Erst Skepsis, dann Begeisterung: Solidbox setzt auf Wohnmodule aus Beton

dzWirtschaftsporträt

2016 gründete Hermann Stegink in Heek das Unternehmen „Solidbox“. Mit Wohnmodulen aus Smartbeton möchte man den Markt aufmischen – bisher mit Erfolg. Und das trotz anfänglicher Skepsis.

Ahaus, Heek

, 06.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Halle an der Otto-Hahn-Straße 1 in Ahaus ist leer. Nur ein paar Werkzeuge stehen in den Ecken. Vor wenigen Wochen sah das noch anders aus. Zahlreiche Handwerker machten genau an dieser Stelle insgesamt 39 Wohnmodule für den Transport nach Bad Oeynhausen bereit.

Die Gewerbeimmobilie, die dort im Baukastenprinzip aus den Betonmodulen entstehen wird, soll schon Weihnachten bezugsfertig sein. Eines von vielen Großprojekten, das das Unternehmen Solidbox in der jüngsten Vergangenheit auf den Weg gebracht hat.

Vor einigen Wochen war die Produktionshalle in Ahaus noch mit Modulen gefüllt. Silke Schwietering und Hermann Stegink machten sich regelmäßig ein Bild von den Fortschritten.

Vor einigen Wochen war die Produktionshalle in Ahaus noch mit Modulen gefüllt. Silke Schwietering und Hermann Stegink machten sich regelmäßig ein Bild von den Fortschritten. © Solidbox

Bisher ist es eine einzige Erfolgsgeschichte: Vor sechs Jahren steckten einige kluge Köpfe aus der Region ihre Köpfe zusammen und schmiedeten einen Plan. Ihre Idee: massive Wohnmodule aus Smartbeton zu fertigen. Zwei Jahre brauchten sie für die Feinjustierung, 2016 gründete Hermann Stegink schließlich in Heek das Unternehmen Solidbox: „Wir wurden angetrieben durch die Idee eines Dortmunder Architekten, der schnell und kostengünstig Wohnraum schaffen wollte“

Ein Jahr später, im März 2018, errichtete man in Rekordtempo im Industriegebiet „Stroot“ eine Wohneinheit, die von außen betrachtet kaum Hinweise auf eine Modulbauweise gibt. Ein Geheimnis des Erfolgs.

Betonwerk Büscher fertigt die Stahlbetonmodule

Das Konzept ist bis heute dasselbe. Das Betonwerk Büscher fertigt Stahlbetonmodule, die als Rohlinge zum Solidbox-Produktionsstandort nach Ahaus gebracht werden. „Bei uns in den Hallen führen wir dann 80 Prozent des Innenausbaus durch“, erklärt Hermann Stegink.

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Lokale Handwerksunternehmen werden damit beauftragt, Fenster, Bäder, Heizung und Elektrotechnik einzubauen. Auch die Fassade, Fliesen – und in Einzelfällen sogar die Tapete – werden bereits angebracht. Nach Angaben von Solidbox werden die Wohnmodule zu 90 Prozent im Werk vorgefertigt, geprüft und abgenommen – einschließlich Innenausbau und technischer Gebäudeausrüstung.

Arbeit vor Ort auf ein Minimum reduziert

„Vor Ort brauchen wir eigentlich nur einen Stromanschluss und eine Kaltwasserleitung. Die Arbeit am Standort des Gebäudes ist minimal“, sagt Silke Schwietering von der Geschäftsleitung. Die Vorteile liegen auf der Hand. „Es ist nicht nur die extrem verkürzte Dauer bis zur Fertigstellung. Diese Bauweise ist trotz ihrer hohen Qualität deutlich günstiger als die herkömmliche.“ Obwohl es sich um Module handelt, ist das Unternehmen bei der Größe ebenjener flexibel.

Die Betonmodule werden per Kran aufeinandergesetzt.

Die Betonmodule werden per Kran aufeinandergesetzt. © Johannes Schmittmann

Hermann Stegink gesteht, dass am Anfang nicht jeder, dem er davon erzählt hat, von der Idee begeistert war. „Es gab auch Skeptiker, aber die sind mittlerweile verstummt“, sagt er. Dazu beigetragen hat nicht nur die erfolgreiche Umsetzung bundesweiter Projekte. 2018 gehörte Solidbox bei einer europaweiten Ausschreibung des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) zum Siegerteam. Ein Erfolg, der sich schnell herumspricht.

Den GdW haben nicht nur die niedrigen Kosten, die hohe Qualität und die schnelle Umsetzung überzeugt. „Durch die spezielle Heiztechnik sind die Staubemission und die Schadstoffbelastung deutlich geringer, was besonders für Allergiker gut ist. Dieser Aspekt wurde ebenfalls gelobt“, sagt Hermann Stegink.

Über 150 Wohneinheiten erstellt

Seit dem Gewinn des Wettbewerbs wurden über 150 Wohneinheiten mit Solidbox-Betonmodulen erstellt. Im März brachte das Unternehmen ein Mehrgenerationenhaus mit 56 Wohnungen zum Abschluss. „Es ist vollelektrisch, kommt also ohne fossile Brennstoffe aus“, so Stegink. Der neueste Auftrag stammt von einem großen deutschen Aktienunternehmen, dessen Namen er noch nicht nennen darf.

Bisher kennt Solidbox nur einen Weg: den nach oben. Aus anfänglich zwei Mitarbeitern sind mittlerweile knapp 20 geworden. Und die anfängliche Skepsis? „Die gibt es nicht mehr, denn wir haben mittlerweile vorzeigbare Referenzen. Dass die Kunden uns weiterempfehlen, hilft uns natürlich auch. Die Akzeptanz ist heute um ein Vielfaches größer als am Anfang“, sagt Hermann Stegink. Für ihn ist klar: Der Weg ist noch lange nicht zu Ende. „Wir sind weiter auf Expansionskurs.“

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