Erneut wenig Wasser in Aa und Umflut: Stress für Stichling und Co.

dzLeserhinweis: Trockenheit

Es bahnt sich der dritte trockene Sommer in Folge an, in diesem Jahr sehr früh. Und wenig Wasser in den Flüssen und Bächen setzt Flora und Fauna unter Stress. Auch den Stichling.

Ahaus

, 22.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Finden sich an Stellen in der Umflut der Aa, an denen in früheren Jahren stets Stichlinge zu beobachten waren, aktuell keine mehr? Und wie haben sich darauf bezogen Fauna und Flora in der Aa und in anderen Gewässern erholt? Entenküken gebe es ja erfreulicherweise in diesem Jahr in sehr großer Zahl. Diese Fragen stellte sich ein Leser der Münsterland Zeitung. Wir haben bei Experten nachgehakt – und ein wesentlicher Grund, der gerade den Stichlingen das Leben und Vermehren schwer machen könnte, ist hinlänglich bekannt: die Trockenheit im Sommer.

An der Stelle, an der die Umflut der Ahauser Aa entspringt, führt letztere ebenso schon wenig Wasser.

An der Stelle, an der die Umflut der Ahauser Aa entspringt, führt letztere ebenso schon wenig Wasser. © Michael Schley

Keine besonderen Erkenntnisse hinsichtlich der Wasserqualität oder störender äußerer Einflüsse liegen zu dieser Problematik dem Kreis Borken vor, wie Pressesprecher Karlheinz Gördes auf Nachfrage berichtet: „Nach Rücksprache mit der Unteren Fischerei- und der Unteren Wasserbehörde und deren Nachforschungen können wir uns darauf keinen Reim machen.“ Und auch deshalb gewinnt das Bild, dass letztlich die Trockenheit ein wesentlicher Aspekt sein könnte, an Bedeutung.

Wasserbehörde warnte schon im Vorjahr

Schon im vergangenen Sommer hatte die Untere Wasserbehörde die Bürger darum gebeten, angesichts des zweiten trockenen Sommers in Folge „schonend mit der Ressource Wasser umzugehen“, Wasserentnahmen wurden ohne Absprache gar untersagt.

Jetzt lesen

Tiere und Pflanzen stünden aufgrund der Trockenheit unter Stress, bräuchten eines Mindestwasserstand, um überleben zu können. Und auch jetzt herrscht bereits früh Regenmangel, dazu kommt ein anhaltender Nordost-Wind, der den Böden und Flüssen Wasser entzieht.

Phasenweise ist die Umflut bereits komplett mit Grün zugewachsen.

Phasenweise ist die Umflut bereits komplett mit Grün zugewachsen. © Michael Schley

Diese Problematik ist Heinrich Elfering, dem Vorsitzenden des Angelsportvereins Alstätte, dem Pächter der Aa, bekannt: „Das große Problem der Aa ist, dass es kaum Stauungen gibt.“ So hätte das Wasser kaum die Chance, stehen zu bleiben. Beispielhaft gehe man in Holland voran, wo verschiedene Staustufen eingebaut würden.

Stichling braucht dringend Fließwasser

Die Probleme in der Anlage und im Verlauf bestätigt Marek Wycisk, der Vorsitzende des Angelsportvereins Ahaus: „Im Winter läuft die Aa oft über, im Sommer ist sie fünf, sechs Monate wie ausgetrocknet. Die Umflut sowieso. Im Bereich von Graes geht es dann wieder.“ Bezogen auf den Stichling im Speziellen bedeute dies: „Der Stichling braucht bestenfalls langsame Fließgewässer, um seine Brut zu schützen. Fließt das Wasser ab, zieht er sich zurück. Dazu kommt der Stress und in der Folge gibt es kaum eine Vermehrung.“ Stichlinge bauen ihre Nester auf dem Gewässerboden.

Die Aa bahnt sich durch dichtes Grün ihren Weg. Wenig Wasser setzt Tiere unter Stress – ebenso den Stichling.

Die Aa bahnt sich durch dichtes Grün ihren Weg. Wenig Wasser setzt Tiere unter Stress – ebenso den Stichling. © Michael Schley

2019 habe man vom ASV Ahaus eine Rettungsaktion gestartet und Fische aus der Aa umgesetzt in eigene Vereinsgewässer wie die Schlossgräfte. „Aber da sind die Sauerstoffvorräte irgendwann auch begrenzt – ebenso unsere personellen Kapazitäten. Wir haben gerettet, was ging.“

Jetzt lesen

Nun stehe man vor einem ähnlichen Dilemma. Trotz des recht feuchten Winters sinke der Grundwasserspiegel jetzt schon wieder. Wie es sich vor allem auch an den Vereinsgewässern zeige. „Es muss einfach mehr regnen.“ Dass sich Flora und Fauna schnell wieder erholten, das weiß Wycisk aus Erfahrung.

Lesen Sie jetzt