedene Lebens- und Arbeitsbereiche eine vorsichtige Lockerung der Corona-Beschränkungen ermöglichen sollen, hat in Düsseldorf offensichtlich überzeugt.“ Ahaus werde nun in einem ersten Schritt als Pionier vorangehen. Das sei Bestandteil der Bewerbung gewesen und auch abgesprochen. Eine Ausweitung auf andere Kommunen innerhalb des Kreises Borken wäre in einem Folgeschritt umsetzbar. „Jetzt werden die Fachleute die Köpfe zusammenstecken, um das Vorgehen und erste konkrete Schritte abzustimmen“, zeigte der Landrat den weiteren Weg auf.

Viele Pluspunkte für Ahaus

Die Stadt Ahaus hatte bei ihrer Bewerbung auf ihre Qualitäten als „Digitalstadt“ und auch auf einen großen Erfahrungsschatz im Umgang mit der Pandemie hingewiesen und sich „in enger Abstimmung und in Ergänzung zur Bewerbung des Kreises Borken“ als „Pionier“ empfohlen. Das Ahauser Pandemie-Management soll in einen Stufenplan gefasst werden, der festlegt, wie die Öffnungsschritte im einzelnen realisiert werden sollen. Eine der Hauptsäulen ist ein negatives Testergebnis, das sozusagen als „Eintrittskarte“ für die verschiedenen Bereiche wie zum Beispiel Geschäfte, Gastronomie oder Kulturstätten funktionieren würde.

Allerdings soll die Ahauser „Modellregion“ räumlich begrenzt werden. Angedacht sind bislang die Innenstadt wie auch so genannte „Point of Interests“: Gastronomie und Hotellerie, Freizeit- und Sporteinrichtungen, Schloss und Schlossgarten, Museen, Kino und andere Kultureinrichtungen.

Digitale Angebote sind großer Pluspunkt für die Stadt

Weiterer Pluspunkt, mit dem Ahaus mit der Bewerbung offenbar überzeugen konnte, sind die geforderten und hier weit entwickelten IT-gestützten Prozesse zur Kontaktverfolgung. Dank des Systems Chayns der Tobit-Labs sind digitale Prozesse in Ahaus längst Alltag. Was sonst in der Gastronomie oder bei Großveranstaltungen genutzt wird, vereinfacht in der Pandemie die Kontaktverfolgung oder die Vergabe von Schnelltestterminen.

Entsprechend positiv bewertet auch Tobias Groten, Gründer und CEO der Tobit-Labs die aktuelle Entscheidung. In seinem Streben nach der Digitalisierung einer ganzen Stadt sieht er sich bestätigt. „Das Streben, die Begeisterung, die Offenheit bei den Menschen ist schon lange da“, erklärt er gegenüber unserer Redaktion. Aber es sei nicht so hilfreich, immer zu predigen, wie toll doch die Vernetzung sein kann. Seit Jahren werde aber immer mehr Menschen klar, wie einfach, praktisch, schnell und schön das alles sein könne. Und da seien die Ahauser den Menschen in anderen Städten einfach um zwei Jahre voraus.

Mediziner befürwortet Lockerungen unter engem Konzept

Grünes Licht für das Projekt gibt es auch von Medizinern: Dr. Dr. Heinz Giesen aus Wüllen spricht sich für Lockerungen unter engen Voraussetzungen aus. Eben etwa ein Test- und Hygienekonzept. „Das ist dann natürlich kein Freibrief, um bestehende Regeln zu missachten“, schränkt er ein. Mit einem vernünftigen Öffnungskonzept spreche aber nichts dagegen, erste Lockerungen durchzuführen.

„Es ist sehr gut, dass so beispielsweise das Engagement der vielen Gastronomen belohnt wird“, erklärt er unserer Redaktion. Und er sieht noch einen Vorteil: Mit einem Konzept könnten noch mehr Menschen einen Anreiz bekommen, sich regelmäßig testen zu lassen. Und das sei eben der einzige Weg, um diejenigen aufzuspüren, die zwar infiziert sind, aber keine Symptome haben.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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